Kias Burget geht auf kulinarische Reisen

Martin Reischauer

– und bringt frische Luft zurück nach Wien

Kias Burget bleibt nicht hinter seinem eigenen Herd stehen. Zum zweiten Mal reist der brasilianische Koch nach Deutschland, um im Restaurant Schattbuch zu kochen. Diesmal gemeinsam mit Gastgeber und Küchenchef Caio Benatti sowie Dante Bassi und Katrin „Kafe“ Bassi vom Mangá in Salvador.

Vier Köche, sechs Gänge, mehrere Handschriften. Und genau darum geht es Burget. Brasilianische Küche ist für ihn kein eng gestecktes Feld, sondern eine große, oft noch viel zu wenig erzählte Welt.

Brasilien ist mehr als ein fixes Bild

Es ist so viel mehr zu entdecken, die Geschmäcke Brasiliens sind unzählbare. Wir haben Einflusse von verschiedenster Kulturen.

Der Satz sagt ziemlich genau, wohin die Reise geht. Brasilien lässt sich kulinarisch nicht auf ein paar bekannte Gerichte reduzieren. Zu viele Regionen, zu viele Einflüsse, zu viele Geschichten wirken dort zusammen.

Brasilianische Küche ist ein Fest der Vielfalt! Genau das möchte ich nach Europa bringen.

Das Gastspiel im Schattbuch ist ein Teil davon. Burget trifft dort auf Caio Benatti, Dante Bassi und Katrin „Kafe“ Bassi, kocht mit ihnen und zeigt seine eigene Sicht auf Brasilien. Nicht als Folkloreprogramm, sondern als Küche, die offen bleibt und sich weiterentwickelt.

Nach Deutschland wartet Wien

Nach der Veranstaltung geht es Ende August zurück nach Wien. Und dort ist der Kalender ebenfalls gut gefüllt. Zunächst steht die Restaurantwoche an, danach folgt die nächste Ausgabe von „The Brazilian Table“. Mit dem Format empfängt Burget internationale Köche, die gemeinsam mit ihm frische kulinarische Luft in die Stadt bringen.

Diesmal trifft Brasilien auf Portugal. Zu Gast ist Leo Carreira, auch Leandro Carreira genannt – ein international profilierter Koch mit einer Laufbahn, die einiges erzählt.

Leo Carreira bringt internationales Format

Geboren in Leiria, begann Carreira bereits mit 16 Jahren zu kochen. Drei prägende Jahre verbrachte er im Mugaritz im Baskenland, wo er tief in die avantgardistische Philosophie des Hauses eintauchte. Später zog es ihn nach London. Dort arbeitete er als Head Chef im Viajante und übernahm wichtige Rollen bei Koya und Londrino. Gerade im Londrino machte er mit der Verbindung portugiesischer und japanischer Aromen auf sich aufmerksam.

Zuletzt war Carreira Executive Chef im The Sea, The Sea. Dort entwickelte er seine Handschrift weiter und beschäftigte sich intensiv mit japanischen Methoden der Konservierung und Fischreifung.

In der britischen Gastroszene gilt er als Pionier. Ihm wird zugeschrieben, die Kunst des gereiften Fisches am britischen Markt etabliert zu haben. Seine Küche lebt von einer feinen Spannung: Er sucht nach Neuem, ohne die Tradition über Bord zu werfen. Klassische Techniken treffen auf ungewöhnliche Entdeckungen, Vertrautes bekommt plötzlich eine andere Richtung.

Genau deshalb ist Carreira für „The Brazilian Table“ mehr als ein klingender Name. Er bringt Erfahrung, internationale Strahlkraft und eine klare kulinarische Haltung nach Wien. Gemeinsam mit Burget entsteht eine Begegnung, bei der Brasilien und Portugal in Harmonie arbeiten werden. Beide Küchen dürfen ihre Geschichte mitbringen – und trotzdem etwas Neues kreieren.

Ein Weg, der nicht nach Lehrbuch verlief

Auch Kias Burgets eigener Weg war alles andere als vorgezeichnet. Er ist Autodidakt, sperrte sein Restaurant zunächst im Dezember auf und öffnete es 2022 endgültig für das Publikum. Der Einstieg mit zwei Hauben, zwei Gabeln im Jahr 2024 und die Michelin-Empfehlung im heurigen Jahr zeigen, dass dieser Weg längst wahrgenommen wird.

Deutschland und Wien sind dabei gleichwertige Teile derselben Geschichte. Im Schattbuch kocht Burget mit Caio Benatti, Dante Bassi und Katrin „Kafe“ Bassi. In Wien holt er mit Leo Carreira internationales Format an den eigenen Tisch.

Er reist also nicht einfach weg. Er erweitert den Radius. Und genau davon lebt seine Küche.

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