Nach einigen Verzögerungen läuft das Mandarin Oriental endlich im Vollbetrieb. Genuss-Autor Marko Locatin hat sich vor Ort Cafe, Bistro und Fine-Dining näher angesehen.
Die Strenge der Geometrie der hohen Räume des Jugendstilgebäudes mag immer noch das Flair des ehemaligen Gerichtsgebäudes vermitteln. Durchquert man aber dieses Entree, öffnet sich ein weitläufiger Saal. Hier findet das gesamte gastronomische Angebot des Hotel Mandarin Oriental (86 Zimmer, 52 Suiten) – Cafe, Brasserie, Fine-Dining, Bar – einen aufgeräumt eleganten, gleichzeitig lebendigen Rahmen. Man kann hier fine dinen, aber auch auf Cafe und/oder Champagner vorbei kommen.
Gute Küche sollte nicht exklusiv sein, sondern für alle zugänglich, die Freude am Genießen haben”, so Executive Chef Thomas Seifried, verantwortlich für die Umsetzung des gastronomischen Konzeptes.
Diskret abgegrenzt in einer Nische befindet sich ein Tisch – getauft Community-Table – des Fine-Dining-Bereichs. Wir starten mit – hätten Sie’s gewußt – Amuse Bouche. Dicht und aromatisch kommt die Iberico-Consomme, der Zitronengras Frische & Säure verleiht. Genial, die lauwarme Gillardeau-Auster, darauf Knochenmark, dekoriert mit etwas Kaviar. Ein Gericht mit Stil und Schmelz. Dazu reicht das spielfreudig aufgelegte Sommelier-Team Louis Roederer Rose 2017.

Ein weiteres Signature-Gericht aus Seiferts Repertoire: Hiramasa “Szegediner”, Sashimi von der Geldschwanzmakrele mit Miso-Ginger Aioli plus Miso-Sauerkraut-Vinaigrette. Leichte Süße trifft sanfte Säure. Ein Balanceakt, der gelingt. Die Gänge mit Seeigel und Languste wiederum trug Richard Ekkebus bei diesem exklusiven 4-Hands-Dinner bei, seines Zeichens Culinary Director des Mandarin Oriental in Hong Kong. Ekkebus, by the way, gilt als Schüler von Master-Chef Eric Ripert, der wiederum als bester Freund Anthony Bourdains bekannt war.

Auch die weiteren Gänge (Seeigel!) der beiden halten das hohe Niveau, wie auch die Patisserie (Christian Grübler – Executive Pastry Chef Mandarin Oriental, Vienna) und die Weinbegleitung.
Fazit
Das lang erwartete Mandarin Oriental Vienna hält bereits nach einigen Wochen souverän auf High-End-Kurs. Auch scheint das offene gastronomische Konzept nicht nur bei Touristen gut anzukommen. In Top-Form ist jedenfalls die Küche unter der Leitung von Thomas Seifried, der ein feines Händchen für Würze und Balance besitzt. Bestens disponiert zeigt sich auch Service sowie Sommelier-Team. Die Latte für die Konkurrenz liegt hiermit verdammt hoch.
TIPP: Erst einmal ins Bistro (unbedingt reservieren!) oder auf einen Cafe hinein schnuppern. Das Flair ist kosmopolitisch, die Atmosphäre elegant-entspannt.
Mandarin Oriental Vienna
Riemergasse 7
1010 Wien
8-Gänge: 205 Euro
movie-reservations@mohg.com












