Tafelspitz, Wiener Würstl oder eine kräftige Fischbeuschelsuppe gehören zu Wien wie der Prater zum Sommer. Diese Stadt schmeckt nach Geschichte, nach Wirtshauskultur, nach Rezepten, die über Generationen geblieben sind. Und doch war die Wiener Küche nie nur „Wien“ allein.
Auch wenn das Wiener Schnitzel noch immer seinen festen Platz hat, teilt es sich die Bühne längst mit einer ganzen Reihe weiterer Klassiker, die ebenso selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Welche Gerichte das sind und wo man sie besonders gut findet, zeigt Gastro-News im Genusstipp der Woche.

Pichlmaiers zum Herkner
Dornbacher Straße 123, 1170 Wien

Pichlmaiers zum Herkner ist kein Wirtshaus. Kein Beisl. Und auch kein Fine Dining, das sich über Inszenierung definiert. Es ist ein Restaurant, das seinen eigenen Raum schafft: ruhig, konzentriert, selbstverständlich gut. Mitten im 17. Bezirk, wo Wien stiller wird und genau dort besonders interessant.
Hier geht es nicht um Nostalgie oder um die große Bühne, sondern um Küche mit Haltung. Regionalität wird nicht erzählt, sondern gekocht. Produkte stehen im Mittelpunkt, nicht das Konzept dahinter. Was auf den Teller kommt, wirkt durchdacht, aber nie verkopft.
Die Karte bewegt sich zwischen Saison und Wiener Boden, ohne sich festzulegen. Klassiker tauchen auf, aber in einer Sprache, die ins Jetzt gehört. Gemüse spielt keine Nebenrolle, sondern ist Teil der Idee. Fleisch wird nicht ausgestellt, sondern präzise eingesetzt. Alles wirkt reduziert auf das Wesentliche: Geschmack, Textur, Klarheit.
Gerichte kommen ohne Lärm aus. Keine Effekte, keine Übertreibung. Stattdessen: saubere Technik, gute Herkunft, ein Gefühl für Balance. Man merkt, dass hier jemand kocht, der nicht beeindrucken muss, weil er überzeugt. Und nebenbei darf man den „den längst vergessenen Wienerwald Charme“ genießen, den die Gaststube ausstrahlt.

Stasta Wirt
Lehmanngasse 11, 1230 Wien

Der Stasta Wirt ist ein Ort, an dem Wiener Küche nicht interpretiert, sondern gelebt wird. Kein Konzeptlokal, kein Schaulaufen, sondern ein Gasthaus, das sich auf das konzentriert, was zählt: gutes Essen, klare Tradition, echtes Handwerk.
Die Karte bleibt bewusst geradlinig. Klassiker stehen im Mittelpunkt, ohne Schnörkel und ohne Ausreden. Schnitzel, Tafelspitz, Gulasch, Backhendl – Gerichte, die nicht neu erfunden werden müssen, sondern einfach gut gemacht gehören. Genau das passiert hier.
Was aus der Küche kommt, wirkt nicht inszeniert, sondern ehrlich. Portionen mit Substanz, Geschmack mit Tiefe, Zutaten, die man erkennt. Kein Trendmenü, keine Show, sondern Wiener Handwerk, das über Jahre gewachsen ist.
Der Stasta Wirt ist auch ein Ort für Familien, für Stammgäste, für alle, die nicht suchen, sondern wissen, was sie wollen. Ein Platz, an dem man bleibt, weil es vertraut ist und trotzdem nie beliebig.
Ein echtes Wiener Gasthaus, das sich nicht erklären muss.

