Der Prater ist ein Stück Zuhause

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Paul Kolarik

Paul Kolarik ist im Wiener Prater aufgewachsen und führt heute den Familienbetrieb rund um die Luftburg weiter. Im Gespräch mit Gastro.News erzählt er, warum Familien heute mehr als gutes Essen erwarten, weshalb für ihn bei Nachhaltigkeit viele kleine Stellschrauben zählen und welche Pläne er für die Zukunft im Prater hat.

GASTRO NEWS: Sie sind im Prater und mit dem Familienunternehmen aufgewachsen. Wann war für Sie klar, dass Sie selbst einmal Verantwortung für den Betrieb übernehmen möchten?

Paul Kolarik: Ich bin das dritte von fünf Geschwistern und ein echtes Praterkind. Ich bin hier aufgewachsen, habe mich schon als Kind sehr selbstständig im Prater bewegt und kenne viele der Unternehmerinnen und Unternehmer hier seit meiner Kindheit. Der Prater ist für mich nicht einfach nur der Standort unseres Unternehmens, sondern ein Stück Zuhause.

Deshalb hatte es für mich eigentlich immer eine hohe Priorität, irgendwann Verantwortung für unseren Familienbetrieb zu übernehmen und ihn in die nächste Generation zu führen. Gleichzeitig war mir wichtig, nicht einfach nur etwas Bestehendes weiterzuführen, sondern das Unternehmen laufend weiterzuentwickeln und meine eigenen Ideen umzusetzen. Dass ich diesen Weg gehen möchte, war für mich schon sehr früh klar.

Der Prater ist gleichzeitig Freizeitort, Tourismusziel und ein Stück Wiener Tradition. Was macht diesen Standort gastronomisch besonders?

Hier kommen unglaublich viele unterschiedliche Welten zusammen. Auf der einen Seite der Wurstelprater mit Unterhaltung, Tradition und seiner ganz eigenen Wiener Geschichte, auf der anderen Seite der Grüne Prater mit Natur, Bewegung und Erholung. Dazu kommen Wiener Stammgäste genauso wie Menschen aus der ganzen Welt.

Ich kenne diesen Ort mein ganzes Leben und liebe genau diese Mischung. Die Menschen kommen in den Prater, um eine gute Zeit zu haben. Genau das ist auch unser Anspruch als Gastgeber: Wir tragen unseren Teil dazu bei, dass aus ein paar Stunden im Prater eine richtig schöne Zeit wird.

Wie haben sich in Ihrer Wahrnehmung die Erwartungen von Familien an einen gemeinsamen Ausflug oder Restaurantbesuch verändert?

Ich glaube, Familien erwarten heute zu Recht mehr als gutes Essen allein. Es geht um das gesamte Erlebnis. Die Kinder sollen Platz haben, sich bewegen können und Spaß haben, während die Eltern gleichzeitig entspannt sitzen und gutes Essen genießen können.

Familien erwarten heute zu Recht mehr als gutes Essen allein.

Dieser Gedanke begleitet die Luftburg eigentlich von Anfang an. Nächstes Jahr feiern wir das 50-jährige Jubiläum der Erfindung der Luftburg durch meine Mutter. Sie war letztlich der Grundstein für unser Restaurant und für unseren starken Fokus auf ein familienfreundliches Gastronomieerlebnis.

Diesen Grundgedanken entwickeln wir bis heute konsequent weiter und passen ihn an die Bedürfnisse heutiger Familien an.

Die Luftburg wurde vollständig auf Bio bei Speisen und Getränken umgestellt. Was hat Sie überzeugt, diesen Schritt so konsequent zu gehen?

Wir haben uns schon lange vor der vollständigen Umstellung mit Bio beschäftigt und immer wieder einzelne Produkte umgestellt. Irgendwann haben wir uns grundsätzlich die Frage gestellt, wo wir als großer Gastronomiebetrieb wirklich etwas verändern können.

Wir wollten die Hebel nutzen, die wir haben, und suchen bis heute Jahr für Jahr neue Schrauben, an denen wir drehen können, um besser und nachhaltiger zu werden. Gleichzeitig war für uns immer klar, dass wir dabei die Erwartungen unserer Gäste an Speisenauswahl, Geschmack und Qualität erfüllen müssen. Nachhaltigkeit darf für den Gast kein Verzicht sein.

Nachhaltigkeit darf für den Gast kein Verzicht sein.

MitBio haben wir für uns den Königsweg gefunden. Wir bieten Lebensmittel in sehr hoher Qualität an, wissen wesentlich genauer, woher unsere Produkte kommen und wie sie produziert werden, und bewegen gleichzeitig aufgrund unserer Größe tatsächlich etwas. Deshalb war irgendwann klar: Wenn wir diesen Weg gehen, dann konsequent. Seit 2021 sind wirklich alle Speisen und Getränke bei uns zu 100 Prozent Bio.

