Das ist die Kärntner Weinstraße

Christin Pogoriutschnig

Rund um die Orte St. Veit, St. Donat, St. Georgen oder St. Paul im Lavanttal gilt es, die neue Kärntner Weinstraße zu entdecken. Hier: der Blick vom Weinberg Vinum Virunum auf das historische Weingebiet. © Anja Auer / Die Erzählerei

Schon die Kelten und Römer haben hier Wein angebaut – und trotzdem sind die Kärntner Weingüter allesamt junge Pionierbetriebe. Um den Zusammenhalt zu stärken und ein Gefühl für Kärntner Wein zu schaffen, laden die Betriebe nun gemeinsam auf die Kärntner Weinstraße.

„Wir sind alle Quereinsteiger:innen, Pionierbetriebe“, sagt Romana Candussi vom Weingut Vinum Virunum im mittelkärntnerischen St. Donat. „Niemand hat einen laufenden Betrieb von den Eltern übernommen wie in den anderen Bundesländern.“ Ein Vorteil, ist sie überzeugt, denn die erste Generation an Winzer:innen kann die Stilistik und die Entwicklung des Kärntner Weins bewusst mitbestimmen. 2008 haben Romana Candussi und ihr Mann Helmut die ersten Reben gesetzt, 2011 erstmals geerntet. Dass der Wein hier, auf den sanften Hügeln Mittelkärntens, so gut gedeiht, liegt auf der Hand. Schon die Kelten und später die Römer haben an diesem Ort Wein angebaut. Tafeln und andere historische Relikte aus den Ausgrabungen im nahen Zollfeld zeugen davon. Auch der Betrieb ist nach bedeutenden römischen Stadt Virunum benannt, die hier einst lag.

Winzerin Romana Candussi © Anja Auer / Die Erzählerei

Kärntens Weine können sich sehen lassen. Klimatische Veränderungen, Winzer:innen mit Passion, Wissen und handfester Ausbildung aus den Lehranstalten Krems oder Silberberg und viele Jahre Learning by Doing haben den Boden für Qualitätsprodukte geschaffen. Hauptsächlich sind es Burgundersorten wie Chardonnay, Pinot Gris und Sauvignon Blanc, die hier wachsen. Ein besonderes Augenmerk bekommen zudem die pilzwiderstandsfähigen Sorten (PiWis), wie wir am Weingut „Auf der Leiten“ von den Winzern Georg Lexer und Sem Kegley erfahren. Dort wird auch im großen Stil Pinot Noir angebaut, der Vorzeige-Rote Kärntens. Die 9,5 Hektar verteilen sich am Steilhang auf verschiedenen Höhenmetern; geerntet wird, wie in ganz Kärnten, per Hand.

Mittelkärnten erleben

Die Region Mittelkärnten ist heute nicht nur geografisch das Zentrum der Kärntner Weinregionen. Rund um die Herzogstadt St. Veit, um Seen, Berge und Burgruinen, finden sich einige der bekanntesten Weingüter des Landes – darunter das Weingut Taggenbrunn von Jacques-Lemans-Gründer Alfred Riedl, das Weingut „Auf der Leiten“ von Georg Lexer und Sem Kegley, das Weingut Vinum Virunum oder das Weingut Maltschnig. 22 Betriebe haben sich in dieser Region nun zusammengetan, um die Verbundenheit nach innen und außen zu stärken. Forciert wird die Idee der neuen “Weinstraße” mit besonderem Augenmerk auf Radfahrer:innen – denn die historische Gegend Mittelkärntens ist ein beliebter Anziehungspunkt für Ausflügler auf zwei Rädern.

Steilhänge und Handernte definieren den Kärntner Weinbau. Hier bei Georg Lexer und Sem Kegley “Auf der Leiten” © Anja Auer / Die Erzählerei

Inselhopping zwischen Weinregionen

Es ist aber nicht nur die Region Mittelkärnten, auch im Jauntal, im nördlichen Mölltal, in Klagenfurt und ganz besonders im Lavanttal wird erfolgreich Wein angebaut. Das macht Kärnten aus – es gibt keine große, zusammenhängende Weinregion, wie es nur ein Stück weiter in den Nachbarländern der Fall ist. Stattdessen tauchen Weingebiete auf wie kleine Inseln, die es zu entdecken gilt. Aus diesem Grund wurden gleich vier malerische Weinrouten geschaffen, auf denen Gäste die schönsten (Weinbau-)Regionen in Mittelkärnten oder zwischen Wörthersee, Drau und Lavant erkunden können. Dazwischen warten außer dem Wein traumhafte Naturerlebnisse, historische Sehenswürdigkeiten und authentische Kulinarik. Alle Infos dazu gibt es HIER.

Weingut “Auf der Leiten” © Anja Auer

Slow Wine als Bewegung

Das Schaffen der Weinstraße ist eine logische Weiterentwicklung der Bemühungen der Region Mittelkärnten und der Winzer:innen selbst, das Kärntner Produkt stärker nach außen zu tragen. Zwischen den Betrieben ist es nicht die erste Zusammenarbeit. Unter dem Motto „Slow Wine“ haben sich bereits fünf Winzer:innen zusammengeschlossen und arbeiten in Synergie für eine erfolgreiche und vor allem nachhaltige Wein-Zukunft. Der Weinhof vlg. Ritter, das Weingut Sternberg, der W2-Bio Weinbau Waltl, Vinum Virunum und das Weingut Auf der Leiten stehen gemeinsam für die „Slow Wine Coalition Carinthia“. Sabine David, Romana und Helmut Candussi, Christian Waltl, Alexander und Petra Egger sowie Georg Lexer und Sem Kegley setzen auf biologische Arbeit, nachhaltigen Weinbau und hohe Sorgfalt im Umgang mit Wasser, Boden, Pflanzen und Umgebung. Die Betriebe forcieren zudem die Arbeit mit pilzwiderstandsfähigen (PiWi-)Sorten und zeigen im Schulterschluss, dass auch die junge Kärntner Weinlandschaft für eigenständige, qualitätsvolle und nachhaltig produzierte Weine steht. Und all das lässt sich am besten bei einer Tour durch die Kärntner Weinstraße(n) entdecken.

Pinot Noir ist Kärntens Vorzeige-Roter © Anja Auer
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