Das beliebte chinesische On in der Wehrgasse beim Naschmarkt wurde zum Sin. Was sich verändert hat und was nicht, hat Genuss-Autor Locatin vor Ort getestet.
Der Standort
Das gewesene ON pflegte einige Alleinstellungsmerkmale. Zum einen stand da mit Simon Xie Hong (HIER im Interview!) ein Mann am Herd, der das Kochhandwerk nicht erlernt hatte, doch als studierter Arzt der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) über ein breites Wissen über Nahrung und deren Wirkung verfügte, welches er subtil in seine Speisen einzubringen wusste. Weiters schmeckte alles anders als bei den anderen “Chinesen”, was auf Hongs süd-chinesische Wurzeln zurückzuführen ist. Dann, das Interieur: Kein Tand, kein Kitsch, der kulturbeflissene Autodidakt hängte Kunst an die Wände statt kitschiger Landschaftsbilder. Nach vielen Jahren in der Gastro übergab Simon kürzlich an seinen langjährigen Mitarbeiter Vilmos „Willi“ Szilagyi und dessen Frau Krisztina. Doch was hat sich geändert hier?
Speis & Trank

Auf den ersten Blick nicht viel, und das ist gut so. Auch bei den Speisen bleibt „Willi“ Szilagyi der langjährigen Tradition treu. Heißt: mild, zurückhaltender Chili-Einsatz, mehr Pfeffer, kurz: bekömmlich. Sensationell gelingt sein Beef Tartar, in dem Tofu eingearbeitet wurde. Für süßlich-scharfen Säure-Kick sorgt Wasabi.
Freude machen auch die Wok-Gerichte, hier Octopus mit Gemüse. Wein war hier immer ein großes Thema, geblieben ist der Fokus auf Bio- und Naturweinen.

Das Fazit
Gelungene Übernahme des legendären ON. Gleich geblieben sind Interieur und die prinzipielle Küchenlinie, doch das Beef Tartar – es hat das Zeug zum Signatur-Dish – lässt auf weitere sanfte Innovationen schließen.
SIN bedeutet nicht nur Sünde, sondern bekanntlich auch “OHNE“. Gekocht wird ohne Glutamat, ohne Dosen, ohne Zusätze – dafür mit Soul.
Tipp: Lassen Sie sich in Sachen beraten oder bestellen Sie einer der spannenden Weine von Uwe Schiefer.
SIN
Wehrgasse 8
1050 Wien
Di – So: 11.30 – 23.30
E-Mail: kontakt@restaurantsin.at
Infos: restaurantsin.at
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