Unsere besten Restaurants in 1010 Wien (Innere Stadt) – Teil 1

Ina Dieringer

Vormittags Business-Lunch mit Blick auf die Uhr, abends Candlelight und große Gesten. Dazwischen Tourist:innen auf der Suche nach „authentisch“, Stammgäste mit Fixplatz und Kellner:innen, die alles schon gesehen haben. Kulinarisch reicht das Spektrum von ehrwürdigen Klassikern bis zu ambitionierten Newcomern, die beweisen wollen, dass man auch im Herzen der Stadt noch überraschen kann.

Hier wird nicht einfach gekocht – hier wird performt. Teller müssen sitzen, Service sowieso. Denn im Ersten verzeiht man vieles, aber selten Mittelmaß. Wer hier bleibt, hat Substanz. Wer neu ist, muss liefern. Und wer es schafft, wird schnell zum Fixpunkt zwischen Opernabend, Shopping-Marathon und spätem Absacker. Kurz gesagt: 1010 Wien ist kein einfacher Bezirk – aber ein verdammt guter Ort zum Essen. Wenn man weiß, wohin.

Zum zweiten Teil der Reihe geht es hier und zum dritten Teil hier.

Buxbaum Restaurant

Grashofgasse 3, 1010 Wien

Das Buxbaum versteht sich als klassisches Fine-Dining-Restaurant mit zeitgemäßer Handschrift. Die Küche arbeitet klar produktorientiert und saisonal, mit einem Schwerpunkt auf österreichischen Grundlagen, die mediterran gedacht und modern interpretiert werden. Auf der Speisekarte finden sich bewusst ausgewogene Kontraste: erdige Aromen wie Topinambur, Pilze oder Schwarzwurzel treffen auf elegante Komponenten wie Trüffel, Kaviar oder Gänseleber; Fischgerichte stehen gleichwertig neben Fleisch und vegetarischen Kompositionen. Viele Gerichte setzen auf klassische Techniken – Consommés, Ragouts, sanft gegarte Hauptprodukte – und werden durch präzise Akzente ergänzt, ohne ihre Herkunft zu verleugnen. Auch die Menüs folgen diesem Prinzip: strukturiert, ruhig aufgebaut, mit einem Spannungsbogen, der nicht überfordert, sondern trägt. Das Buxbaum verzichtet auf große Gesten und modische Effekte und überzeugt stattdessen durch handwerkliche Stringenz, geschmackliche Klarheit und eine Küche, die lieber beständig erzählt als laut überrascht.

Boxwood

Grashofgasse 1, 1010 Wien

Mit Boxwood – The Art of Steak positioniert sich ein Steakhouse, das den Fokus konsequent auf Produkt und Handwerk legt. Im Zentrum des Konzepts steht der Josper-Holzkohlegrill, der in der offenen Showküche zum prägenden Element wird und bei extrem hohen Temperaturen für intensive Röstaromen sorgt. Die Speisekarte ist klar strukturiert und ganz auf hochwertige Steak-Cuts ausgerichtet, ergänzt durch ausgewählte Beilagen, Desserts und eine eigenständige Weinkarte. Boxwood versteht Steak nicht als bloßes Gericht, sondern als kulinarische Disziplin, bei der Herkunft, Gargrad und Technik gleichwertig zusammenspielen. Auch das Ambiente folgt dieser Haltung: modern, reduziert und bewusst inszeniert, ohne den Blick vom Wesentlichen abzulenken. Das Ergebnis ist ein Restaurant, das Steak-Kultur als Erlebnis denkt – präzise, konzentriert und mit klarer Linie.

Clementine im Glashaus

Coburgbastei 4, 1010 Wien
(c) Palais Coburg

Das Clementine im Glashaus verbindet moderne Küche mit historischer Kulisse. Serviert werden ganztägig klassisch grundierte Gerichte, zeitgemäß interpretiert – vom Frühstück bis zum Abendessen. Die 2-Hauben-Küche setzt auf klare Aromen und handwerkliche Präzision, präsentiert im lichtdurchfluteten Glashaus des Palais Coburg oder, bei Schönwetter, im ruhigen Garten. Der Name verweist auf Clementine von Orléans, die erste Bewohnerin des Palais, und spiegelt den eleganten, zurückhaltenden Charakter des Restaurants wider. Kulinarisch bewegt sich das Clementine zwischen internationaler Leichtigkeit und klassischer Form, ergänzt durch eine außergewöhnlich umfangreiche Weinkarte des Hauses, die den Fokus klar auf Genuss mit Haltung legt.

