150 Millionen Euro für Aromen? Klingt zunächst nach einem ziemlich großen Preis für etwas, das man im fertigen Getränk kaum sieht. Genau darin liegt aber der Reiz des Deals: AGRANA will den österreichischen Aromenhersteller esarom übernehmen und damit sein Geschäft rund um Getränke- und Food-&-Beverage-Lösungen deutlich ausbauen.
Geplant ist die Übernahme von 100 Prozent der Anteile – und damit bekommt AGRANA einen ziemlich erfahrenen Geschmacksexperten ins Haus. Esarom bringt rund 400 Mitarbeitende, viel Know-how und einen Umsatz von zuletzt 112 Millionen Euro mit. Der Kaufpreis: rund 150 Millionen Euro. Wenn die Kartellbehörden grünes Licht geben, soll der Deal Anfang des Geschäftsjahres 2027/28 über die Bühne gehen. Bis dahin darf die Branche also schon einmal überlegen, was man mit so viel Aroma-Kompetenz alles anstellen könnte.
Vom Aroma zum fertigen Drink
Spannend wird die Sache allerdings weniger beim Kaufpreis als bei der Frage: Was kann daraus entstehen?
Denn esarom bringt weit mehr als ein Regal voller Geschmacksrichtungen mit. Das Unternehmen entwickelt Aromen, Grundstoffe, Pulver, Emulsionen, funktionale Mischungen und Stabilisatoren – und arbeitet an maßgeschneiderten Rezepturen für die Getränke- und Lebensmittelindustrie. Im Portfolio finden sich unter anderem Energy Drinks, Low-Juice-Getränke, Teegetränke, funktionale Drinks, Sportgetränke und Sirupe. Auch Getränke auf Milchbasis gehören dazu.
AGRANA wiederum bringt Fruchtzubereitungen, Saftkonzentrate und Getränkebasen ein. Aus zwei Kompetenzwelten soll damit ein deutlich breiteres Entwicklungsangebot werden. Oder, etwas weniger nach Konzernpräsentation formuliert: Wer künftig einen neuen Drink erfinden will, könnte bei AGRANA deutlich mehr Bausteine aus einer Hand bekommen. Wir wittern da ja einen neuen Trend!
Mit esarom wollen wir nicht nur unser Portfolio erweitern, sondern komplementäre Kompetenzen zu einem stärkeren Gesamtangebot verbinden. Die Expertise von esarom ergänzt unser bestehendes Angebot (…).
Stephan Büttner, CEO der AGRANA Beteiligungs-AG
Was bedeutet das für die Gastro?
Gerade für die Gastronomie können sich aus der Fusion spannende Möglichkeiten ergeben. Denkbar sind etwa alkoholfreie Signature Drinks, funktionale Erfrischungen oder neue Sirup- und Fruchtkonzepte für Bar und Café. Ebenso interessant: maßgeschneiderte Getränke, die nicht einfach nur „Orange“ oder „Zitrone“ heißen, sondern ein eigenes Geschmacksprofil bekommen.
Auch der Trend zu alkoholfreien Aperitifs, funktionalen Getränken und hochwertigen Kaffee- und Barangeboten eröffnet Raum für solche Entwicklungen. Esarom beschreibt selbst die gemeinsame Produktentwicklung mit Kund*innen, inklusive Verkostungsmustern und Unterstützung bei der Optimierung von Rezepturen und Produktionsprozessen.
Für einen Kaffee könnte das beispielsweise neue Geschmacksprofile oder Siruplösungen bedeuten, für die Bar individuelle Beverage Bases und für Hotels oder Gastroketten Rezepturen, die exakt auf deren Konzept zugeschnitten sind. Noch ist das Zukunftsmusik – konkrete neue Gastroprodukte wurden im Zuge der Übernahme nicht angekündigt.

Drei Standorte, ein Entwicklungsnetzwerk
AGRANA plant, die esarom-Standorte in Oberrohrbach und Rückersdorf mit dem AGRANA-Standort Kröllendorf zu einem Drei-Standorte-Verbund zusammenzuführen. Produktion, Entwicklung und Anwendung sollen enger zusammenspielen. Das Ziel: Innovationen schneller entwickeln und Kunden umfassender betreuen.
AGRANA nennt das „ONE AGRANA“. Für die Getränkebranche könnte dahinter allerdings etwas ziemlich Handfestes stecken: mehr maßgeschneiderte Lösungen, mehr Geschwindigkeit und mehr Möglichkeiten, aus einer Idee ein fertiges Getränk zu machen.
Und vielleicht landet die nächste alkoholfreie Lieblingsbestellung im Lokal dann nicht nur auf der Karte, sondern beginnt ihre Karriere irgendwo zwischen Frucht, Aroma und Reagenzglas.
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