Das winzige Chinacy in der Johannesgasse hat jetzt einen großen Bruder bekommen. Genuss-Autor Marko Locatin war auf aromatisches Huhn Kanton und einiges mehr.
„Wir experimentieren hier noch ein bisschen“, sagt Sam lächelnd zur Begrüßung. Freilich Understatement, denn der 34-Jährige, der als Geschäftsführer fungiert, stammt aus einer Hongkong-stämmigen Gastrofamilie. Diese betreibt unter anderem das entzückende Chinacy 1010 in der Johannesgasse (Tipp: unbedingt reservieren!). Den Chefkoch hat Sam sich von dort „ausgeborgt“.
Am Karlsplatz lautet das Motto „Sharing and Caring“, das kulinarische Programm lässt sich als eine Art „Best of Asia“ beschreiben. Wir probieren vieles, lassen jedoch Maki, Sushi und Rolls aus (die durchaus appetitlich an uns vorbei ziehen).

Zu den Vorspeisen: Die Wantan nach Szechuan-Art überzeugen mit dichter Aromatik, allerdings etwas zurückhaltender Schärfe – ein Eindruck, der sich durch den gesamten Abend ziehen sollte. Das Huhn Kanton kommt in Szechuan-typischem rotem Chili-Öl sowie mit einer farbenfrohen Garnitur aus Frühlingszwiebeln, Paprika, Knoblauch und Ingwer. Beides hervorragend. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Dan Dan Don – Schweinefleisch mit dunkler Bohnenpaste auf Reis – oder das Popcorn Chicken mit fein abgestimmter Wasabi-Honig-Mayo. Auch gut: Gemüse in Tempura mit Hummus, laut Sam in dieser Form eine Erfindung des Hauses. Sehr ordentlich die Gyoza, bei den zarten Dim Sum schimmert die Bärlauch-Shrimps-Fülle durch den luziden Teig. Allein mit der Vielfalt der Vorspeisen könnte man mehrmals satt werden.

Zu den Hauptgerichten: Das Gong Bao Huhn ist solide, die Szechuan-Melanzani aromatisch. Lachs Teriyaki und das Bulgogi am Nebentisch sehen vielversprechend aus – und kommen dort offenbar ebenso gut an. Dazu: Weißer Spritzer, Tee oder die wirklich erfrischenden hausgemachten Limonaden.

Fazit
Nach dem Aus des ambitionierten Heuer (Gastro News berichtete) und einem nicht weiter bedeutenden Intermezzo namens Kunsthalle Café versuchen sich nun die Gastro-Profis von Chinacy am Karlsplatz. Innen präsentiert sich das Lokal modern-asiatisch, ohne Kitsch, außen blieb die angenehm beschallte Terrasse mit ihren schützenden großen Sonnenschirmen erhalten. Die einstige Bar wich einem zur Kunsthalle gehörenden Gastraum.
Auf der Karte findet sich ein „Best of Asia“ – von Sushi bis Bulgogi. Besonders gut gelingen die Szechuan-geprägten Gerichte sowie alles, bei dem Teigtaschen die Hauptrolle spielen. Geschmacklich und handwerklich ist das Niveau tadellos (super Reis!). Lediglich Hardcore-Fans der Szechuan-Küche könnten sich etwas mehr Mut bei Schärfe und Würzung wünschen. Doch das ließe sich leicht nachschärfen – wie die gar schmale Weinkarte. Jedenfalls ein feiner Platz für lauschige Sommerfrische.
Chinacy 1040
TREITLSTRASSE 2
1040 WIEN
MONTAG RUHETAG
DI, MI, DO, So: 10:00 – 22:00
FREITAG – SAMSTAG: 10:00 – 01:00
01 52189999
INFO.KARLSPLATZ@CHINACY.AT
Marko Locatin, Autor dieses Artikels war u.a. 10 Jahre Chef vom Dienst von FORMAT. Einige Jahre schrieb er dort auch die Branchenseite Werbung & PR, sowie die letzte Seite des Wirtschaftsmagazins – sie drehte sich um Außenpolitik. Seither arbeitete der Cineast und passionierte Schachspieler u.a. als Chef-Redakteur von Gastro News Wien, sowie selbstständiger Autor für den Falstaff-Verlag, das CP-Magazin vom SPAR Griaß Di, den Manstein-Verlag und die Plattform KalkundKegel. Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com
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