Kimchi & Kipferl: Korea im 15.

Ina Dieringer

Mit 53 noch einmal ganz von vorne anfangen? Für Silvia Hofbauer war genau das offenbar der richtige Zeitpunkt. In der Hütteldorfer Straße verbindet sie bei „Kimchi & Kipferl“ koreanische Küche mit Wiener Kaffeehaus, Kunst, K-Pop und Skincare. Hinter dem ungewöhnlichen Konzept steckt allerdings keine klassische Gastro-Karriere, sondern eine Geschichte mit einigen Umwegen.

Kipferl und Kimchi liegen kulinarisch nicht unbedingt auf der Hand. In der Hütteldorfer Straße 74 im 15. Bezirk teilen sie sich trotzdem nicht nur eine Speisekarte, sondern gleich den Namen über der Tür. „Kimchi & Kipferl“ nennt Silvia Hofbauer ihr Café, das österreichische Produkte und Kaffeehauskultur mit ihrer Begeisterung für Südkorea verbindet.

Dass Hofbauer einmal Gastronomin werden würde, war dabei alles andere als geplant. Noch vor rund einem Jahr saß sie in einem Sekretärinnenjob. Die drei Kinder waren mittlerweile erwachsen, studierten oder hatten ihr Studium bereits abgeschlossen – und Hofbauer selbst merkte, dass es Zeit für etwas Neues war.

Die Gelegenheit dazu lag schließlich fast direkt vor der Haustür. Hofbauer und ihr Mann leben seit 34 Jahren im selben Haus, das sie vor rund zehn Jahren kauften. Als das Geschäft im Gebäude Ende vergangenen Jahres zusperrte, wurde plötzlich ein Geschäftslokal frei. Für Hofbauer kam damit der passende Raum zur passenden Zeit.

Von Korea zum eigenen Konzept

Die eigentliche Vorgeschichte von „Kimchi & Kipferl“ beginnt allerdings schon früher. Vor rund zweieinhalb Jahren sei sie regelrecht „in diese koreanische Bubble hineingekippt“, erzählt Hofbauer. Eine Reise nach Südkorea mit ihrem Mann verstärkte das Interesse. Sie begann Koreanisch zu lernen und sogar Koreanistik zu studieren – auch wenn für das Studium nach der Café-Eröffnung kaum noch Zeit blieb.

Parallel führte sie ihr Interesse in die koreanische Kunstszene. Heute arbeitet Hofbauer im Kunstmanagement und betreut unter anderem den koreanischen Künstler und Produzenten Badboss. „Er hat mich so oft gefragt, ob ich ihn managen will“, erzählt sie. Irgendwann sagte sie zu. Seither begleitet sie die Arbeit auch international: „Wir tingeln in der ganzen Welt herum – Miami, Los Angeles, New York, Paris und so weiter.“

Über ihre Kontakte nach Korea entstand schließlich auch die erste konkrete Gastro-Idee. Ein Bekannter in Korea bot ihr ein Franchise-Konzept für Wien an. Zunächst wollte Hofbauer dieses tatsächlich nach Österreich holen. Im Laufe der Planung rückte sie davon jedoch immer weiter ab. „Wir sind dann immer mehr davon abgekommen, weil es mit Franchise-Gebühren und allem teuer gewesen wäre.“ Statt ein bestehendes Konzept zu importieren, entstand gemeinsam mit der Familie etwas Eigenes. Auch die Freundin ihres Sohnes, die Architektur studiert hat, war in die Entwicklung involviert. Das Ergebnis: Kimchi & Kipferl. „Wir haben gesagt: Machen wir einfach etwas Eigenes.“

Wien trifft Seoul

Hofbauer beschreibt die Küche als österreichisch-koreanische Fusion, will dabei aber weder auf Qualität noch auf die Herkunft der Produkte verzichten. „Ich lege großen Wert auf Authentizität und qualitativ hochwertige Produkte.“

Beim Kaffee setzt sie auf das Wiener Rösthaus. Auch beim Matcha achtet Hofbauer genau auf die Herkunft und Qualität. Einen Matcha habe sie im Frühjahr sogar selbst aus Korea mitgebracht – geschmacklich überzeugte der sie am Ende allerdings nicht ausreichend. Ein kleines Detail, das viel über ihren Zugang verrät: Nur weil etwas direkt aus Korea kommt, landet es noch lange nicht automatisch auf der Karte.

Auch bei den übrigen Zutaten versucht Hofbauer, die Wege kurz zu halten. Gemüse kauft sie unter anderem bei einem jungen Bauern am Markt. Mit dem Asia-Shop gegenüber gibt es ebenfalls eine unkomplizierte Zusammenarbeit: Benötigt das Café bestimmte asiatische Produkte, bestellt der Händler sie bei seinen ohnehin geplanten Lieferungen mit. „Ich kaufe immer lokal“, sagt Hofbauer. Gleichzeitig kommen jene Produkte, bei denen ihr die koreanische Herkunft besonders wichtig ist, direkt aus Korea.

