KI verändert Restaurantwahl

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Kolumne von Franz Bernthaler


Ich bin überzeugt: Künstliche Intelligenz wird die Restaurantwahl stärker verändern, als es Social Media in den vergangenen Jahren getan hat.

Nicht weil plötzlich Roboter unsere Speisen servieren oder KI die Speisekarte schreibt. Die viel größere Veränderung passiert früher – nämlich in jenem Moment, in dem ein Gast entscheidet, wo er essen geht.

Google, Bewertungsportale, Restaurantführer, Instagram und Empfehlungen von Freunden haben diese Entscheidung bisher maßgeblich beeinflusst. Jetzt kommt ein neuer Gatekeeper hinzu: ChatGPT, Gemini, Perplexity und andere KI-Systeme.

Und dieser Gatekeeper funktioniert anders.

Google zeigt mir Möglichkeiten. Eine KI gibt mir eine Empfehlung.

Das klingt nach einem kleinen Unterschied. Für die Gastronomie ist es ein gewaltiger.


Wir suchen nicht mehr – wir fragen

Noch vor wenigen Jahren war der Ablauf ziemlich klar. Wer ein Restaurant suchte, googelte „Italienisches Restaurant Wien“, „Bestes Steak Wien“ oder „Brunch Wien“. Danach begann die eigentliche Arbeit: Google Maps öffnen, Bewertungen lesen, Speisekarten vergleichen, Instagram anschauen und vielleicht noch Freunde fragen.

Heute kann ich einer KI sagen:

„Ich suche für Samstagabend ein romantisches Restaurant in Wien für zwei Personen, gute österreichische Küche, schönes Ambiente, maximal 80 Euro pro Person und möglichst zentral.“

Die KI übernimmt einen Teil meiner Entscheidung.

Genau das ist für mich der Wendepunkt.

Eine Suchmaschine liefert zehn, zwanzig oder hundert Möglichkeiten. Eine KI reduziert diese Auswahl möglicherweise auf drei Restaurants.

Damit verändert sich auch der Wettbewerb.

Bislang kämpften Gastronomen darum, möglichst weit oben in einer Ergebnisliste zu erscheinen. Künftig müssen sie darum kämpfen, überhaupt in die Auswahl der KI zu gelangen.

Ich halte das für eine wesentlich härtere Form des digitalen Wettbewerbs.

Denn wenn die KI drei Restaurants empfiehlt und Ihres nicht dabei ist, hilft Ihnen Platz vier wenig.


Der Gast wird anspruchsvoller

Gleichzeitig verändert KI die Art, wie Gäste ihre Wünsche formulieren.

Wir werden immer weniger nach „Restaurant Wien“ suchen. Wir werden viel konkreter fragen:

„Wo kann ich nach dem Theater noch gut essen?“

„Welches Restaurant eignet sich für ein Geschäftsessen mit sechs Personen?“

„Wo bekomme ich heute Abend spontan einen Tisch?“

„Welches Lokal ist romantisch, aber nicht zu formell?“

„Wo kann ich mit Kindern essen und trotzdem wirklich gute Küche bekommen?“

Das halte ich für eine enorme Chance für gut positionierte Restaurants – und für ein Problem für austauschbare Konzepte.

Denn KI belohnt Klarheit.

Wenn ein Restaurant selbst nicht klar sagen kann, wofür es steht, warum sollte eine Maschine es verstehen?

Für mich ist deshalb eines sicher: Die Zeit der beliebigen Positionierung nach dem Motto „Bei uns ist für jeden etwas dabei“ wird im digitalen Wettbewerb noch schwieriger.

Ein Restaurant muss wissen, für welchen Gast es in welchem Moment die beste Wahl sein will.


KI löst ein Problem, das wir selbst geschaffen haben

Die Gastronomie hat in den vergangenen Jahren immer mehr digitale Inhalte produziert.

Websites, Google-Profile, Instagram, TikTok, Bewertungen, Speisekarten, Restaurantführer, Blogs, Medienberichte und Reservierungsplattformen.

Das Ergebnis ist paradox: Wir haben nicht zu wenig Information, sondern zu viel.

Wer ein Restaurant wirklich vergleichen möchte, kann dafür problemlos 20 Minuten aufwenden.

Genau dieses Problem löst KI.

Ich muss nicht mehr 30 Bewertungen lesen, um herauszufinden, ob ein Restaurant für ein Geschäftsessen geeignet ist. Ich frage danach.

