Gastro-Arbeitsmarkt kühlt ab

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Bild: Yanhao Fang

Arbeitslosigkeit steigt – doch für die Gastronomie ist eine andere Zahl viel brisanter

Österreichs Arbeitsmarkt bleibt unter Druck. Ende August 2026 waren 311.448 Menschen arbeitslos gemeldet, weitere 64.282 Personen befanden sich in Schulungen des AMS. Die Arbeitslosenquote lag bei 7,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Arbeitslosen österreichweit um 3,3 Prozent.

Für Gastronomie und Hotellerie lohnt sich allerdings ein genauerer Blick auf die Zahlen. Denn die Entwicklung zeigt ein differenziertes Bild: Während die Arbeitslosigkeit in der Branche teilweise nur moderat zunimmt, geht die Zahl der offenen Stellen deutlich zurück. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass viele Betriebe bei Neueinstellungen zunehmend auf die Bremse treten.

Wien: Gastronomie vergleichsweise stabil

Besonders auffällig ist die Entwicklung in Wien. Insgesamt waren Ende August 124.728 Menschen arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von 0,7 Prozent.

In Hotellerie und Gastronomie fiel der Anstieg mit lediglich 0,2 Prozent noch geringer aus. Damit entwickelte sich die Branche deutlich stabiler als etwa der Einzelhandel mit einem Plus von 5,0 Prozent oder die Warenproduktion mit plus 4,5 Prozent.

Von einem massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Wiener Gastronomie kann damit derzeit keine Rede sein.

Anders sieht die Situation allerdings in Salzburg aus. Dort erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen aus Beherbergung und Gastronomie um 9,8 Prozent beziehungsweise 136 Personen auf insgesamt 1.530 Arbeitslose.

Die Zahlen zeigen damit auch, wie unterschiedlich sich die regionalen Arbeitsmärkte entwickeln.

Offene Gastro-Stellen brechen ein

Ein besonders interessantes Signal liefert Niederösterreich.

Während die Zahl der Arbeitslosen aus Beherbergung und Gastronomie gegenüber August des Vorjahres lediglich um 2,1 Prozent beziehungsweise 74 Personen zunahm, entwickelte sich die Nachfrage der Unternehmen nach Mitarbeitern wesentlich schwächer.

Die Zahl der beim AMS gemeldeten offenen Stellen in Beherbergung und Gastronomie sank um 18,4 Prozent beziehungsweise 192 Stellen.

Damit stehen einem vergleichsweise moderaten Anstieg der Arbeitslosigkeit deutlich weniger offene Jobs gegenüber.

Für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation der Branche könnte diese Entwicklung wesentlich aussagekräftiger sein als die reine Arbeitslosenquote. Denn sinkende offene Stellen können darauf hindeuten, dass Betriebe Personalabgänge nicht mehr vollständig nachbesetzen, geplante Einstellungen verschieben oder ihre Teams insgesamt kleiner halten.

Ist der Fachkräftemangel vorbei?

Die Entwicklung bedeutet allerdings keineswegs automatisch das Ende des Fachkräftemangels.

Gastronomie und Hotellerie können gleichzeitig eine vergleichsweise hohe Zahl an Arbeitslosen aufweisen und dennoch Schwierigkeiten haben, geeignete Mitarbeiter zu finden. Qualifikation, Berufserfahrung, Arbeitszeiten, Entlohnung, Wohnort und Einsatzgebiet müssen zusammenpassen.

Der Arbeitsmarkt der Branche leidet daher weiterhin unter einem strukturellen „Mismatch“.

Hinzu kommt, dass Gastronomie und Hotellerie traditionell eine höhere Arbeitslosenquote als viele andere Wirtschaftsbereiche aufweisen. Bereits in der Sommersaison 2025 waren durchschnittlich 32.541 Personen aus Beherbergung und Gastronomie arbeitslos. Im Juli 2025 lag die Arbeitslosenquote der Branche bei 9,8 Prozent, während sie über alle Branchen hinweg 6,7 Prozent betrug.

Betriebe werden vorsichtiger

Die August-Zahlen könnten daher auf eine neue Entwicklung hindeuten: Nicht unbedingt das Angebot an Arbeitskräften verändert sich dramatisch – vielmehr scheint die Nachfrage der Betriebe nach zusätzlichem Personal nachzulassen.

Gerade das Beispiel Niederösterreich ist dafür bemerkenswert: plus 2,1 Prozent Arbeitslose treffen auf minus 18,4 Prozent offene Stellen.

Angesichts hoher Personal-, Energie- und Warenkosten sowie einer angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Gastronomiebetriebe wäre eine zurückhaltendere Personalpolitik nachvollziehbar.

Für die Branche ist deshalb in den kommenden Monaten nicht nur entscheidend, wie sich die Arbeitslosigkeit entwickelt. Mindestens ebenso wichtig wird die Frage sein, wie viele neue Mitarbeiter die Gastronomie überhaupt noch sucht.

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