– mit ein bisserl Wehmut
Manche Lokale wachsen einem leise ans Herz. Nicht, weil sie ständig laut von sich reden, sondern weil sie irgendwann einfach dazugehören: zur Straße, zum Viertel, zu einem Abend, an dem man noch auf einen Drink bleibt, obwohl man eigentlich schon gehen wollte. Beim HEMMA Scandinavian in der Landesgerichtsstraße ist genau dieses Gefühl entstanden. Umso mehr schwingt jetzt ein bisserl Wehmut mit, denn Igor und Dario Glavas zieht es zurück nach Schweden, wo neue Projekte warten. Für Wien endet damit eine kleine nordische Geschichte, die hier ziemlich schnell ihren eigenen Platz gefunden hat.
Der Name war von Anfang an gut gewählt. „Hemma“ bedeutet auf Schwedisch „Zuhause“, und ganz ohne großes Konzeptgerede hat sich genau dieses Gefühl über die Jahre im Lokal entwickelt. Nicht aufgesetzt, nicht als skandinavische Kulisse mit Mascherl, sondern durch die Mischung aus warmer Atmosphäre, unkomplizierter Gastfreundschaft, gutem Essen und einer Bar, an der man problemlos länger hängen bleiben konnte als geplant.
Als das HEMMA 2023 nahe dem Wiener Rathaus aufsperrte, war außerdem rasch klar, dass hier nicht einfach ein Schweden-Klischee abgespult werden sollte. Igor Glavas brachte seine Wurzeln und gastronomische Erfahrung aus Schweden mit, gemeinsam mit Dario Glavas entstand daraus ein Haus, das nordische Küche nach Wien holte, ohne sie zur Folklore zu machen. Natürlich gab es Köttbullar – alles andere wäre vermutlich ohnehin verdächtig gewesen –, doch die Küche hatte von Beginn an mehr vor.
Toast Skagen, Fischgerichte, Dill, Preiselbeeren, Västerbotten-Käse, eingelegtes Gemüse und klassische nordische Aromen bildeten die Basis, gleichzeitig entwickelte sich die Küche über die Jahre weiter, wurde vielseitiger, feiner und manchmal auch ein Stück mutiger. Stockholm-, Oslo- und vegetarische Menüs kamen dazu, saisonale Gerichte wechselten sich ab, Fischbullar standen neben Jakobsmuscheln mit Sandefjord-Sauce, zum Abschluss vielleicht eine Kladdkaka. Gerade diese Entwicklung machte das HEMMA spannend, weil das Lokal nie stehen blieb und trotzdem immer erkennbar blieb.
Auch wir bei Gastro.News haben diesen Weg über die Jahre immer wieder begleitet, mit saisonalen Menüs, Restaurantwochen und verschiedenen Aktionen. Besonders oft spielte dabei die Bar eine Rolle, und das aus gutem Grund, denn sie war nie bloß Beiwerk zum Restaurant. Vorne wurde gemixt, hinten gegessen, dazwischen floss das Ganze angenehm ineinander. Aquavit, schwedischer Whisky, Beeren, Kräuter und eigene Signature Drinks gehörten genauso zur Identität des Hauses wie die Küche. Noch 2026 rückten die „Nordic Nights“ genau diese Seite des HEMMA wieder stärker in den Mittelpunkt.
Und wenn man über die Bar spricht, muss man auch über Mikael sprechen. Als Barchef hat er dem HEMMA nicht nur Drinks, sondern eine ganz eigene Handschrift gegeben – mit viel Einfallsreichtum, Neugier und diesem Gespür dafür, aus manchmal ungewöhnlichen Zutaten etwas überraschend Stimmiges zu machen. Bei ihm wurden Aquavit, Beeren, Kräuter oder schwedischer Whisky nie einfach nur eingesetzt, weil sie zum nordischen Konzept passten; er hat damit gespielt, ausprobiert, verworfen und neu gedacht. Genau diese Lust am Tüfteln war spürbar – und sie hat viele Abende im HEMMA mitgeprägt. Seine Drinks waren selten bloß Begleitung zum Essen, sondern oft ein eigener Grund, noch ein Glas zu bleiben. Und vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Können, Ideenreichtum und persönlicher Handschrift, die man an einer guten Bar am stärksten vermisst, wenn plötzlich das Licht ausgeht.
Vielleicht liegt gerade darin ein Teil dessen, was man vermissen wird: Das HEMMA hatte ein klares Profil, ohne daraus ständig eine große Sache machen zu müssen. Es war nordisch, aber nie kühl, speziell, aber nicht kompliziert, und vor allem hatte man immer das Gefühl, dass hinter dem Konzept echte Menschen stehen.
Und genau da kommen Igor und Dario ins Spiel.
Denn Gastronomie funktioniert am Ende nie nur über Teller, Einrichtung oder ein cleveres Branding. Entscheidend ist, wer ein Haus prägt, wer es jeden Tag mit Leben füllt und wer dafür sorgt, dass Gäste nicht nur kommen, sondern wiederkommen. Beim HEMMA war diese persönliche Handschrift immer spürbar. Das Lokal wirkte nicht wie ein Konzept, das irgendwo am Reißbrett entstanden war, sondern wie etwas, das aus Herkunft, Erfahrung, Ideen und echter Lust auf Gastronomie gewachsen ist.
Jetzt führt genau diese Geschichte weiter. Igor und Dario gehen zurück nach Schweden, wo neue Projekte auf sie warten. Nicht mit großem Drama, nicht weil die Idee plötzlich vorbei wäre, sondern weil sich Lebenswege verändern und irgendwann ein neuer Abschnitt beginnt. Eigentlich ist das ein schöner Grund zu gehen, auch wenn dadurch in der Landesgerichtsstraße trotzdem etwas fehlen wird.
Dieser kleine Abstecher nach Skandinavien, ohne dafür ins Flugzeug steigen zu müssen. Die Köttbullar. Die Drinks. Der Platz an der Bar. Vor allem aber dieses angenehme Gefühl, dass das HEMMA eben nicht irgendein Lokal war, sondern eines mit eigener Handschrift und Charakter.
Vielleicht ist es genau das, was nach einigen Jahren bleibt: nicht eine einzelne Speise, nicht ein einzelner Abend, sondern die Erinnerung an einen Ort, den man gern hatte und der Wien gastronomisch ein Stück vielseitiger gemacht hat.
Beim HEMMA war Schweden immer Ausgangspunkt und roter Faden zugleich.
Jetzt führt der Weg dorthin zurück.
Danke für die Abende, die Drinks, die Teller und ein Stück Norden mitten in Wien. Hej då, HEMMA. Und Igor und Dario: Alles Gute für das, was jetzt kommt.


















