Das Salzamt bei der Ruprechtskirche ist eine Institution, doch einiges ist neu. Genuss-Autor Marko Locatin war vor Ort.
Zugegeben: neu ist etwas übertrieben. Denn hier wird bereits seit rund drei Jahren anders gekocht als jahrzehntelang zuvor – französisch nämlich. Seit den 1980er-Jahren gab es ja vornehmlich gehobene Hausmannskost mit “balkanischen” Einsprengseln (Beispiel: Rindsrouladen und Sarma). Dafür sorgte schon Betreiber Tale Baničevič. Köchinnen und Köche kamen und gingen und gewiss: gelegentlich blitzte so etwas wie Ambition auf. Viel geändert hat sich dennoch nie – zumindest war das der Eindruck.

Nun wurde offenbar nochmals nachgeschärft, um der französischen Bistroküche noch mehr Raum zu geben. Tadellos etwa die Pastete aus dreierlei Getier. Können und Ambition zeigen sich hier im Detail: die passenden Cornichons, körniger Senf und Butter aus der Normandie zum Brot. Gelungen sind auch Bistro-Klassiker wie gebackener Kalbskopf mit flaumigem Bries, Steak frites oder Boeuf bourguignon. Alles keine Neuerfindungen – aber richtig gut umgesetzt. Hervorragend die Foie gras maison mit Mohn und Powidl sowie die kleine Meeresfrüchteplatte mit irischen Austern und leuchtend roten Garnelen samt leicht pikant gerührter Mayonnaise. Auf das Wiener Schnitzel wollte man angesichts der touristisch geprägten Lage ebenso wenig verzichten wie auf den Kaiserschmarrn. Beides tadellos.

Fazit
Küchenchef Andres Stirn (zuvor unter anderem bei Konstantin Filippou) bringt imSalzamt die großen Klassiker der französischen Bistroküche formidabel auf den Teller. Zu den Highlights zählen Foie gras, Austern und Garnelen, gebackenes vom Kalb sowie Steinbutt mit Spinat, Püree plus Krabben-Vinaigrette.
Einziger Grund zur “Beschwerde”: die schmale Weinauswahl – auch wenn Bründlmayers famoser Heiligenstein (leider nur 2024) oder ein Roter Courbissac vorrätig sind. Ebenso ausbaufähig ist die Internetpräsenz. An beidem werde, versichert Restaurantleiter Tibor Nemeth, gearbeitet. Auf Nachfrage entkorkt Nemeth noch Heinrichs „Graue Freyheit“. Und der Gastgarten neben der historischen Ruprechtskirche, der zählt ohnehin zu den schönsten Plätzen der Stadt. Wie auch Hermann Czechs zeitlos gestaltetes Ambiente im Inneren.
Tipp: Aperitiv oder Digestif – oder beides an der “süffigen” Bar.
Salzamt
Ruprechtsplatz 1
1010 Wien
Österreich
+43 (1) 5335332
restaurant@salzamt-wien.at
salzamt-wien.at
Marko Locatin arbeitete u.a. zehn Jahre als Chef vom Dienst von FORMAT. Einige Jahre schrieb er dort auch die Branchenseite Werbung & PR, sowie die letzte Seite des Wirtschaftsmagazins – sie drehte sich um Außenpolitik. Seither arbeitet der passionierte Schachspieler und begeisterte Cineast u.a. als Chef-Redakteur von Gastro News Wien, sowie selbstständiger Autor für: Falstaff-Verlag, das CP-Magazin vom SPAR Griaß Di, den Manstein-Verlag und die Plattform KalkundKegel. Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com