Buxbaum
Grashofgasse 3 im Heiligenkreuzerhof, 1010 Wien

Das Buxbaum gehört zu jenen Restaurants, die nicht erklären müssen, was sie sind. Man spürt es sofort: österreichische Küche, präzise gearbeitet, modern gedacht, ohne ihre Wurzeln zu verlieren. Ein Restaurant, das österreichische Klassiker ernst nimmt, aber nicht stehen bleibt.
Die Karte ist klar strukturiert, aber voller Details. Gerichte wirken vertraut, aber nie banal. Vertraute Aromen tauchen auf, nur feiner gezogen, sauberer gedacht. Gerichte, die nicht überraschen wollen, sondern überzeugen. Handwerk auf hohem Niveau, ohne dabei künstlich zu wirken.
Produkt und Saison geben den Ton an. Gemüse, Fisch und Fleisch stehen gleichberechtigt nebeneinander, alles getragen von einer Küche, die Balance sucht statt Drama. Nichts wirkt überladen, nichts zufällig. Es geht um Geschmack, nicht um Lautstärke.
Das Buxbaum ist elegant, aber nicht distanziert. Ein Raum, in dem man sich Zeit nimmt, ohne dass es schwer wird. Ein Restaurant, das zeigt, wie modern österreichische Küche sein kann, wenn man ihr vertraut.

Stuwer – Neues Wiener Beisl
Stuwerstraße 47, 1020 Wien

Das Stuwer – Neues Wiener Beisl im 2. Bezirk setzt nicht auf Nostalgie, sondern auf Klarheit. Vertraut im Gefühl, aber im Heute verankert. Ein Ort, der zeigt, dass Wiener Küche nicht alt werden muss, nur weil sie Geschichte hat.
Die Karte bleibt nah an den Klassikern, ohne stehen zu bleiben. Gulasch, Suppen, Schmankerl – alles mit Respekt gekocht, aber mit einer Handschrift, die frisch wirkt. Auf den Tisch kommen hausgemachtes Brot, selbstgedrehte Kroketten oder mit dem Messer fein geschnittenes Beef Tatar. Klassiker wie das Beisl Schnitzel stehen ganz selbstverständlich neben sorgfältig gedachten veganen Gerichten. Vertraut im Geschmack, zeitgemäß in der Umsetzung.
Zwischen Holz, Wirtshausatmosphäre und urbanem Ton entsteht etwas Eigenes: ein Beisl, das gemütlich ist, aber nicht verstaubt. Tradition ohne Schwere, Moderne ohne Lautstärke.
Das Stuwer ist unkompliziert, ehrlich, lebendig. Ein Platz für alle, die Wiener Küche mögen, aber sie gerne ein bisschen leichter, klarer, zeitgemäßer erleben wollen.

Magazin Restaurant & Weinhaus
Riemergasse 14, 1010 Wien

Das Magazin in der Riemergasse ist ein Restaurant, das sich nicht über Lautstärke definiert, sondern über Haltung. Mitten im ersten Bezirk, aber fern von jeder touristischen Kulisse. Ein Ort, der Ruhe ausstrahlt und genau dadurch wirkt.
Die Küche ist modern, saisonal und klar strukturiert. Österreichische Grundlagen sind spürbar, aber sie werden offen gedacht, leichter formuliert, präzise umgesetzt. Hier geht es nicht um Tradition als Pflicht, sondern als Ausgangspunkt.
Auf den Tellern findet sich Balance statt Übertreibung. Produkte stehen im Mittelpunkt, Kombinationen bleiben nachvollziehbar, Technik bleibt im Hintergrund. Alles wirkt durchdacht, aber nie bemüht.
Das Magazin ist ein Platz für Menschen, die in der Innenstadt essen wollen, ohne die übliche Schwere. Urban, elegant, unaufgeregt. Ein Restaurant, das nicht inszeniert, sondern einfach stimmt.
SPECIAL MENTION

3Viertel3
Heumarkt 3/2, 1030 Wien

Im 3Viertel3 verschmelzen Wiener Klassiker mit internationalen Einflüssen zu einer Küche, die modern wirkt und dennoch vertraut bleibt. Hier geht es nicht um Kontraste um ihrer selbst willen, sondern um ein stimmiges Zusammenspiel aus Geschmack, Handwerk und Offenheit. Direkt gegenüber dem Stadtpark entsteht ein Restaurant, das Urbanität und Genuss auf natürliche Weise verbindet.
Neben der Küche spielt auch das Ambiente eine zentrale Rolle: Design, Atmosphäre und Gastfreundschaft sprechen hier eine gemeinsame Sprache. Ob für einen schnellen Lunch, ein genussvolles Dinner oder einen besonderen Anlass – das 3Viertel3 lädt dazu ein, den Moment bewusst zu genießen. Ein Ort, an dem Essen nicht nur satt macht, sondern Eindruck hinterlässt.