Wo sehen Sie heute den größten Hebel, um Gastronomie tatsächlich nachhaltiger zu machen?

Für mich gibt es nicht den einen großen Hebel. Nachhaltigkeit funktioniert nur, wenn man bereit ist, sich wirklich alle Bereiche eines Unternehmens anzuschauen und laufend weiterzuarbeiten.

Natürlich spielen die Lebensmittel bei uns eine zentrale Rolle. In weiterer Folge geht es genauso um Prozesse, Energie, Infrastruktur und darum, wie wir mit Ressourcen umgehen. Wir haben unsere Wärmeversorgung auf Grundwasser-Wärmepumpen umgestellt, produzieren eigenen Strom mit Photovoltaik und drehen auch in vielen kleineren Bereichen laufend an neuen Schrauben.

Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: die Menschen.Nachhaltigkeit funktioniert nicht ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei uns tagtäglich ihr Bestes geben. Sie sind diejenigen, die unseren Anspruch „Gastfreundschaft spürbar nachhaltig“ mit Leben füllen.

2025 wurde stark in den Standort und auch in Bereiche für Mitarbeiter:innen investiert. Was muss Gastronomie heute bieten, damit Menschen gerne langfristig in der Branche arbeiten?

Wir investieren sehr viel in unser Team und setzen alles daran, ein attraktiver und verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Für mich ist selbstverständlich: Wenn wir hohe Ansprüche an unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen, müssen wir ihnen auch ein entsprechend gutes Arbeitsumfeld bieten.

Dazu gehören moderne Arbeitsplätze und schöne Teamräume genauso wie Planbarkeit, Verlässlichkeit und ein respektvoller Umgang miteinander. Auch das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das sich weiterentwickelt und auf das man stolz sein kann, gehört dazu.

Am Ende können wir noch so viel in Gebäude, Technik oder Produkte investieren: Gastfreundschaft entsteht immer durch Menschen. Deshalb ist unser Team für die Entwicklung unseres Unternehmens mindestens genauso wichtig wie jede andere Investition.

Gastfreundschaft entsteht immer durch Menschen.

Ihre Mutter hat mit der Luftburg eine Idee umgesetzt, die damals alles andere als selbstverständlich war. Braucht die Gastronomie heute wieder mehr Mut zu ungewöhnlichen Ideen?

Absolut. Nächstes Jahr feiern wir 50 Jahre Luftburg. Wenn man sich vorstellt, dass meine Mutter damals die Luftburg erfunden und damit etwas geschaffen hat, das heute praktisch jedes Kind kennt, war das schon eine ziemlich außergewöhnliche unternehmerische Geschichte.

Für uns war die Luftburg dann auch der Grundstein für das Restaurant und für die Idee, Gastronomie und ein familienfreundliches Freizeiterlebnis miteinander zu verbinden.

Ich glaube, dass man als Unternehmer immer wieder den Mut haben muss, Dinge anders zu machen. Das muss aber nicht zwangsläufig spektakulär sein. Manchmal bedeutet Mut auch, eine klare Entscheidung zu treffen und sie konsequent durchzuziehen – wie bei unserer Umstellung auf 100 Prozent Bio oder unseren Investitionen in einen nachhaltigeren Standort.

Sie führen ein Unternehmen, das stark von seiner Geschichte lebt und sich gleichzeitig weiterentwickelt. Welche Ideen oder Veränderungen möchten Sie in den kommenden Jahren im Prater noch umsetzen?

Wir sind in der glücklichen Lage, im Prater noch einiges an Entwicklungsfläche zur Verfügung zu haben. Das ist eine riesige Chance, mit der wir gleichzeitig sehr verantwortungsvoll umgehen.

Wir entwickeln rund um die Luftburg neue Angebote, die zu diesem besonderen Standort und zu uns als Unternehmen passen. Dabei setzen wir vor allem auf die Bereiche Kulinarik, Erlebnis und Bewegung und arbeiten bereits an einigen sehr spannenden Projekten.

Meine Vorstellung ist, rund um die Luftburg Schritt für Schritt ein vielfältiges und hochqualitatives Angebot zu schaffen, das zum Prater und zu unseren Werten passt. Einen Ort, an dem man nicht nur zwei Stunden zum Essen vorbeikommt, sondern gerne einen großen Teil seines Tages verbringt: gut essen, sich bewegen, etwas erleben, entspannen und gemeinsam Zeit verbringen. Genau darin sehe ich für uns noch sehr viel Potenzial.

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