14 Jahre hinter der Kaffeemaschine, zwei Jahre auf Lokalsuche und eine große Liebe zum Herbst: Mit dem Café November in der Karmelitergasse 8 hat sich Ghazal Saeedi ihren lang gehegten Wunsch vom eigenen Café erfüllt. „Ich habe Musik studiert, ich bin Musikerin“, erzählt die Flötistin im Gespräch mit Gastro.News. Die Gastronomie lief dabei lange parallel zur Musik. „14 Jahre war ich Barista.“ Irgendwann entstand daraus ein eigener Traum: „Ich wollte immer mein eigenes Café haben.“
Bis der passende Ort dafür gefunden war, dauerte es. „Ich habe zwei Jahre nach einem Lokal gesucht“, erzählt Saeedi. Dass sie schließlich im zweiten Bezirk landete, war nicht von Anfang an geplant. Heute ist sie darüber froh: „Es ist eine sehr schöne Nachbarschaft. Ich liebe sie.“ Gemeinsam mit ihrer Mutter Maryam Roozbehaneh eröffnete sie schließlich das Café November unweit des Karmelitermarkts.

„Ich hasse Sommer“
Beim Namen musste Saeedi dagegen nicht lange überlegen. Auf die Frage, warum ausgerechnet November, kommt im Gespräch eine ziemlich eindeutige Antwort: „Ich hasse Sommer.“ Ihre Lieblingsjahreszeit ist der Herbst – und genau dieses Gefühl soll sich auch im Lokal wiederfinden. „Egal welche Jahreszeit draußen ist, drinnen ist Herbst“, lautet das Motto des Cafés.
Dass Musik und Kaffee für Saeedi zusammengehören, kommt nicht von ungefähr. Neben ihrem Musikstudium arbeitete sie jahrelang in verschiedenen Cafés. Dabei merkte sie, dass ihr nicht nur die Arbeit mit Kaffee gefällt, sondern vor allem der Kontakt mit den Menschen. Cafés versteht die Flötistin als Orte, an denen unterschiedliche Kulturen, Nationalitäten und Lebensgeschichten aufeinandertreffen – fast wie kleine Bühnen, auf denen sich jeden Tag eine andere Szene abspielt.

Vegetarisch, vegan und hausgemacht
Auch bei der Speisekarte steckt viel von der Betreiberin selbst im Konzept. „Wir sind eigentlich vegetarisch“, erzählt Saeedi. Fleisch sucht man bewusst vergeblich: „Wir haben kein Fleisch. Ich esse selbst kein Fleisch.“ Stattdessen gibt es vegetarische und vegane Toasts, Sandwiches und Dips. Auf der Karte stehen etwa der „Pesto Manifesto“-Bagel mit Mozzarella, Tomaten, Pesto und Rucola, der vegane „Power Plant“ mit Hummus, Tofu und gegrilltem Gemüse oder „Avocado Affair“ auf Roggen-Sauerteigbrot.
Nun wird das Angebot noch erweitert. „Ab Montag haben wir Frühstück – vegan und vegetarisch“, kündigt Saeedi im Gespräch mit Gastro.News an. Auch Brunch und Süßes gehören zum Konzept. Vieles davon entsteht innerhalb der Familie. „Meine Mama macht alles“, erzählt Saeedi über die hausgemachten Köstlichkeiten. Dazu gehören etwa New York Cheesecake, veganer Karottenkuchen und Bananenbrot.
Überhaupt soll im November vieles unkompliziert und hausgemacht bleiben. Aufstriche und Dips werden selbst zubereitet, die Karte ist bewusst überschaubar. Statt möglichst viel anzubieten, geht es Saeedi um einen Ort, an dem man auf einen Kaffee vorbeikommt – und vielleicht etwas länger sitzen bleibt als geplant.
Nach 14 Jahren als Barista steht die Musikerin damit nun hinter der Theke ihres eigenen Cafés. Zwei Jahre hat sie nach dem richtigen Lokal gesucht. Gefunden hat sie es schließlich in der Leopoldstadt – samt Nachbarschaft, die sie inzwischen nicht mehr missen möchte. Und der Sommer? Der muss draußen bleiben. Im Café November ist schließlich das ganze Jahr Herbst.
Café November
Karmelitergasse 8, 1020 Wien