Labstelle

Lugeck 6, 1010 Wien

Die Labstelle denkt ihre Küche vom Produkt her – und das zeigt sich besonders deutlich auf der Karte. Mittags bewusst reduziert, mit wenigen Gängen und regelmäßigem Wechsel, abends deutlich komplexer, reicht das Spektrum von saisonalen Vorspeisen über klar strukturierte Hauptgerichte bis hin zu einem mehrgängigen Farm-to-Table-Menü, wahlweise mit Fleisch, Fisch oder vegan. Gemüse spielt eine zentrale Rolle, nicht als Beilage, sondern als eigenständiges Gericht, ergänzt durch präzise eingesetzte Aromen und klassische Techniken wie Beizen, Fermentieren oder langsames Schmoren. Fleisch und Fisch stammen aus nachvollziehbarer Herkunft und werden respektvoll verarbeitet, Desserts bleiben handwerklich und zurückhaltend, ohne süße Effekte. Auch die Getränkebegleitung folgt diesem Ansatz: eine breit aufgestellte Weinkarte mit heimischen und internationalen Positionen sowie eine Bar, die hausgemachte Limonaden und klassisch gedachte Cocktails integriert. Die Karte wirkt nie statisch, sondern als Momentaufnahme dessen, was Saison, Produzent:innen und Küche gerade hergeben – konsequent, unaufgeregt und klar im Ausdruck.

Schatz Imhof

Universitätsstraße 11, 1010 Wien

Die Schatz im Hof versteht sich als bewusst unklassifizierbarer Ort zwischen Streetfood, Soulfood und Fine-Dining-Anspruch. Auf der Karte stehen keine Tageszeiten, sondern Haltungen: Burger in mehreren Varianten – vom smashed XO Beef über steirisches Landhendl bis zur vegetarischen Interpretation mit Trüffel und Portobello – teilen sich den Raum mit Beef Tatar, Chickpea Tatar oder Mac ’n’ Cheese, das mit hausgemachtem Kimchi und Trüffelkäse weitergedacht wird. Ergänzt wird das Angebot durch handgeschnittene Fries, Cheese Fries, Lamb Chops, Louisiana Chicken Wings oder Popcorn-Hendl, alles konsequent hausgemacht, gegrillt, eingelegt oder smashed. Auch die Barkarte ist mehr als Beiwerk und bleibt bis spät verfügbar, mit kleinen Gerichten wie Trüffel-Toast, Sardinen, Pickles und Kimchi. Die Küche arbeitet produktfokussiert, ohne Scheu vor Fett, Würze oder Textur, und setzt auf Qualität bei Produzent:innen, Wein und Drinks. Das Ergebnis ist eine Karte, die sich nicht festlegen lässt, aber klar positioniert: kompromisslos, handwerklich und mit sichtbarer Lust am Überschreiten klassischer Gastro-Grenzen.

Restaurant Hansen

Wipplingerstrasse 34, 1010 Wien

Das Restaurant Hansen verbindet mediterran geprägte Küche mit dem historischen Ambiente des ehemaligen Wiener Börsegebäudes. Seit der Eröffnung 1998 steht das Haus für eine international ausgerichtete, dennoch klassisch fundierte Linie, die sich deutlich auf der Karte widerspiegelt. Diese reicht von Marktgerichten wie Sardellen, Prosciutto oder Oliven über Suppen, Pasta und Risotti bis zu Fisch-, Fleisch- und veganen Hauptspeisen, wobei Herkunft und Saisonalität sichtbar mitgedacht werden. Risotto nimmt eine besondere Rolle ein – mal klassisch, mal als Tagesgericht nach Marktangebot – ebenso wie mediterrane Klassiker, die behutsam modernisiert werden. Fischgerichte wie Wolfsbarsch oder Saibling stehen gleichwertig neben Rindsroulade, Beiried oder vegetarischen Alternativen, Desserts bleiben klassisch und handwerklich. Die Karte wirkt bewusst breit und zugänglich, ohne beliebig zu werden, und passt sich dem Tages- und Jahresrhythmus an. In Kombination mit dem lichtdurchfluteten Souterrain und der markanten Architektur entsteht ein Restaurant, das weniger Trendsetter als beständige Institution sein will – und genau darin seine Stärke findet.

