Lateinamerikanisch-türkische Fusion im neuen Armandos – geht sich das aus?

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Bild: Marko Locatin

In das solide Leopold zog kürzlich das spannende Armandos ein. Genuss-Autor Marko Locatin war vor Ort.

Die Große Pfarrgasse ist kein unbelecktes Blatt der Gastro-Szene. Das Engel, ein Projekt eines Ex-Cafe Engländer-Mitarbeiters stand für entspannte, hochwertige Küche – wird seit Jahren unter anderen Namen asiatisch bespielt. Legendäre war der Grubers Vincent (Herr Gruber: milde; Frau Gruber: streng), gestartet als Studentenbude, abgehoben als Fine-Dining-Lokal mit Kapazundern am Herd wie Peter Zinter oder Alexander Mayer. Es hört mittlerweile auf den (michelinbedachten) Namen Kraus. Ein Stück weiter Richtung Taborstraße hat sich das lange bewährte Leopold verabschiedet, Armandos heißt der ambitionierte Neuzugang, als Küchenchef konnte mit Enes Irik ein vielfach ausgezeichneter Haubenkoch gewonnen werden (Gastro News berichtete).

Die Speisekarte ist mit elf Tapas, fünf Hauptspeisen plus drei Desserts schmal gehalten, die Weinkarte mit sieben Weiß, einem Rose sowie ganzen drei (!) Rotweinen könnte man als Koketterie auslegen. Auf Nachfrage wird mitgeteilt, dass Speis & Trank monatlich wechseln. Nun gut. Weil der Pichler-Krutzler finito war, nehmen wir einen einfachen spanischen Ortswein, Martin Codax D.O. Albariño · 2025 · D.O. Rías Baixas. – schlägt mit 50 Euro zu Buche (EH-Preis rund 14 Euro).

Nun aber zum Essen. Pulpo con Amarillo klingt appetitlich, wie auch der spanische Bauernsalat mit Manchego (das ist Käse mit der schwarzen Rinde). Piegmentos de Patron erweisen sich, wie die Gambas PilPil – Garnelen in Öl, Knoblauch & Chilli – als solid. Tadellos ist die Chilli-Mayo. Die türkischen Teigtaschen Girik hinterlassen leider keinen bleibenden Eindruck.

Bild: Marko Locatin

Deutlich erfreulicher dann Geschmortes Lamm in Paradeis-Chipotlesauce und Melanzanibechamel namens Ali Nazik (30Euro) – unerfreulich hingegen Lomo Saltado, ein Rostbraten vom Jungrind mit eingelegten Roten Zwiebel, Paradeiser, Saltadosauce, Bratkartoffeln und Koriander (29 Euro). Der Rostbraten kam in kleinen Würfeln mit einer allzu klebrigen Sauce. Da half auch der Albariño nicht weiter.

Bild: Marko Locatin

Fazit

Ambitionierter Neuzugang direkt bei der Pfarrkirche. Das Ambiente wurde kaum verändert, das neue Konzept wirkt noch unausgegoren. Den Vorspeisen fehlte Pepp & Pfiff, die Hauptspeisen sind “durchwachsen”, die Fusion erschließt sich uns (noch) nicht. Vielleicht muss sich hier alles noch einspielen, oder die Küche hatte einfach einen rabenschwarzen Tag. Warum eine Lokalität mit spanischen Speisen gerade einmal drei Weine in Rot offeriert, können sich die beiden Tester auch beim besten Willen nicht erklären.

An diesem prominenten Standort mit Gastgarten neben der Kirche und gut 50 Innenplätzen sollte, muss wohl auf Dauer mehr gehen,

Aamandos

Große Pfarrgasse 11
1020 Wien
Vorspeisen: 6 – 12 Euro
Hauptspeisen: 16 – 32 Euro
Di – Do: 11:00-23:00
Freitag: 11:00-01:00
Samstag: 14:00-00:00
Sonntag: 10:00-21:00 

www.armandos.at

Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com

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