Wien als stabile Destination: ein Vorteil in unsicheren Zeiten

Avatar photo Leonie Noe

© Thomas Lenger | Michael Dvoracek & Franz Bernthaler

Geopolitische Spannungen verändern derzeit das globale Reiseverhalten und damit auch die Gästestruktur in Wiens Restaurants und Hotels. Besonders Gäste aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und asiatischen Märkten, die mit Tagesausgaben von rund 500 Euro pro Person zu den ausgabenstärksten Besuchergruppen zählen, kommen aktuell seltener oder kurzfristiger als in den Vorjahren.

Für Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe, ist das jedoch nur eine Seite der Medaille. Er betont, dass Wien als sichere, kulturell attraktive und gut erreichbare Metropole gerade jetzt punkten kann:

Tourismus verschwindet nicht einfach, er verlagert sich. Genau darin liegt die Chance für die Gastronomie.

Auch Erich Heindl, von der Schmarren- und Palatschinkenkuchl, der seit fünf Jahrzehnten als Wirt tätig ist, beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Er sieht den Rückgang asiatischer und arabischer Gäste beziehungsweise jener Touristen, die über Asien nach Österreich reisen, mit Sorge. Gleichzeitig betont er, dass es vielen Wiener Betrieben derzeit noch gelinge, diese Veränderungen abzufedern. So meint auch Heindl:

Der Wiener Gastronomie geht es derzeit noch gut, …, aber die Situation bereitet zunehmend Sorge.

Verschiebung statt Einbruch: Städtetourismus gewinnt

Bernthaler beobachtet, dass Menschen in unsicheren Zeiten Fernreisen zunehmend meiden und stattdessen bewusst stabile, gut erreichbare Destinationen wählen, mit kürzerer Vorlaufzeit und klarerem Sicherheitsbedürfnis. Wien profitiere dabei von seiner internationalen Reputation. Kurzfristige Städtereisen, europäischer Kulturtourismus und Besucher aus dem näheren Umfeld gewinnen an Bedeutung und könnten gut positionierten Betrieben neue Stammgäste bringen.

Michael Dvoracek, Geschäftsführer der Viva Group und Inhaber des Restaurants Viva la Mamma, bestätigt das aus der Praxis. Er beobachtet seit Wochen, dass arabische Gäste, die normalerweise besonders in den Monaten Mai und Juni zu den stärksten Besuchern zählen, entweder ausbleiben oder deutlich kurzfristiger buchen als in den vergangenen Jahren. Gleichzeitig registriert er eine gegenläufige Bewegung:

Langsam kommen wieder mehr Einheimische und Gäste aus dem näheren Umfeld zurück. Das verändert natürlich die Stimmung, aber auch das Konsumverhalten in den Lokalen spürbar.

© Thomas Lenger | Franz Bernthaler & Michael Dvoracek

Für Bernthaler bestätigt das genau den aktuellen Trend: Internationale Unsicherheit schlage sich nicht nur in Fernreisestatistiken nieder, sondern verändere direkt Frequenz, Buchungsverhalten und Gästestruktur in der Wiener Gastronomie. Österreichische Kulinarik, bodenständige Konzepte mit klarem Profil und lokal verwurzelte Betriebe könnten von diesem Trend besonders profitieren. Ein Feld, auf dem Wiener Gastronomiebetriebe traditionell stark aufgestellt sind.

Ein Beispiel dafür sei laut Heindl seine Schmarren- und Palatschinkenkuchl, die seit jeher stark auf einheimische Gäste setzt. Mit der Vorteilskarte Wien, günstigen Menüs und einem klaren Schwerpunkt auf Wiener Küche, und außergewöhnliche Schmarren und Palatschinken, verfüge der Betrieb über ein unverwechselbares Profil.

Anpassungsfähigkeit als Stärke der Branche

Für Bernthaler zeigt die aktuelle Situation einmal mehr, wie flexibel und resilient die Gastronomiebranche auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren kann. Wer die Verschiebung in der Gästestruktur frühzeitig erkennt und sein Angebot entsprechend ausrichtet, sei gut positioniert, unabhängig von der geopolitischen Lage.

Die Gastronomie war immer ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Die aktuelle Krise zeigt erneut, wie eng Tourismus, Konsum und internationale Stabilität heute miteinander verbunden sind.

, so Franz Bernthaler abschließend und sieht die Wiener Branche für diesen Wandel gerüstet.

GastroNews zur bevorzugten Google-Quelle machen