Ich muss nicht die gesamte Speisekarte durchsuchen, um zu wissen, ob es ausreichend vegetarische Gerichte gibt.

Ich muss nicht fünf Websites öffnen, um Preisniveau, Atmosphäre, Küche und Verfügbarkeit miteinander zu vergleichen.

Die Recherche verschwindet nicht. Die KI übernimmt sie für mich.

Und genau deshalb glaube ich, dass diese Entwicklung so schnell gehen wird.

Menschen lieben Bequemlichkeit.


Wer nur SEO macht, denkt zu kurz

Seit Jahren erklären wir Gastronomen, wie wichtig Google, SEO, Bewertungen und eine professionelle Website sind.

Das bleibt richtig.

Aber es reicht nicht mehr.

Neben SEO entsteht eine neue Disziplin: GEO – Generative Engine Optimization.

Dabei geht es vereinfacht darum, ob generative KI-Systeme ein Restaurant verstehen, richtig einordnen und bei relevanten Fragen empfehlen.

Für mich lautet deshalb eine der wichtigsten Marketingfragen der nächsten Jahre nicht:

„Wie komme ich bei Google auf Seite eins?“

Sondern:

„Warum sollte ChatGPT mein Restaurant empfehlen?“

Wer diese Frage heute nicht beantworten kann, sollte sich damit beschäftigen.

Denn ich halte es für einen Fehler, GEO als irgendeinen neuen Marketingbegriff abzutun.

Wir erleben gerade den Beginn eines neuen digitalen Vertriebskanals.


Die KI muss wissen, wofür Sie stehen

Damit verändert sich auch die Aufgabe des Restaurantmarketings.

Eine schöne Website reicht nicht. Ein gut gepflegter Instagram-Kanal reicht nicht. Und selbst eine hervorragende Google-Bewertung allein reicht nicht.

Die entscheidende Frage lautet: Welches digitale Gesamtbild existiert über Ihr Restaurant?

Welche Küche bieten Sie an? In welchem Preisniveau? Was sind Ihre Signature Dishes? Haben Sie einen Gastgarten? Business Lunch? Brunch? Vegane Gerichte? Sind Sie für Gruppen geeignet? Für Familien? Für ein romantisches Dinner? Für Geschäftsessen?

Und vor allem: Sind diese Informationen nur irgendwo auf Ihrer Website versteckt – oder werden sie im gesamten digitalen Ökosystem konsistent kommuniziert?

Website, Google, Speisekarten, Reservierungsplattformen, Bewertungen, Medienberichte und Restaurantführer dürfen nicht mehr als getrennte Welten betrachtet werden.

PR, Content, SEO, Reputation Management und Datenpflege werden zu einem gemeinsamen System.

Das ist für mich eine der wichtigsten Konsequenzen dieser Entwicklung.


Medien werden nicht unwichtiger – sondern wichtiger

Immer wieder höre ich die These, KI werde klassische Medien und Restaurantführer überflüssig machen.

Ich halte das für falsch.

KI braucht Informationen. Sie braucht Quellen, Einordnungen und möglichst eindeutige Signale darüber, wofür ein Restaurant steht.

Wenn ein Betrieb regelmäßig in etablierten Medien, Restaurantführern, Branchenportalen und thematischen Empfehlungen vorkommt, entsteht ein digitales Profil.

Deshalb bekommt redaktionelle Sichtbarkeit eine zweite Funktion.

Ein Artikel wird nicht mehr ausschließlich für den Menschen geschrieben, der ihn heute liest. Er wird Teil der digitalen Informationslandschaft rund um ein Restaurant.

Gute PR kann damit künftig nicht nur Reichweite erzeugen, sondern auch die digitale Autorität eines Restaurants stärken.

Für Medien wie Gastro.News ist das übrigens ebenfalls eine Verpflichtung: Inhalte müssen präzise, relevant und fachlich belastbar sein. Denn ihre Wirkung könnte weit über den unmittelbaren Leser hinausgehen.


Bewertungen werden wertvoller

Dasselbe gilt für Bewertungen.

Viele Gastronomen schauen vor allem auf die Zahl vor dem Stern.

4,2. 4,5. 4,8.

Ich glaube, dass wir stärker auf den Text dahinter schauen müssen.

Wenn Gäste immer wieder schreiben, dass ein Restaurant besonders romantisch ist, hervorragenden Service bietet, eine großartige Terrasse besitzt oder ideal für Geschäftsessen ist, entstehen klare inhaltliche Signale.

