beef & glory: Zehn Jahre Haltung

Martin Reischauer

© Derenko – Innenarchitektur und Brand Design für Hotel & Gastronomie

Fast zehn Jahre sind in der Gastronomie eine lange Zeit. Vor allem dann, wenn man nicht nur bestehen, sondern sich laufend weiterentwickeln will. Genau diesen Weg geht beef & glory seit seiner Eröffnung. Am 15. September startet das Wiener Steakrestaurant in sein zehntes Bestandsjahr – mit einem behutsamen Facelift, weiteren Investitionen in Küche und Infrastruktur, einem deutlich gewachsenen Team und neuer Stärke beim Thema Wein.

Der Grundgedanke ist dabei derselbe geblieben: außergewöhnliche Fleischqualität aus aller Welt nach Wien zu bringen und Steakhousekultur auf eine zeitgemäße Art zu denken. Was sich verändert hat, ist der Anspruch rundherum.

Für die beiden Inhaber Vlatka Bijelac und Nelson Atiso-Naah war deshalb früh klar, dass ein gut funktionierendes Konzept nicht automatisch ein fertiges Konzept ist.

Wir haben jedes Jahr investiert. Manches davon sieht der Gast sofort, vieles überhaupt nicht. Für uns gehört das aber zum Unternehmertum dazu. Ein Restaurant kann nicht stehen bleiben, nur weil es gut funktioniert.

erklärt Vlatka Bijelac.
© Wynn Florante

Von Wien auf die internationale Steak-Landkarte

Dass dieser Anspruch auch außerhalb Österreichs wahrgenommen wird, zeigen die Auszeichnungen der vergangenen Jahre. Seit 2019 ist beef & glory Teil der World’s 101 Best Steak Restaurants und erreichte dort bereits Platz 19 weltweit sowie Platz eins im deutschsprachigen Raum.

Auch Gault&Millau und Falstaff führen das Restaurant seit Jahren unter den etablierten Adressen der Wiener Gastronomie. Seit 2026 ist beef & glory zudem im Guide MICHELIN Österreich vertreten.

Auszeichnungen sind schön, keine Frage. Aber sie ersetzen nicht die tägliche Arbeit im Restaurant. Am nächsten Abend zählt wieder, was am Teller liegt, wie der Service funktioniert und ob ein Haus seine eigene Linie weiterträgt.

Ein neues Gesicht, ohne sich neu zu erfinden

Zum Start in das zehnte Bestandsjahr bekommt beef & glory nun auch optisch eine Weiterentwicklung. Gemeinsam mit dem Wiener Innenarchitekturbüro Derenko, das das Restaurant bereits von Beginn an begleitet, wurde das bestehende Gestaltungskonzept behutsam überarbeitet.

Das Interieur wirkt eleganter, feiner und zeitgemäßer, ohne die vertraute Atmosphäre des Hauses über Bord zu werfen. Auch der Markenauftritt wurde angepasst. Das Logo präsentiert sich reduzierter und erwachsener – eher Evolution als radikaler Neustart.

Das passt zum grundsätzlichen Zugang des Hauses. Nicht alles muss neu sein. Aber vieles darf besser werden.

Vieles davon sieht der Gast nicht

Das sichtbare Facelift ist ohnehin nur ein Teil dessen, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat. Hinter den Kulissen wurde kontinuierlich investiert: Die Dry-Aging-Möglichkeiten wurden erweitert, Produktionsküche und Patisserie ausgebaut, zusätzliche Lager- und Kühlflächen geschaffen und technische Bereiche modernisiert.

Das sind keine Maßnahmen, die automatisch für große Aufmerksamkeit sorgen. Für einen Betrieb dieser Größe sind sie aber entscheidend.

Wer notwendige Investitionen über Jahre aufschiebt, spart langfristig nicht automatisch Geld. Im Gegenteil – irgendwann steht ein wesentlich größerer und kostspieligerer Umbau an.

so Nelson Atiso-Naah überzeugend.

Da steckt viel Arbeit drinnen, die ein Gast im besten Fall gar nicht bemerkt. Genau das ist oft der Punkt.

Von acht auf 32 Mitarbeiter

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Team. Aus ursprünglich acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind mittlerweile 32 geworden.

Mit dieser Größe verändern sich automatisch die Anforderungen an Abläufe, Arbeitsplätze und Infrastruktur. Was bei einem kleinen Team noch unkompliziert funktioniert, muss bei mehr als 30 Menschen anders organisiert werden.

Wir müssen uns nicht nur fragen, was unsere Gäste heute erwarten, sondern auch, was unser Team braucht, um jeden Tag auf diesem Niveau performen zu können

so Nelson Atiso-Naah.

Investitionen in Arbeitsbedingungen und Back-of-House-Strukturen gehören für beef & glory deshalb genauso zur Entwicklung des Restaurants wie alles, was direkt im Gastraum sichtbar wird.

© Derenko – Innenarchitektur und Brand Design für Hotel & Gastronomie

Mehr Tiefe beim Wein

Auch beim Wein hat das Haus zuletzt deutlich nachgelegt. Drei Sommeliers bringen zusätzliche Kompetenz ins Team, die reguläre Weinkarte umfasst mittlerweile mehr als 200 Positionen.

Dazu kommen besondere Raritäten und Einzelflaschen, die bewusst nicht alle auf der klassischen Karte stehen. Auch hochwertige Weine werden glasweise angeboten.

Damit reagiert beef & glory auf ein verändertes Konsumverhalten. Viele Gäste trinken heute vielleicht weniger als früher, wählen dafür bewusster. Statt automatisch eine ganze Flasche zu bestellen, darf es auch ein außergewöhnliches Glas zum Steak sein.

Luxus bedeutet damit nicht zwingend mehr. Manchmal bedeutet er schlicht: besser wählen zu können.

Das Fleisch bleibt die DNA

Bei aller Weiterentwicklung bleibt die Kernkompetenz des Hauses unangetastet. Seit seiner Eröffnung steht beef & glory für hochwertige Fleischqualitäten, internationale Cuts und eine intensive Auseinandersetzung mit Herkunft, Reifung und Zubereitung.

Österreichische Produkte treffen auf ausgewähltes Fleisch aus internationalen Herkunftsländern, unterschiedliche Rinderrassen und Reifungsmethoden. Das Steak bleibt dabei Mittelpunkt des Abends.

Der kulinarische Anspruch endet heute allerdings nicht mehr dort. Vorspeisen, Beilagen und insbesondere die eigene Patisserie wurden in den vergangenen Jahren konsequent weiterentwickelt.

Ein besonderer Abend soll schließlich nicht erst mit dem Steak beginnen – und danach abrupt aufhören.

Das zehnte Bestandsjahr wird bei beef & glory deshalb weniger zur großen Rückschau als zur Fortsetzung dessen, was das Haus seit Jahren prägt. Das Fundament ist geblieben, vieles rundherum ist gewachsen: das Team, die Küche, die Patisserie, die Weinkompetenz, die Infrastruktur und der eigene Anspruch.

Nach fast zehn Jahren ist eines damit ziemlich klar: Die Wurzeln dürfen bleiben. Stillstand eher nicht.




Fotocredits:
Porträt © Wynn Florante
Teamfoto & Stilleben © Derenko – Innenarchitektur und Brand Design für Hotel & Gastronomie

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