Innere Stadt: Vor wenigen Tagen, in den Iden des März, eröffnete die “freche” Brasserie im Wilde Aparthotels. Genuss-Autor Marko Locatin war vor Ort.
In dem weitläufigen Ensemble der Alten Post zwischen Fleischmarkt und Dominikanerbastei eröffnete Anfang März die zu den Aparthotels Wilde ressortierende Brasserie Rascal. Rascal kann mit Schurke übersetzt werden, charmanter ist Frechdachs. Dorthin führen mehrere Wege, die amtliche Adresse lautet auf Dominikanerbastei 15. Der schönste Weg ist jener vom Fleischmarkt, von wo man durch den imperialen vierkantigen Innenhof ans Ziel gelangt. Buntes Interieur, viele Spiegel, lebendige Akzente in Rot und, sagen wir, animierende Beschallung. Hübsch auch die saisonal sowie zeitlich abgestimmten Visuals – Kirschblüte war eines der Themen dieses Abends.
Speis & Trank
Als Küchenchef konnte mit Tamas Kiss, zuletzt sechs Jahre im Seven North, ein vielseitiger Profi gewonnen werden. Österreichische Küche mit Schnitzel & Co, Referenzen an Kronländerküche plus Brasserie ist das Konzept hier. Die Auswahl – ist klein, aber fein – kann auch geshared werden. Austern gibt’s leider nur freitags und samstags und Schnecken kommen demnächst auf die Karte. Wir nehmen: Caesar Salad und ein Beef Tatar. Wird, wie vielerorts derzeit am Gast, ich meinte am Tisch des Gastes, angerichtet. Das Beef kam pur, zwar faschiert, doch in einwandfreier Qualität, “Caesars” war in Ordnung, könnte jedoch mit etwas mehr Schmelz aufwarten. Apropos Caesars Salad: Referenz ist Wolfgang Pucks am Flughafen Schwechat (perfekt gekühlt, perfekte Croutons), des Kaisers würdig erwies sich auch jener der “Neue Hoheit” des Hotel Rosewood.

Nun aber zu den Hauptgerichten: Fein rauchig angeröstet kam die mit Nussbutter übergossene Lachsforelle im Ganzen (49 Euro), tadellos das mit Anchovis und Zitrone garnierte Wiener Schnitzel meines kundigen Mitessers (29 Euro). Ein Highlight: Die knusprig frittierten Pommes – hier natürlich hausgemacht, was, nur so am Rande, auch bei diversen Lokalitäten, die mit Pommes werben nicht der Fall ist. Auch das stattliche 500-Gramm-Rip-Eye am Nebentisch (65 Euro) schien offenbar bestens anzukommen.
Zur Brasserie gehört Prickelndes. Acht Sekte und 12 Champagner stehen zur Wahl. Sonst ist die Weinkarte noch ausbaufähig, woran auch, wie die Restaurantleitung versichert, gearbeitet wird. Denn: ein einziger deutscher Riesling reicht nicht – wobei diesem, RIESLING KABINETT 2022 Bassermann-Jordan aus Deidesheim, eine klare Empfehlung gilt. Wie auch der Honig-Tarte mit Crème fraîche.

Fazit
Mag sein, noch läuft so kurz nach Eröffnung in der neuen Brasserie nicht alles perfekt. Doch die Stimmung (Visuals!) ist heiter, das Team motiviert und im besten Sinne “frech”, der Küchen-Chef ein ausgewiesener Profi, von dem hier wohl noch einiges zu erwarten ist. Ferner setzt man “frech” auf Kooperationen, etwa mit der Fleischerei Eder (Wien Favoriten) oder der Bio-Bäckerei Öfferl.
Das Preisniveau der Speisen & Weine scheint für ein Hotel-Restaurant in der Wiener Innenstadt angemessen. Bei Sprudel & Co wird der in Österreich allzu verbreitete 3,5-er Hebel angesetzt. Eine gute Alternative: der Signatur Cocktail Rascal-Negroni. Dem Vernehmen nach startet demnächst ein Sonntags-Brunch, ein Schanigarten soll 2027 eröffnen.
Tipp: Freitag und Samstag gibt’s Austern. Probieren sie auch die hauseigene Rascal-Wurst.
Brasserie Rascal
Dominikanerbastei 15
1010 Wien
Mi–Sa: 17-23
www.rascal.at
eat@rascal.at
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