KI kann solche Muster aus einer großen Zahl von Informationen herausarbeiten.

Damit bekommt Reputation Management eine neue Dimension.

Es zählt nicht nur, wie gut Gäste ein Restaurant finden.

Entscheidend wird auch, wofür sie es gut finden.


Die Bestenliste verliert an Bedeutung

Was ist eigentlich das „beste Restaurant in Wien“?

Ich halte diese Frage zunehmend für überholt.

Das beste Restaurant für einen Hochzeitstag kann ein anderes sein als für einen Business Lunch. Eine Familie mit Kindern sucht etwas anderes als ein Tourist für seinen einzigen Abend in Wien.

KI kann genau diesen Kontext berücksichtigen.

Deshalb glaube ich, dass wir uns von der Vorstellung allgemeingültiger Rankings zumindest teilweise verabschieden werden.

Die entscheidende Frage lautet künftig:

„Welches Restaurant ist jetzt das richtige für mich?“

Das ist eine große Chance für kleinere Restaurants.

Man muss nicht das bekannteste Restaurant der Stadt sein. Man muss auch nicht jeden ansprechen.

Man muss für den richtigen Gast im richtigen Moment die überzeugendste Antwort sein.


Die eigentliche Revolution kommt mit der Reservierung

Bis hierher sprechen wir nur über Empfehlungen.

Richtig spannend wird es, wenn KI Empfehlung und Transaktion miteinander verbindet.

Stellen Sie sich vor, ein Gast sagt:

„Reserviere mir heute um 19.30 Uhr einen Tisch für zwei in einem guten österreichischen Restaurant im ersten Bezirk. Ruhig, maximal 70 Euro pro Person.“

Die KI kennt die Präferenzen, sucht passende Restaurants, prüft Verfügbarkeiten und reserviert.

Dann sprechen wir nicht mehr über ein Informationsmedium.

Dann sprechen wir über einen Vertriebskanal.

Und genau deshalb sollten Gastronomen dieses Thema nicht irgendwann auf ihre Agenda setzen.

Sie sollten es jetzt tun.


Mein Rat: Fragen Sie die KI nach Ihrem Restaurant

Ich empfehle jedem Gastronomen einen einfachen Test.

Öffnen Sie ChatGPT, Gemini oder Perplexity und stellen Sie Fragen, bei denen Ihr Restaurant eigentlich vorkommen müsste.

„Welche Restaurants eignen sich für ein Geschäftsessen in Wien?“

„Wo kann man in Wien besonders gut österreichisch essen?“

„Welche Restaurants haben einen schönen Gastgarten?“

„Wo kann man in Wien romantisch essen gehen?“

Und dann kommt die entscheidende Frage:

Sind Sie dabei?

Wenn nicht, würde ich nicht die KI dafür verantwortlich machen.

Ich würde mein eigenes digitales Profil hinterfragen.

Warum wird ein Wettbewerber empfohlen und ich nicht? Wie eindeutig ist meine Positionierung? Welche Informationen findet die KI? Wo werde ich erwähnt? Welche Autorität haben diese Quellen? Und versteht das digitale Ökosystem überhaupt, wofür mein Restaurant steht?

Für mich steht fest: Der nächste große Wettbewerb in der Gastronomie wird auch ein Wettbewerb um KI-Empfehlungen.

Wer heute ausschließlich darüber nachdenkt, wie er bei Google besser gefunden wird, optimiert einen wichtigen Kanal – aber nicht mehr das gesamte Spielfeld.

Die neue Aufgabe lautet:

Sorgen Sie dafür, dass die KI weiß, wer Sie sind, wofür Sie stehen und warum sie Sie empfehlen sollte.

Denn der Gast der Zukunft wird möglicherweise keine zehn Restaurant-Websites mehr vergleichen.

Er wird nur noch fragen:

„Wo soll ich heute essen gehen?“

Und dann entscheidet sich innerhalb weniger Sekunden, ob Ihr Restaurant Teil der Antwort ist.


Über Franz Bernthaler

Franz Bernthaler ist Geschäftsführer der Culinarius Gruppe und Herausgeber von Gastro.News. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt er sich mit Gastronomie, Restaurantmarketing, Digitalisierung und der wirtschaftlichen Entwicklung der Branche.

In seiner Gastro.News-Kolumne schreibt er regelmäßig über Entwicklungen, Chancen und Fehlentwicklungen in Gastronomie und Tourismus – aus der Perspektive eines Unternehmers und Brancheninsiders.

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