Restaurantkritikerin liebt Spitzenkoch

Christin Pogoriutschnig

© Ramona Steiner

Silvia Trippolt-Maderbacher ist eine der erfolgreichsten Kulinarik-Journalistinnen des Landes und gleichzeitig Gastgeberin im 3-Hauben-Restaurant Trippolt zum Bären. Jetzt legt sie mit “Küchengeflüster” bei Droemer Knaur ihren ersten Roman vor. Wir haben die Gastro-Expertin getroffen.

“In meinem Buch ist die Gastro ein absolut positiver Ort”, verrät Silvia Trippolt-Maderbacher über ihr Buch “Küchengeflüster”, das am ersten April erscheint und sich in den aktuellen Lesetrend der Wohlfühl-RomComs einreiht. Selbst Gastgeberin im Drei-Hauben-Lokal Trippolt zum Bären in Bad St. Leonhard, ist es ihr ein Anliegen, den Ruf ihrer Branche aufzupolieren.

“In ,Küchengeflüster‘ porträtiere ich die Gastro so, wie ich sie kenne: als Ort des Guten, wo alle zusammenhalten, ohne Machtspiele und Drama, wie man es sonst aus dem Entertainment kennt. Mein Buch bricht mit Klischees”, verrät die Autorin. Die Geschichte? Eine Restaurantkritikerin geht zu weit – ihre Kritik an einem Grazer Sternelokal jagt ihr prompt den Anwalt des Restaurants an den Hals. Aber sie bekommt eine zweite Chance und willigt ein, undercover in der Küche zu arbeiten – mit Folgen, versteht sich. Denn der Spitzenkoch ahnt nicht, wer sie wirklich ist – bis es zu spät ist.

Inspiration & Alpe Adria

Die Geschichte hinter dem Wohlfühlroman ist ein wenig von ihrer eigenen inspiriert, verrät die Autorin. “Als ich vor 20 Jahren meinen Mann (Haubenkoch Josef Trippolt, Anm.) kennengelernt habe, waren wir genau das – er Koch, ich Restaurantkritikerin bei einem renommierten Guide. Und ich habe mich gefragt: Was, wenn ich über das Restaurant meines Partners schreiben muss?” Zugunsten der Beziehung zog sie die für sie logische Konsequenz: “Ich habe die Kritik an den Nagel gehängt und mich fortan nur dem Kulinarikjournalismus gewidmet.”

Und das mit Erfolg. Als international anerkannte Alpe-Adria-Expertin hat Silvia Trippolt-Maderbacher bisher nur Bestseller geschrieben. Ihr Steckenpferd: Istrien. Die traumhafte kroatische Halbinsel mit italienischem Erbe gehört zu den Lieblingsdestinationen der Österreicher und steckt voller zauberhafter Details. Zuletzt erschienen ist “Echt Istrien” als Hommage an die Authentizität, die Schönheit und Herzlichkeit der Region. Neben Kultur- und Kulinarik-Tipps sind es persönliche Begegnungen mit den Menschen selbst, die das Buch zu einer Sehnsuchtslektüre für Kenner und Neugierige machen. “Das ist es, was die Leser inspiriert”, erklärt die Autorin, “echte Geschichten!”

Die Alpe-Adria-Region wird, wie sollte es anders sein, mit entsprechender Leidenschaft auch in der Küche von Josef Trippolt abgebildet. “Alpe Adria bedeutet für uns regional”, so die Gastgeberin, die mit Bad St. Leonhard im östlichen Kärnten von einer strategisch wertvollen Lage profitiert. “Koper, Rijeka – es ist alles so nah.” Selbst zu den Produzenten ans Meer zu fahren, Partner und Zutaten gezielt und persönlich auszuwählen und nur das Beste aus Land, Meer und Wald zu verarbeiten – das ist für Trippolt-Maderbacher selbstverständlich. Der Gault Millau attestiert dem “Bären” die “beste mediterrane Küche Kärntens”. “Zwar ist Bad St. Leonhard nicht der Nabel der Welt – aber von Wipfel bis Wellen decken wir alles in unserem Umkreis ab.” Genau diese Wipfel und Wellen spiegeln sich auch in den kreativ-sanften Menüs aus Trippolts Küche wider – vom “Waldspaziergang” mit Produkten aus dem eigenen Jagdrevier bis zum Besten, das uns die Obere Adria schenkt. “Ich schreibe seit 1998 über Alpe Adria – und wir leben es auch privat. Wir reisen viel, leben die Aperitif-Kultur genauso wie unsere alpine Kultur. Wir können das gar nicht trennen!”

“Wenn jemand wüsste, welchen schönen Beruf wir in der Gastro haben!”

Nicht nur die eigene Liebesgeschichte zwischen Kritikerin und Sternekoch befeuerte bereits während der Pandemie die Idee zum Roman, auch die Erfahrung der Gastgeberin, die auf Social Media als “Frau Autorin serviert” bekannt ist, im eigenen Betrieb diente als Inspiration für die Geschichte. Die Idee, die Gastronomie entgegen des gängigen Bildes als Ort des Zusammenhalts zu inszenieren, hat ebenfalls ihren Ursprung in Bad St. Leonhard.

“Wenn jemand wüsste, welch schönen Beruf wir in der Gastro haben”, schwärmt die Gastgeberin und zweifache Mutter, die besonders auf das Wohlergehen ihres Teams achtet.
“Wir arbeiten sehr bodenständig und eigenständig. Wir müssen keinem Trend folgen. Bei uns kommt zuerst das Team, wir alle, als Menschen. Dann die Gäste und dann der Betrieb. Zuerst muss jeder eine gute Basis haben, und dann muss der Betrieb passen.” Deshalb hat der “Bär” in der Osterwoche auch geschlossen.

Trippolts “Bären” gibt es am Hauptplatz in Bad St. Leonhard im Lavanttal zu entdecken. Das fiktive Grazer Sternerestaurant “Wolf” und seine Liebesgeschichte in “Küchengeflüster” gibt es ab heute, 1. April, im Buchhandel und online.