Unsere besten Restaurants im 20. Bezirk (Brigittenau)

Ina Dieringer

Zwischen Donau und Donaukanal zeigt Brigittenau, wie bodenständige Stadtbezirke essen: kurze Wege, klare Portionen, wenig Pose. Früh öffnen die ersten Bäckereien, mittags dominiert das schnelle Tellergericht, am Abend zieht es viele an den Kanal oder auf die Plätze. Die Lokale sind klein bis mittel, oft familiengeführt, häufig mit offenem Blick in die Küche oder direkt an den Tresen. Man merkt: Hier wird gekocht, um satt und zufrieden zu machen- ohne großes Drumherum, dafür mit verlässlicher Qualität.

Kulinarisch ist der Bezirk ein Mix aus Wiener Klassikern und Einflüssen aus vielen Herkunftsländern. Teige, Suppen, Eintöpfe, Gegrilltes- dazu immer öfter vegetarische und vegane Varianten. Vieles gibt es zum Mitnehmen, ebenso häufig bleibt man für einen Kaffee, ein Glas Wein oder ein Abendessen sitzen. Preislich bleibt es meist moderat, der Ton freundlich, die Auswahl breit genug, um spontan fündig zu werden. So entsteht ein Bild, das zur Brigittenau passt: unaufgeregt, zugänglich und ehrlich.

Zwischenbrückenwirt

Treustraße 27, 1200 Wien
©Zwischenbrückenwirt

Zwischen Donau und Donaukanal steht der Zwischenbrückenwirt für „Traditionelle Küche kreativ gekocht“ – eine ambitionierte Wirtshausküche mit großer Weinauswahl. Abends geöffnet, konzentriert sich das Lokal auf eine laufend wechselnde Karte, ergänzt um Klassiker der Wiener Küche.

Die Abendgerichte folgen dem saisonalen Marktangebot: von Wassermelone aus dem Ofen mit Schafskäse und Nüssen oder Gazpacho mit Chiligarnele über Rindsuppe, Beef Tatar und Crème brûlée von der Entenleber bis zu ausgelöstem Backhuhn in Kürbiskernpanier, Safraneierschwammerln mit gebratenem Ricotta-Serviettenknödel, geschmortem Kalbsbackerl oder Welsfilet mit Senf-Kapernsauce. Zum Schluss stehen Valrhona-Schokoladekuchen mit Vanilleeis, „Marille x 3“ oder Heidelbeertarte.

Mraz & Sohn

Wallensteinstraße 59, 1200 Wien
Spitzenkoch Lukas Mraz ©lisaedi

Das „family restaurant with no borders“ kocht Montag bis Freitag ausschließlich am Abend und zählt zu Wiens Spitzenadressen- geführt von Markus Mraz und seinen Söhnen Lukas und Manuel. Gekocht wird als Überraschungsmenü in vielen kleinen Gängen. Oft steht ein Hauptprodukt im Mittelpunkt, um das sich Variationen und Kontraste gruppieren: präzise, pointiert und ohne großes Zeremoniell. Diese Struktur hält den Abend in Bewegung und lässt Spielraum für saisonale Ideen, ohne die Handschrift des Hauses zu verlieren. Zur Küche passt eine Weinkarte von beachtlicher Breite: über 1.600 Positionen, dazu eine Weinbegleitung mit sieben Gläsern oder eine alkoholfreie Variante. Wer lieber selbst wählt, findet vom Klassischen bis zum Naturwein genügend Stoff für Entdeckungen.

Gastgarten mit historischem Gebäude und Brauerei. © Stöckl im Park

Le petit jeudi

Traunfelsgasse 1, 1200 Wien
(c) Le petit jeudi

Le Petit Jeudi bringt französische Bistro-Noten nach Brigittenau- mit klarer Herkunft: gekocht wird überwiegend mit österreichischen Zutaten, saisonalem Gemüse und Fleisch von heimischen Bäuer:innen. Der Tagesablauf ist bewusst weit gefasst: Brunch, Mittag, Dinner – unter der Woche bis in den Abend, am Wochenende vormittags und nachmittags. Hinter dem Konzept steht Inhaber Paul Schödl, der „Casual–Fine–Dining“ in den Morgen verlängert – oder, wie es hier heißt, „Casual–Fine–Brunching“. Das Ambiente bleibt modern und ungezwungen, dazu passt der Fokus auf gutes Essen mit einem Glas Wein.

Rakete

Karl-Meißl-Straße 1, 1200 Wien
Barchefin Julia in der Rakete ©Culinarius

Die Bar Rakete setzt auf entspannte Atmosphäre und einen Schanigarten für bis zu 30 Personen. Auf der Karte steht eine breite Auswahl an Getränken, dazu kleine Snacks und Flammkuchen. Das Hauptaugenmerk liegt klar auf der Getränkekarte: ausgesuchte, regionale Produkte sorgen für so manche Rarität. Österreichische Weine sind selbstverständlich. Ergänzt wird das Angebot durch regionale Schnäpse und Liköre mit klingenden Namen wie „Wiener Grant“ oder „Kalé“. Einige Cocktails und Longdrinks fehlen nicht- und für den Koffeinschub sorgt frisch gerösteter Kaffee aus der Espressomaschine.

Auch der kleine Hunger kommt nicht zu kurz: Serviert werden Köstlichkeiten, die an eine regionale Version von Antipasti erinnern. Entscheidend ist hier die Qualität- darauf legt man in der „Rakete“ größten Wert.

Xian

Rauscherstraße 17, 1200 Wien
(c)  F. Schmeiser

XIAN holt das ehemalige „Gasthaus zum Tausender“ aus dem Ruhestand und denkt es neu: als Teestube, Artspace und Sakebar in einem. Der Anspruch ist klar formuliert – ein asiatisch geprägter Ort, an dem Kunst, Kultur und Gastronomie parallel stattfinden. Ausstellungen, Performances und Lesungen laufen laufend; der Raum steht auch für private Zusammenkünfte und Feiern zur Verfügung.

In der Küche dominiert Asian Streetfood: Jiaozi, Jian Bing (Crêpe auf Kichererbsenbasis), Sichuan- und Shanghai-Noodles, Hong Shao Rou, Baozi, Xiao Long Bao und Zong Zi. Dazu eine kleine Snacklinie von Magic Chili über Sichuan Peanuts bis Spicy Tofu und Roasted Beans. Im Glas bzw. in der Kanne: chinesischer Tee und Sake; ergänzend werden Kaffee und steirische Weine ausgeschenkt. Take-away ist ausgewiesen. Das Ergebnis ist ein Hybrid aus Bistro und Kulturraum: ein unkomplizierter Rahmen für Dumplings, Nudeln und Tee mit der zusätzlichen Ebene eines kuratierten Programms, das regelmäßig wechselt und online angekündigt wird.