Boccaccio begeistert Bad Ischl

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© Foto Hofer (www.fotohofer.at) | Christina Sidak, Maria Ladurner, Gerd Vogel, Domenica Radlmaier, Martin Lechleitner, Hans Gröning, Miriam Portmann, Philip Guirola Paganini, Nikola Basta, Ioan Toma, Tanzensemble und Chor des Lehár Festivals

Mit einer eindrucksvollen Neuinszenierung von „Boccaccio“ hat das Lehár Festival Bad Ischl seine 65. Spielsaison eröffnet. Intendant und Regisseur Thomas Enzinger setzt dabei nicht nur auf musikalische Unterhaltung, sondern auf eine klare gesellschaftliche Botschaft. Der Festivalsommer 2026 steht unter dem Leitmotiv „Humanismus“ und genau dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Produktion.

Bereits vor Beginn der Operette wurde deutlich, dass das Festival heuer mehr sein möchte als eine Bühne für klassische Operetten. Der bekannte Physiker Werner Gruber eröffnete den Abend mit einer kurzen Wissenschaftsperformance, in der er anhand eines einfachen Experiments erklärte, wie bereits kleine Veränderungen große Auswirkungen auf stabile Systeme haben können. Seine Analogie zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bildete den inhaltlichen Auftakt für den Theaterabend und unterstrich den Anspruch des Festivals, kulturelle Unterhaltung mit aktuellen Fragestellungen zu verbinden.

Dabei brachte er die zentrale Botschaft des Abends mit einem prägnanten Appell auf den Punkt: „…geben wir den Menschen Zeit, sich gegenseitig festzuhalten…!“ Das Zitat wurde zum emotionalen Leitgedanken des Eröffnungsabends und schlug die Brücke zwischen Wissenschaft, Kultur und gesellschaftlichem Miteinander.


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Eine Operette mit überraschender Aktualität

Franz von Suppès „Boccaccio“ zählt zu den bedeutenden Werken der klassischen Wiener Operette und wurde erstmals in der Geschichte des Lehár Festivals Bad Ischl auf die Bühne gebracht. Grundlage ist die Geschichte des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio, dessen berühmte Novellensammlung „Il Decamerone“ seit Jahrhunderten für ihren humorvollen, gesellschaftskritischen und oft freizügigen Blick auf das menschliche Zusammenleben bekannt ist.

Die Handlung spielt im mittelalterlichen Florenz. Mit seinen Liebesgeschichten sorgt Boccaccio für Begeisterung bei der Bevölkerung, während Kirche und Obrigkeit seine Werke bekämpfen. Zwischen Eifersucht, Intrigen, Liebesabenteuern und gesellschaftlichen Zwängen entwickelt sich eine turbulente Geschichte, die bis heute erstaunlich aktuell wirkt.

Moderne Interpretation von Thomas Enzinger

Regisseur Thomas Enzinger verzichtet bewusst auf eine rein historische Darstellung und schlägt immer wieder Brücken in die Gegenwart. Bereits zu Beginn werden scheinbare Besucher, Kellner und Mitarbeiter des Theaters Teil der Inszenierung und verwandeln sich vor den Augen des Publikums in Figuren des mittelalterlichen Florenz.

Diese Übergänge zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen deutlich, dass viele gesellschaftliche Konflikte zeitlos sind. Fragen nach Meinungsfreiheit, gesellschaftlichen Normen und persönlicher Freiheit prägen nicht nur die Handlung der Operette, sondern spiegeln auch aktuelle Diskussionen wider.

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Enzinger beschreibt die inhaltliche Ausrichtung des Festivals mit den Worten: „Operette und Humanismus – passt das überhaupt zusammen? Oh ja, denn wenn man genau hinsieht, steckt in der Operette ein tiefes humanistisches Element: Sie stellt den Menschen in den Mittelpunkt – mit all seinen Emotionen, Sehnsüchten, Freuden, Schmerzen und mit seinem Humor.“

Starke Besetzung überzeugt

Christina Sidak | ©Fotostudio Huger

In der Titelrolle überzeugt Christina Sidak. Gemeinsam mit Philip Guirola Paganini, Martin Lechleitner und dem gesamten Ensemble entsteht eine lebendige Aufführung auf hohem Niveau.

Begleitet wird die Produktion vom Franz Lehár Orchester unter der musikalischen Leitung von Christoph Gruber.

Auch optisch bietet die Produktion zahlreiche Höhepunkte. Bühnenbildner Stefan Wiel verbindet kunsthistorische Elemente mit modernen Akzenten, während die detailreichen Kostüme von Sven Bindseil das historische Ambiente eindrucksvoll unterstreichen.

Einen wesentlichen Anteil an der Dynamik der Inszenierung hat die eindrucksvolle Choreografie von Lukas Ruziczka. Mit präzise inszenierten Tanzszenen, fließenden Übergängen und hoher Bewegungsintensität verleiht er der Produktion eine zusätzliche emotionale und visuelle Ebene. Für Ruziczka ist „Boccaccio“ bereits seine dritte Choreografie am Lehár Festival Bad Ischl, nachdem er bereits mit „Der Bettelstudent“ (2024) und „Orpheus in der Unterwelt“ (2025) das Publikum begeisterte. Seine internationale Erfahrung – unter anderem als Tänzer am Sydney Opera House sowie für Künstler wie Katy Perry und Sam Smith – trägt maßgeblich zur hohen Qualität der Produktion bei.

Unterhaltung mit Tiefgang

„Boccaccio“ verbindet humorvolle Szenen, romantische Verwicklungen und mitreißende Musik mit einer klaren Botschaft. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Freiheit, Toleranz, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Kraft von Geschichten.

Zahlreiche Ehrengäste bei der Premiere

Die Premiere entwickelte sich auch gesellschaftlich zu einem Höhepunkt. Zu den Ehrengästen zählten unter anderem Bad Ischls Bürgermeisterin Ines Schiller, EU-Abgeordneter Hannes Heide, Prof. Hans Suan-Yung Liu (Botschafter von Taiwan in Österreich), Staatssekretärin Mag. Elisabeth Zehetner, Prof. Dr. Michael Lakner, Karl und Waltraud Guschlbauer, Linda Plech, Bezirkshauptmann Mag. Alois Lanz, Vinzenz Praxmarer, Natalia Ushakova sowie Martin Leutgeb.

Ein gelungener Auftakt für den Festivalsommer

Mit der Eröffnung von „Boccaccio“ startet das Lehár Festival Bad Ischl erfolgreich in den Festivalsommer 2026.

Weitere Aufführungstermine

Vorstellungen finden am 19., 23., 25. und 30. Juli sowie am 1., 6., 8., 11., 13., 22., 28. und 30. August 2026 statt.

Weitere Informationen und Tickets: www.leharfestival.at

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