Golden Frites eröffnet in Wien

Ina Dieringer

Pommes haben es nicht leicht. Selbst wenn sie hervorragend sind, landen sie meist am Tellerrand – neben Burger, Schnitzel oder Steak. In der Neubaugasse will ein neues Gastro-Konzept die Rollen nun neu verteilen. Bei Golden Frites sind die Fritten nicht Beilage, sondern der eigentliche Grund für den Besuch. Oder, wie man es dort selbst formuliert: „No, they’re not just fries.“

Hinter dem Konzept steht Rui Chen, Mitgründer von Ebi. Nach vielen Jahren in der Gastronomie wollte er noch einmal etwas Eigenständiges entwickeln – mit einer denkbar überschaubaren Hauptdarstellerin. „Die Inspiration für Golden Frites kam vor allem aus den Niederlanden, wo Frites eine ganz andere Stellung haben als bei uns – sie sind dort nicht einfach nur eine Beilage, sondern ein Produkt für sich“, erzählt Chen.

(c) The Guardians of Social Media

Niederländische Frittenkultur für Wien

Genau diese Kultur wollte Chen nach Wien holen, allerdings nicht einfach kopieren. „Diesen Gedanken wollte ich nach Wien bringen und gleichzeitig auf unsere eigene Art interpretieren.“ Herausgekommen ist ein bewusst fokussiertes Konzept: frisch zubereitete Frites, verschiedene Saucen und ausgewählte Dutch Sides.

Dass sich ein ganzes Lokal im Wesentlichen einem einzigen Produkt verschreibt, ist dabei kein Zufall. „Genau diese Einfachheit hat mich gereizt. Ich mag Konzepte, bei denen man innerhalb weniger Sekunden versteht, worum es geht“, sagt Chen. Die Sache hat allerdings einen kleinen Haken: Was in den Niederlanden völlig selbstverständlich ist, wird hierzulande noch immer eher nebenbei gegessen. „Natürlich ist es gleichzeitig ein gewisses Risiko, weil Frites in Österreich nach wie vor hauptsächlich als Beilage gesehen werden. Aber gerade deshalb fand ich die Idee spannend.“

Statt mit einer möglichst langen Karte auf Nummer sicher zu gehen, macht Golden Frites also das Gegenteil. „Statt eine große Speisekarte anzubieten, wollten wir uns auf ein Produkt konzentrieren und versuchen, dieses möglichst gut zu machen.“ Dass das grundsätzlich funktionieren kann, zeigen die Niederlande. „Wir wollten herausfinden, ob sich diese Frites-Kultur auch nach Wien übertragen lässt.“

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Nicht nur Pommes

Der Claim „No, they’re not just fries“ klingt dabei zunächst größer, als Chen die Sache selbst machen möchte. Denn aus der Kartoffel soll hier keine Wissenschaft werden. „Am Ende sind es natürlich Frites – aber wir schenken ihnen die Aufmerksamkeit, die normalerweise einem Hauptgericht zukommt.“

Und genau darin liegt der Unterschied. Während Pommes anderswo oft selbstverständlich mitbestellt werden, sollen sie hier bewusst bestellt werden. „Pommes werden bei uns oft als Beilage wahrgenommen. Wir wollen zeigen, dass Frites auch das Hauptprodukt sein können.“

Die ersten Tage scheinen zumindest dafür zu sprechen, dass Wien für diese Botschaft nicht allzu viel Überzeugungsarbeit braucht. „Die ersten Tage waren ehrlich gesagt überwältigend. Wir haben mit Interesse gerechnet, aber nicht mit so großer und vor allem nicht mit so viel positivem Feedback in so kurzer Zeit“, sagt Chen. Besonders gefreut habe ihn, dass die Gäste das Prinzip offenbar sofort verstanden hätten: „Die Leute kommen tatsächlich gezielt wegen der Frites und nicht, weil ihnen noch eine Beilage fehlt.“

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Einmal Frites, bitte

Was nach dem Besuch hängen bleiben soll, lässt sich ebenfalls recht einfach zusammenfassen. „Im besten Fall denken sie: ‚Ich wusste nicht, dass Frites so gut sein können.‘“ Golden Frites soll dabei gar nicht versuchen, aus einem unkomplizierten Produkt etwas unnötig Kompliziertes zu machen. „Golden Frites soll für ein sehr einfaches Produkt stehen, das konsequent gut gemacht wird. Frische Frites, richtig gute Saucen, ein schönes Umfeld und ein unkompliziertes Erlebnis.“

Und dann wäre da noch das eigentliche Langzeitziel – eines, das weniger nach Gastro-Masterplan als nach einer ziemlich konkreten Wiener Alltagsszene klingt. Chen: „Natürlich wäre es schön, wenn irgendwann jemand durch die Neubaugasse geht und ganz selbstverständlich sagt: ‚Lass uns noch Frites bei Golden Frites holen.‘ Genau diese Selbstverständlichkeit möchten wir langfristig erreichen.“ Bis dahin arbeitet Golden Frites daran, den Pommes ihren angestammten Platz am Tellerrand streitig zu machen. Diesmal gibt es eben kein Schnitzel dazu.

Neubaugasse 48, 1070 Vienna

jeden Tag von 12-20 Uhr geöffnet

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