In einem ehemaligen Gasthaus bei Schönbrunn macht Steirereck-Schüler Till Wörner auf Gemüse plus Natur-Wein. Ob sich das wirklich ausgeht, hat sich Genuss-Autor Marko Locatin vor Ort angesehen.
Der Standort
Einst der “Herzog” ist das “Rosi”, benannt nach Betreibers Großmutter, eines der meist gehypten und besprochenen Neo-Gasthäuser der Stadt. Liegt wohl an der derzeit hoch gehandelten gemüselastigen Küche und Natural Weinen, andererseits am grundliegenden Konzept, welches da lautet: Junges Team mit Elan übernimmt altes Gasthaus mit Charme. Ausgestiegen an der U4 Station Schönbrunn (Ausgang Grünbergstrasse) geht es links vorbei an einem Nonstop-Kino (ja, so etwas gibt es noch und noch immer werden dort keine Arthouse-Filme gezeigt) in die Sechshauserstraße, wo am erste Eck bereits die “Rosi” wartet (Spider Murphy Gang: “Ja, Rosi hat ein Telefon, auch ich hab ihre Nummer schon….”). Erster Eindruck: Gemütliches, helles Gasthausambiente, hohe Räume, angenehmes Licht, unaufdringliche Beschallung. Sorgsam eingedeckt (Gläser: Riedel), keine weiße Tischwäsche, easy going.

Speis & Trank

Für Service & Wein sind sind Lina & Beni zuständig. Guter Start: Prickelndes von Zuschmann-Schöfmann, gefolgt von Markus Altenburger, Weninger und einigen spannenden, teils alkoholfreien Begleitungen. Allesamt passend zu einer Gemüseküche mit Wumms. Gebeizter Kohlrabi wird mit Zitrusvielfalt (Quelle: Orangerie Schönbrunn) kombiniert, junger Sellerie in Lacto Koji-Fond gegart, Fenchel mit Safran Veloute liegt eingelegter Ingwer bei; Gersten-Risotto, Chicorée, Yuzu (Koji a la Risotto) und der Germknödel mit geräuchertem Topinambur gefüllt, Chinakohl und Zwetschke waren meine Highlights. Und das einzige Fleischgericht: Gefüllte Maultaschen.


Das Fazit
Neo-Gasthaus: hochwertige Produkte ausgewählter heimischer Produzenten werden in hocharomatische, kreative Gemüsegerichte übersetzt. Salz, Rauch, Umami sind dominierenden Aromen, abgefedert durch die Säure naturnaher Weine. Hinter den ausgebratenen Gerichten steckt solides Handwerk und Freude am Experiment. Preislich gehoben, geht das alles in Ordnung. Apropos Wein: Die kundig kurierte Karte hält Spannendes bereit. Keine fixe Weinbegleitung – vieles glasweise.
Gastgeber Till, der sich auch gerne mal zu den Gästen gesellt, Lina & Beni in Wein & Service und der Sous-Chef sorgen für entspannte Atmosphäre in der man auch einmal gerne länger sitzen bleibt, als die 2- oder 3-Stunden Slots, die hier vergeben werden – der Autor ist ein, naja, leuchtendes Beispiel dafür.
Wermutstropfen: Die Salzigkeit vieler Gerichte schien dem Autor an diesem Abend am oberen Ende der angesiedelt. Ob’s an der Liebe liegt? (Ja, Rosi hat ein Telefon…..)
Tipp: Chef’s Choice (59Euro) und Sonntags-Brunch.
Rosi
Sechshauserstraße 120
1150 Wien
Speisen: 11-25 Euro
Tel.: 0660 223 4477
Mi – So: 17.00 – 23.30
INSTA: @rosi.wien
Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com