Der Bestseller ist ein Toast

Kulinarisch ist die Karte bewusst stark vegetarisch und vegan ausgerichtet. Fleisch spielt nur eine kleine Rolle. Beim Frühstück kann etwa Schinken ergänzt werden, ansonsten konzentriert sich die Küche vor allem auf pflanzliche Gerichte. Der bisherige Publikumsliebling ist ausgerechnet jenes Gericht, das die Idee hinter dem Lokal besonders einfach auf den Teller bringt: der Kimchi-Toast. „Der Toast ist unser bester Renner“, sagt Hofbauer.

Das Kimchi dafür wird im Lokal selbst hergestellt – und zwar vegan. „Damit dann quasi alle davon essen können.“ Dazu kommen täglich beziehungsweise wechselnd Mittagsgerichte, die ebenfalls überwiegend vegan gehalten sind. Auch die Kuchen werden selbst gebacken. Im Angebot soll immer zumindest eine vegane und eine glutenfreie Möglichkeit zu finden sein. Eine Ausnahme macht Hofbauer beim glutenfreien veganen Brownie von Joseph Brot. Den selbst herzustellen, wäre ihr aufgrund möglicher Kreuzkontamination zu riskant. Gerade bei Glutenunverträglichkeiten wolle sie kein unnötiges Risiko eingehen.

Kaffeehaus, Galerie und Korea-Shop

Wer „Kimchi & Kipferl“ allerdings auf ein Fusion-Café reduziert, greift zu kurz. „Mein Café ist ja nicht nur mein Café. Es ist gleichzeitig eine Galerie“, sagt Hofbauer. Das hängt wiederum mit ihrem zweiten beruflichen Standbein zusammen. Im Lokal werden Arbeiten aus dem Umfeld des von ihr betreuten koreanischen Künstlers Badboss gezeigt. Weil Originalwerke teilweise entsprechend hochpreisig sind, hängen auch Drucke, Collagen und Fotografien an den Wänden.

Die Galerie soll dabei kein abgeschlossenes Kunstprogramm sein. Über den Sommer waren etwa Arbeiten einer 18-jährigen Schülerin zu sehen, die K-Pop-Motive gemalt hatte. Genau diese Mischung ist Teil des Konzepts: professionelles Kunstmanagement trifft Nachwuchsarbeiten, K-Pop auf Wiener Kaffeehaus.

Dazu kommt ein kleiner Shopbereich mit koreanischen Produkten. Hofbauer verkauft unter anderem koreanische Skincare und achtet auch hier darauf, möglichst genau zu wissen, von wem die Ware stammt. Einige Produzentinnen und kleinere Betriebe kennt sie persönlich und steht direkt mit ihnen in Kontakt.

Dass K-Pop im Lokal sichtbar ist, ist kaum zu übersehen. Gleichzeitig soll „Kimchi & Kipferl“ kein reines Fan-Café sein. Schon Anfang des Jahres erklärte Hofbauer, dass der Schwerpunkt auf dem Café liegen und sich dort jeder willkommen fühlen solle – unabhängig davon, ob BTS auf der persönlichen Playlist steht oder nicht.

Korea als zweite Inspirationsquelle

Hofbauers Verbindung zu Korea ist mittlerweile jedenfalls weit mehr als ein Einrichtungsthema. Gemeinsam mit ihrem Mann war sie bereits mehrfach in Ostasien unterwegs. Nachdem sie Korea und Japan kennengelernt hatte, fiel ihr persönlicher Vergleich eindeutig aus: Korea habe ihr besser gefallen, erzählt sie – unter anderem, weil sie das Land als weniger touristisch erlebt habe.

Weitere Reisen sind längst geplant. Sie brauche schließlich, sagt sie lachend, immer wieder neue Inspiration. Für ihre Kinder bedeuten die regelmäßigen Korea-Trips offenbar eine gewisse Gewöhnungsübung: „Meine Kinder hassen mich dafür“, scherzt Hofbauer mit Blick auf die vielen Flüge. Ganz ohne schlechtes Gewissen geht das Reisen für sie deshalb nicht. Trotzdem gehört der direkte Kontakt zum Land für sie inzwischen zum Konzept – sei es bei Kunst, Produzenten oder neuen Ideen.

Und Hofbauers Biografie ist ohnehin von mehreren kulturellen Einflüssen geprägt. Geboren wurde sie in Wien, aufgewachsen ist sie zunächst im ehemaligen Jugoslawien; im Alter von neun Jahren kam sie wieder nach Wien. Heute verbindet sie in ihrem Café genau das, was sie selbst in den vergangenen Jahren immer stärker beschäftigt hat: unterschiedliche Kulturen, Essen, Kunst und Menschen. „Kimchi & Kipferl ist mein Lebenstraum“, beschreibt Hofbauer das Projekt auf der eigenen Website. Dort formuliert sie auch den Anspruch hinter dem Lokal: Wien und Seoul sollen sich nicht einfach nur vermischen, sondern gegenseitig inspirieren.

Kimchi & Kipferl
Hütteldorfer Straße 74, 1150 Wien
Mo.–Fr. 8.30–18 Uhr, Sa. 9–17 Uhr
kimchiundkipferl.at

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