Am 4. Oktober holt kein&low mit der „Unbeschwipst“-Messe mehr als 30 No/Low-Produzent:innen in die Wiener Markterei. Mitinhaberin Friederike Duhme über einen Trend, der längst keiner mehr ist.
Friederike Duhme, 2024 von Falstaff zur Sommelière des Jahres gekürt, führt mit Lucas Matthies kein&low, Österreichs ersten Fachhandel für alkoholfreie und alkoholreduzierte Genussgetränke. Seit Mai 2025 gibt es den Shop auch stationär in der Kaiserstraße 86.

Was steckt hinter der „Unbeschwipst”-Messe?
Friederike Duhme: Wir wollten eine Messe organisieren, die die Nische der No/Low Specialty Beverages im Ganzen abbildet. Es geht um Sparkling Teas, Pet Nat Teas, Kombucha, Fruchtcuvées, alkoholfreie Spirituosen. Die Alkoholgrenze für Low-Getränke ziehen wir bei fünf Prozent, der Fokus liegt aber ganz klar auf null. Das sind viele sehr gastronomische Getränke, eingesetzt als Wein- oder Spirituosen-Alternativen. Die Messe am 4. Oktober ist eher für Privatpersonen gedacht, am Tag darauf (5.10.) machen wir noch ein Portfolio-Tasting für Gastronomie und Handel.
Alkoholfreien Wein bekommt man mittlerweile im Supermarkt. Bei euch nicht?
Das Thema entalkoholisierte Weine steht bei uns wirklich an letzter Stelle. Auf der Messe haben wir zwei von 35 Aussteller:innen, die so etwas machen. Wir haben uns sehr aktiv dagegen entschieden, mit industriellen Produkten zu arbeiten. Außerhalb dieser Entalkoholisierungsprozesse passiert eigentlich viel Spannenderes, eher über alternative Fermentationstechniken. Hier würde ich sogar behaupten, dass wir diesen Trend in Österreich maßgeblich mitgestalten.
Welche Getränke fragt die Gastronomie nach?
Wir arbeiten zum Beispiel mit dem Steirereck zusammen, mit Skopik & Lohn, mit Mraz & Sohn und einigen anderen – und niemand von denen fragt nach alkoholfreiem Wein. Der ist ein starkes Endkonsument:innen-Thema und darum bekommt man ihn auch im Supermarkt. Wir sind im Fachhandel, also müssen wir uns differenzieren. Gefragt sind bei uns Proxy Wines, also Weinalternativen, und Sparkling Teas. Vor allem beim Fine Dining ist das fast schon eine Selbstverständlichkeit, weil die inzwischen praktisch alle eine alkoholfreie Begleitung anbieten „müssen“. Die sind dann sehr dankbar, weil man mit uns reden kann wie mit Weinhändler:innen.

Und die Beisln?
Die traditionellere Gastronomie tut sich noch schwer. Da kannst du froh sein, wenn du ein alkoholfreies Bier auf der Karte findest und eben ein paar Säfte oder Limos.
Du hast einerseits eine Weinkarte mit 100 Weinen drauf, und wenn du keinen Alkohol trinkst, dann gibt’s halt einen „Saftel“.
Genau da wollen wir eine Alternative bieten für erwachsene Menschen, die nicht trinken.
Woher kommt dieser Widerstand?
Die Genusskultur in Österreich ist stark im Wein verankert. Wer nicht trinkt, ist da irgendwie rausgefallen – was natürlich Quatsch ist. In Ländern, wo weniger Alkohol getrunken wird, gibt es ja trotzdem eine Genusskultur, da muss man nur nach Kopenhagen oder Skandinavien schauen. Dort tut sich sehr viel diesbezüglich. Wir sind deswegen aber keine Dogmatiker:innen. Erinnere dich an die vegane Bewegung, als es hieß: Fleisch ist schlechter, wir müssen alle aufhören. Wir erreichen die Menschen viel mehr, wenn wir ihnen nicht vorschreiben, was richtig und was falsch ist.
Wir zeigen nicht mit dem Finger. Ich trinke selber auch Wein, nur deutlich weniger als früher.
Ist No/Low noch ein Trend – oder verändert sich unsere Trinkkultur gerade dauerhaft?
Wir vergleichen das oft mit der Naturweinbewegung: erst ein Hype, dann ein Bounce-Back-Effekt, aber ein bestimmter Prozentsatz verankert sich in der Gesellschaft. Dass ein Fine-Dining-Restaurant wieder aufhört, alkoholfreie Begleitungen anzubieten, kann ich mir nicht vorstellen. Der viel größere Megatrend ist ohnehin Gesundheit. Alkohol wurde lange nicht kritisch hinterfragt. Jetzt ist das Fass aufgemacht, und da kommt man nicht mehr zurück.
Deine Prognose für in fünf Jahren?
Die alkoholfreie Karte muss gar nicht so lang sein wie die Weinkarte. Aber wenn in fünf Jahren in jedem Lokal, in dem Wein ausgeschenkt wird, zwei oder drei Alternativen im Weinglas serviert werden, dann haben wir schon gewonnen.

Unbeschwipst No/Low Messe
4. Oktober 2026: Markterei Wien, Severingasse 7, 1090 Wien
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