Pigalle bringt Paris nach Wien

Lilli Wermuth

Charcuterie wird in der Neuerfindung der Pigalle Bar große geschrieben. | © Pigalle Bar

Wer gerade keine Zeit für einen spontanen Paris-Trip hat, könnte zumindest einen Abstecher in die Praterstraße machen. In der Pigalle Bar weht seit Kurzem nämlich ein deutlich französischerer Wind. Crémant, Cocktails, Charcuterie und ein bisschen Pariser Nachtleben sollen künftig dafür sorgen, dass sich der Aperitif in Wien ein wenig mehr nach Frankreich anfühlt.

Seit 1. August 2026 wird die Pigalle Bar von einem neuen Trio geführt: Kenny Pajaziti, Clemens Waschkau und Jonathan Frimpong-Ansah. Die drei kennen sich aus der Wiener Barszene und bringen unter anderem Erfahrungen aus dem Collina am Berg, der Dino’s Apothecary Bar und dem Kleinod Prunkstück mit. Statt die Pigalle über Nacht komplett neu zu erfinden, setzen sie auf eine schrittweise Weiterentwicklung.

Bonjour, Pigalle!

Der Name ist dabei eigentlich schon Programm. Das Pariser Pigalle steht für Bars, Musik, Nachtleben und eine gewisse Portion Extravaganz – zwischen Belle Époque, Neonlicht und kleinen Lokalen, in denen der Abend gerne etwas länger dauert. Genau dieses Lebensgefühl soll künftig auch in der Wiener Praterstraße spürbarer werden.

Auf der Getränkekarte rücken französische Spirituosen und Crémant stärker in den Mittelpunkt. Dazu kommen Cocktails und natürlich Wein. Das Ganze ist weniger als klassische Cocktailbar gedacht, sondern vielmehr als Ort für den französischen Aperitif. Man kommt auf einen Drink vorbei, bestellt vielleicht noch etwas zu essen und bleibt dann doch länger sitzen.

Austern, Käse & Crémant

Passend dazu dreht sich auch die Kulinarik um Frankreich. Die Karte bleibt bewusst klein und unkompliziert: Charcuterie, Käse, gutes Baguette und Fischkonserven aus der Bretagne sollen die Drinks begleiten. Besonders die Sardinen aus der Bretagne dürften dabei für alle interessant sein, die bei Dosengerichten nicht an schnelle Büro-Mittagessen denken. Pigalle serviert schließlich kein großes Dinner, sondern genau das, was man sich zu einem Aperitif wünscht: kleine Happen, die man teilen kann und die den Abend eher verlängern als unterbrechen.

Wir mögen an Paris diese Selbstverständlichkeit des Ausgehens. Man verabredet sich auf ein Glas, bestellt etwas Kleines dazu und entscheidet erst im Laufe des Abends, wie lange man bleibt. Genau dieses Gefühl möchten wir im ‚Pigalle‘ schaffen – elegant, aber nicht steif, mit sehr guten Produkten und einer Bar, an der man gerne versumpft.

Kenny Pajaziti, Clemens Waschkau & Jonathan Frimpong-Ansah

Auch hinter den Kulissen tut sich einiges. Im hinteren Bereich der Pigalle Bar befindet sich ein bislang ungenutztes Apartment, das in Zukunft wiederbelebt und tageweise vermietet wird. Damit bekommt das Konzept noch eine zusätzliche Facette. Die Pigalle könnte sich langfristig zu einem Ort entwickeln, an dem man nicht nur einen Abend verbringt. Vielleicht bleibt man gleich ein bisschen länger.

Die Pigalle bleibt dabei ihrer bisherigen Identität treu, bekommt aber eine neue Richtung. Oder anders gesagt: ein bisschen weniger „einfach nur Bar“, dafür mehr französisches Lebensgefühl im Glas und auf dem Teller.

Vielleicht braucht es für einen gelungenen Paris-Abend manchmal tatsächlich nur einen Crémant und einen Platz an der Bar. Die Praterstraße ist schließlich deutlich näher als Paris.

GastroNews zur bevorzugten Google-Quelle machen