Mit der Premiere von „Gräfin Mariza“ am 18. Juli eröffnete das Lehár Festival Bad Ischl einen weiteren Höhepunkt des Kultursommers 2026. Die Neuinszenierung von Emmerich Kálmáns Operettenklassiker begeisterte das Premierenpublikum mit musikalischer Exzellenz und einer hochkarätigen Besetzung. Das Publikum dankte den Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus und stehenden Ovationen.
BAD ISCHL. Das Lehár Festival Bad Ischl hat einmal mehr bewiesen, warum es als eines der renommiertesten Operettenfestivals Europas gilt. Mit Emmerich Kálmáns Meisterwerk „Gräfin Mariza“ präsentierte das Festival eine Produktion, die musikalisch auf höchstem Niveau überzeugte und die zeitlose Faszination der klassischen Operette eindrucksvoll unter Beweis stellte. Unter der musikalischen Leitung von Marius Burkert und der Regie von Angela Schweiger entstand ein ebenso unterhaltsamer wie berührender Operettenabend.

Schon mit den ersten Takten wurde deutlich, welches künstlerische Niveau das Festival Jahr für Jahr erreicht. Das Orchester interpretierte Kálmáns berühmte Partitur mit Präzision, Leidenschaft und Leichtigkeit. Zwischen schwungvollen Csárdás-Rhythmen, romantischen Walzern und eingängigen Melodien entstand ein musikalischer Spannungsbogen, der das Publikum vom ersten Moment an fesselte.
Im Mittelpunkt der Handlung steht die wohlhabende Gräfin Mariza, die sich mit einem erfundenen Verlobten vor hartnäckigen Verehrern schützen möchte. Aus der Notlüge wird jedoch unerwartet Realität, als der vermeintlich fiktive Baron Kolomán Zsupán tatsächlich erscheint. Gleichzeitig entwickelt sich zwischen Mariza und ihrem Gutsverwalter, dem verarmten Grafen Tassilo, eine bewegende Liebesgeschichte voller Missverständnisse, Stolz und großer Gefühle. Gerade diese Mischung aus Humor, Romantik und musikalischer Raffinesse macht das Werk seit seiner Uraufführung zu einem der beliebtesten Operettenklassiker.
Einen wesentlichen Anteil am gelungenen Premierenabend hatte das hervorragend besetzte Ensemble. Bryony Dwyer überzeugte als Gräfin Mariza mit großer Bühnenpräsenz, stimmlicher Ausdruckskraft und viel Eleganz. Daniel Pataky verlieh Graf Tassilo eine sympathische Ausstrahlung und überzeugte mit einer kraftvollen wie fein nuancierten Interpretation. Martin Achrainer setzte mit seiner souveränen Bühnenpräsenz und seiner markanten Darstellung wirkungsvolle Akzente. Ebenso glänzten Claudia Goebl als Lisa und Lukas Karzel als Baron Kolomán Zsupán, die mit Spielfreude und Humor das Publikum begeisterten. Komplettiert wurde das Ensemble von Petra Strasser, Georg Schubert, Eva Schöler, Paula Goebl sowie Josephine und Charlotte Sidak, die den hohen Qualitätsanspruch der Produktion eindrucksvoll bestätigten.

Regisseurin Angela Schweiger bewahrt den Charme des Originals und ergänzt die klassische Operette behutsam mit modernen Elementen. Laptops, Mobiltelefone und zeitgemäß inszenierte Partyszenen schlagen eine Brücke in die Gegenwart, ohne den Charakter des Werkes zu verändern. Das stilvolle Bühnenbild von Stefan Wiel, die detailreichen Kostüme von Sven Bindseil, die Choreografie von Evamaria Mayer sowie das stimmungsvolle Lichtdesign von Johann Hofbauer fügen sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammen. Auch der von Matthias Schoberwalter einstudierte Chor überzeugte mit Präzision und Klangqualität.
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt dennoch. Die Szene rund um die reiche Tante fällt im Vergleich zum ansonsten fein dosierten Humor etwas aus dem Rahmen. Den überzeichneten Klamauk hätte es an dieser Stelle nicht gebraucht. Etwas mehr Zurückhaltung hätte dieser Passage gutgetan und sie noch stimmiger in den Gesamteindruck integriert.

Die Premiere entwickelte sich zugleich zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt des Kultursommers. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Wirtschaft ließen sich die Aufführung nicht entgehen. Unter den Ehrengästen befanden sich unter anderem Gerhard Ernst, Philip Zauner, Erich Haider, Bürgermeisterin Ines Schiller, Martin Haselböck, Dr. Hausknost, Dr. Neiss sowie Martin Schott. Ihre Anwesenheit unterstrich einmal mehr die überregionale Bedeutung des Lehár Festivals.
Mit „Gräfin Mariza“ ist dem Lehár Festival Bad Ischl eine Aufführung gelungen, die musikalische Qualität, starke schauspielerische Leistungen und eine hochwertige Ausstattung überzeugend miteinander verbindet. Das Leading Team rund um Marius Burkert und Angela Schweiger schafft eine Inszenierung voller Atmosphäre, Emotion und feinem Humor, die den Geist der klassischen Operette bewahrt und zugleich behutsam ins Heute führt.
Der begeisterte Schlussapplaus mit stehenden Ovationen war der verdiente Lohn für alle Mitwirkenden. Wer Operette auf höchstem Niveau erleben möchte, sollte sich diese Produktion nicht entgehen lassen. Das Lehár Festival Bad Ischl bestätigt mit „Gräfin Mariza“ eindrucksvoll seinen Ruf als Österreichs führende Operettenbühne und setzt einen glanzvollen Akzent im Kultursommer 2026.
Aufführungstermine
Vorstellungen finden am 22., 24., 26., 29. und 31. Juli sowie am 2., 5., 7., 9., 12., 15., 19., 21., 23., 27., und 29. August 2026 statt.
Weitere Informationen und Tickets: https://www.leharfestival.at/stuecke/graefin-mariza/
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