Puristisch, kompromisslos und auf das Wesentliche konzentriert: Fabian Günzel wurde soeben zum „Koch des Jahres 2026“ geehrt. Im Wiener Restaurant aend zeigt er, wie viel Raffinesse in scheinbarer Einfachheit stecken kann, wenn Produktqualität, Handwerk und Präzision zusammenkommen.
Fabian Günzel gehört zu jenen Köchen, die mit klarer Haltung kochen. Kein Firlefanz, kein dekorativer Schnickschnack, stattdessen das Produkt im Mittelpunkt. In seinem Restaurant aend in Wien-Mariahilf verfolgt der gebürtige Deutsche konsequent diese Philosophie und hat damit die heimische Spitzengastronomie nachhaltig geprägt.
Seine kulinarische Handschrift verbindet französisches Küchenhandwerk mit moderner Interpretation. Die Gerichte wirken reduziert, doch hinter der scheinbaren Einfachheit steckt enorme Präzision. Wenige Zutaten, perfekt aufeinander abgestimmt – so entstehen Teller, die geschmacklich überraschen und gleichzeitig eine klare Linie erkennen lassen.
Stationen bei großen Namen der internationalen Gastronomie haben Günzels Weg geprägt: Im Wiener Palais Coburg arbeitete er als Sous-Chef von Silvio Nickol, später leitete er als Küchenchef das Restaurant Le Loft im Sofitel Vienna und erkochte dort zwei Hauben. Doch für Günzel war früh klar: Er wollte sein eigenes Restaurant eröffnen. 2018 erfüllte er sich diesen Traum mit dem aend. Schon im ersten Jahr folgte die große Anerkennung: ein Michelin-Stern.
Heute gilt Günzel als Visionär der Wiener Fine-Dining-Szene. Seine Küche ist reduziert, präzise und mutig in der Kombination. Genau dafür wurde er nun als „Koch des Jahres 2026“ ausgezeichnet. Für ihn ist diese Ehrung aber vor allem eines: ein Team-Erfolg. „Ohne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wäre das nicht möglich“, betont er. Wir haben den Puristen der Haute Cuisine zum Kurzinterview gebeten.
Auf den Punkt
Persönliche Fragen – ehrliche Antworten.
Was ist das Erste, das Sie morgens machen?
Ich stehe täglich um 5:25 Uhr auf. Dann ein schneller Kaffee, bevor ich ein bis eineinhalb Stunden trainieren gehe.
Was empfinden Sie als größten Luxus in Ihrem Leben?
Dass ich eine Frau gefunden habe, die mich bedingungslos liebt (Danke, Rafaela!). Und dass ich tun kann, was ich will. Ich muss niemanden fragen.
Wie entspannen Sie am besten nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Auf dem Heimweg in meinem Porsche.
Ihr allerliebster Zeitvertreib?
Rennrad fahren in den Bergen. Das mache ich, wann immer ich Zeit habe. Ich liebe die Landschaft in Österreich.
Ihre absolute Leibspeise?
Seeigeltoast von Cesar Ramirez in NYC.
Was ist Ihr wertvollster Besitz?
Meine Gesundheit, die Grundlage für alles.
Ihre größte Stärke?
Meine größte Stärke ist mein Wille. Ich gebe nie auf und liebe es, etwa fertig zu machen. Im letzten Urlaub bin ich mit dem Rennrad an einem einzigen Tag den Mont Ventoux von allen drei Seiten hinauf gefahren (Club der Verrückten). Mein Rad war kaputt und hat geknarrt. Mein Begleiter wollte nach dem zweiten Anstieg nicht mehr. So etwas liebe ich – wenn andere nicht mehr wollen, werde ich erst warm …
Welches Buch hat Sie zuletzt tief berührt?
Ich war letztens bei einer Lesung von Nicholas Ofczarek und seiner Frau Tamara in Baden, bei der sie Kafka und Milena gelesen haben. Weltklasse!
Welche kleine Marotte würden Ihre Arbeitskollegen sofort über Sie erzählen?
Dass ich sehr ordentlich bin und alles immer sofort erledigen muss.
Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich gerne ins Ohr flüstern?
Bau keine scheiße und begehe keine Straftaten. Gefängnis ist nicht gut für dich! Das hätte mein junges Ich nicht durchmachen müssen.
Ihr Lebensmotto?
Wenn sich jeder um sich selbst kümmert, ist an jeden gedacht.

© aend
aend
Mollardgasse 76
1060 Wien
Tel.: 01/5953416
www.aend.at
Öffnungszeiten:
Montag von 19 bis 23 Uhr
Dienstag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr, 19 bis 23 Uhr