Vestibül

Universitätsring 2, 1010 Wien

Unter Christoph Schuch zeigt das Restaurant Vestibül eine Küche, die Wiener Klassiker nicht zitiert, sondern weiterdenkt. Auf der Karte stehen vertraute Gerichte mit eigenständiger Prägung: Wiener Schnitzel vom rosé Kalb, Krautfleckerl mit karamellisiertem Weißkraut oder Grammelknödel werden ebenso selbstverständlich serviert wie Kalbsschulterscherzel, Zanderfilet oder Flusswels mit Rüben und Zitrusaromen. Auffällig ist der souveräne Umgang mit regionalen Produkten und traditionellen Techniken, ergänzt durch zeitgemäße Akzente wie Koji, Bottarga oder fermentierte Komponenten. Auch die Vorspeisen – von Beef Tatar über Lachsforelle bis zu Wildschwein in feinen Scheiben – setzen auf klare Aromen statt dekorativer Effekte, während Desserts wie Powidltascherl oder Maroni-Bowl bewusst klassisch bleiben. Das Degustationsmenü verdichtet diese Linie zu einem strukturierten Gang durch die Küche des Hauses, begleitet von einer sorgfältig abgestimmten Weinauswahl. Insgesamt präsentiert sich das Vestibül kulinarisch als Ort, an dem Wiener Küche mit Respekt vor der Tradition, aber ohne Nostalgie gekocht wird – präzise, ruhig und handwerklich überzeugend.

Grand Hotel Wien

Unkai im Grand Hotel

Kärntner Ring 9, 1010 Wien

Das UNKAI zählt seit Jahren zu den konstanten Fixpunkten japanischer Küche in Wien. Im Mittelpunkt steht eine puristische, produktorientierte Linie, die den Eigengeschmack klar vor Technik oder Effekte stellt. Die Karte bildet die Vielfalt der japanischen Küche ab – von Sushi und Sashimi über warme Gerichte bis zu Teppanyaki, bei dem Fisch, Fleisch, Meeresfrüchte oder Gemüse direkt vor den Gästen zubereitet werden. Kurze Garzeiten, präzise Schnitttechniken und eine bewusste Reduktion auf wenige, hochwertige Zutaten prägen den Stil. Ergänzt wird das kulinarische Angebot durch eine außergewöhnliche Auswahl an Sake sowie Kirin-Bier vom Fass. Serviert wird wahlweise in klassisch-eleganter Restaurantatmosphäre oder in traditionellen Tatami-Räumen, die das Erlebnis um eine kulturelle Ebene erweitern. Das UNKAI versteht japanische Küche nicht als Trend, sondern als Handwerk – ruhig, konzentriert und auf beständige Qualität ausgerichtet, was auch die langjährige Auszeichnung mit zwei Hauben unterstreicht.

Motto am Fluss

Franz-Josefs-Kai 2, 1010 Wien

Das Motto am Fluss spielt seine Stärke als ganztägiger Stadt-Hotspot über zwei Ebenen aus: vorne Café und Terrasse, dahinter Restaurant und Bar – immer mit Blick aufs Wasser und einer Atmosphäre, die eher nach Szene als nach Steifheit schmeckt. Kulinarisch trifft österreichische Basis auf international gedrehte Akzente: vegetarische Hauptgerichte wie Harissa-Karfiol oder Safranrisotto (optional mit Jakobsmuscheln) stehen gleichberechtigt neben Beef Tatar, Kalbsschulterscherzel, Hirschragout oder Wiener Schnitzel, dazu eine auffallend fischlastige Linie mit Muscheln, Pulpo, Wolfsbarsch oder Dorade. Die Karte arbeitet mit deutlichen Aromen (Miso, Ponzu, Wasabi, Pimentón), bleibt aber in ihrer Struktur klassisch nachvollziehbar – Vorspeisen, Suppen, Fisch, Fleisch, Desserts. Bei den Beilagen wird’s „Motto“-typisch ein bisschen lässiger (Pommes mit Trüffelmayo und Grana), während die Desserts von Orangenkuchen bis Fondant wieder klar auf Patisserie-Handwerk setzen. Mindestens ebenso präsent ist die Getränkeseite: Spritz-Variationen, Negroni & Co., eine große Weinauswahl glasweise und flaschenweise (mit Schwerpunkt Österreich, aber nicht nur) – insgesamt ein Konzept, das weniger „Fine Dining“ sein will als ein stimmiges Gesamtpaket aus Aussicht, Drive und einer Karte, die breit aufgestellt ist, ohne beliebig zu wirken.

Émile

Schottenring 11, 1010 Wien

Das ÉMILE Restaurant & Bar positioniert sich als urbaner Allrounder zwischen Café, Bar und Restaurant – stilistisch inspiriert von den Goldenen Zwanzigern, kulinarisch bewusst zugänglich gehalten. Die Karte verbindet Wiener Klassiker mit internationalem Einschlag und moderner Handschrift: Wiener Rinderconsommé, Paprikahendl oder Original Wiener Schnitzel stehen gleichwertig neben Kürbis-Gnocchi, Winter Poke Bowl, Short Ribs oder Zanderfilet aus Österreich. Auch Burger und Bowls haben ihren fixen Platz, vegetarische und vegane Optionen sind selbstverständlich mitgedacht. Die Küche arbeitet saisonal, ohne sich dogmatisch festzulegen, und setzt auf bekannte Aromen in zeitgemäßer Kombination – etwa Beef Tatar mit Trüffelcreme oder Burrata mit Kürbis, Walnuss und Chili-Honig. Desserts wie Crème Brûlée, Strudel oder Valrhona-Karamell-Riegel bleiben klassisch, sauber ausgeführt. Ergänzt wird das Angebot durch eine breit aufgestellte Bar mit Cocktails, Spritz-Varianten und ausgewählten Weinen. Unter der Leitung von Maria Neculaescu versteht sich das ÉMILE weniger als Fine-Dining-Adresse denn als eleganter Treffpunkt für jede Tageszeit – souverän, unkompliziert und mit klarem Wien-Bezug.

Paul & Vitos

Petersplatz 11, 1010 Wien

Im Paul & Vitos wird der erste Bezirk spürbar lockerer. Die Küche denkt nicht in Gängen, sondern in kleinen Portionen, die sich teilen lassen – irgendwo zwischen Barfood, internationaler Bistroküche und Wiener Anklängen. Auf der Karte stehen Dinge, die man im 1010 nicht immer erwartet: Fish Taco, Korean Fried Chicken, Duck Bao oder grünes Curry treffen auf Rindertatar, geschmortes Kalbsschulterscherzel und eine Pho-Variante mit Tafelspitz. Vieles kommt mit Würze, Säure und Schärfe, ohne kompliziert zu wirken. Dazu eine auffallend breite Weinauswahl – von klassisch bis Natural –, ergänzt um eine Bar, die Negroni & Co. ernst nimmt. Paul & Vitos ist kein Ort für große Inszenierung, sondern für Abende, die sich entwickeln: ein Glas wird zwei, aus Snacks wird ein Tisch voller Teller. Genau diese Unverbindlichkeit macht das Lokal am Petersplatz zu einem jener Plätze im Ersten, an denen man eher bleibt als geplant.

Magazin

Riemergasse 14, 1010 Wien

Das MAGAZIN Restaurant positioniert sich im ersten Bezirk bewusst als Gegenentwurf zur modischen Neuerfindung der Wiener Küche. Hier wird nicht interpretiert oder dekonstruiert, sondern klassisch gekocht – mit Konsequenz und einem klaren Bekenntnis zur Tradition. Die Karte liest sich wie ein Kompendium der Wiener Wirtshausküche: Wiener Schnitzel vom Kalb, Zwiebelrostbraten, Tafelspitz im Topf, Fiakergulasch oder Backhendl stehen ebenso selbstverständlich darauf wie Innereiengerichte von Kalbsleber bis Hirn. Auch Vorspeisen und Suppen bleiben bodenständig, von Beef Tatar über Markknochen bis zur kräftigen Rindssuppe. Ergänzt wird das Angebot durch eine ausgeprägte Weinkompetenz: Das MAGAZIN ist Restaurant und Vinothek zugleich, mit umfangreicher Weinkarte und der Möglichkeit, Flaschen auch mitzunehmen. Kulinarisch setzt man hier auf Verlässlichkeit statt Überraschung, auf Handwerk statt Inszenierung – ein Ort, der im 1010 nicht auffallen will, sondern bleiben.