Constanze: die kleine Liebe Wien’s

Martin Reischauer

Es gibt Orte, die ihre Geschichte nicht groß ausstellen müssen. Sie ist einfach da. Am Petersplatz im ersten Wiener Bezirk zum Beispiel, wo Wolfgang Amadeus Mozart 1781 im damaligen Haus „Zum Auge Gottes“ lebte, Constanze Weber kennenlernte und gleichzeitig an seiner „Entführung aus dem Serail“ arbeitete. Mehr als 200 Jahre später bekommt diese Geschichte nun ein neues Kapitel – mit Kaffee, Patisserie, Champagner und ziemlich viel Wien.

Mit Constanze – a little love story eröffnet das Rosewood Vienna im Atrium des Hauses eine neue Café- und Tagesbar. Seit Mitte August läuft bereits eine erste Vorschau, am 4. September erfolgte die offizielle Eröffnung. Und auch wenn Mozart und Constanze bei der Namensgebung naturgemäß eine Rolle spielen: Ein historisches Themenlokal ist hier nicht entstanden. Zum Glück.

Vielmehr geht es um eine zeitgemäße Interpretation dessen, was Wien besonders gut kann: zusammensitzen, Kaffee trinken, etwas Kleines essen und aus einer kurzen Pause dann doch ein bisserl länger bleiben.

Kaffeehaus ohne große Zeremonie

Täglich von 7 bis 19 Uhr ist Constanze geöffnet – ohne Reservierungen und ohne klassischen Restaurantservice. Der Ort soll unkompliziert funktionieren: für den ersten Kaffee in der Früh genauso wie für eine süße Pause, ein spätes Mittagessen oder ein Glas Rosé am Nachmittag.

Auf der Karte stehen Kaffeespezialitäten, Patisserie, kleine Gerichte, österreichische Weine und Champagner. Wer gerade keine Zeit zum Sitzen hat, bekommt Kaffee und Kleinigkeiten auch zum Mitnehmen.

Das klingt zunächst simpel. Ist es im besten Sinn auch. Denn nicht jeder gastronomische Moment braucht ein Menü, vier Gänge und einen Anlass. Manchmal reicht ein guter Espresso an einem schönen Platz. Und manchmal wird daraus dann eben doch Champagner.

Wiener Kaffee mit eigener Mischung

Beim Kaffee bleibt Rosewood Vienna einem Partner treu, der ebenfalls tief in der Stadt verwurzelt ist. Die Naber Kaffee Manufaktur hat eigens für Constanze eine eigene Mischung entwickelt, die auch für zu Hause erhältlich ist.

Naber röstet seit 1908 traditionell in der Trommel und verbindet unter Marco Salvatori italienische Espressokultur mit Wiener Kaffeetradition. Das passt recht gut zu einem Ort, der das klassische Kaffeehaus nicht kopieren, sondern ein Stück weiterdenken möchte.

Auch beim Wein wird die regionale Linie fortgeführt. Das Weingut Bernhard Ott aus dem Wagram ist mit seinem Rosalie Rosé vertreten, für Constanze sogar mit eigenem Etikett.

Und dann gibt es noch jene Kombination, die wahrscheinlich schneller im Gedächtnis bleibt als so manch elaborierter Gerichtname: „Perlen vor die Säue“. Gemeint ist eine Wiener Beinschinkensemmel mit Champagner.

Ein bisserl frech, ein bisserl elegant – und vor allem nicht so bemüht, wie die Kombination auf dem Papier vielleicht klingen könnte.

Geschichte, aber ohne Museum

Auch gestalterisch wird die Vergangenheit des Hauses nicht einfach dekorativ an die Wand gehängt. Das Wiener Studio Kroenland, das bereits die Neue Hoheit im Rosewood Vienna gestaltet hat, hat das doppelgeschossige Atrium rund um die zentrale Bar weiterentwickelt.

Historische Ansichten und Postkarten des Petersplatzes aus einer privaten Sammlung treffen dort auf zeitgenössische Kunst. Der Wiener Künstler Rudolf Fitz steuert eine eigens für Constanze geschaffene Arbeit bei und erweitert damit die bestehende Kunstsammlung des Hauses.

So entsteht ein Raum, der sich seiner Geschichte bewusst ist, ohne dauernd darauf hinzuweisen. Das ist vermutlich die angenehmste Art, mit einem Ort umzugehen, an dem Mozart tatsächlich gelebt hat.

Die Story ist stark genug. Man muss sie nicht zusätzlich vergolden.

Ein neuer Treffpunkt mitten in Wien

Mit Constanze erweitert Rosewood Vienna sein gastronomisches Angebot um einen Ort, der bewusst zwischen Hotel und Stadt vermitteln will. Nicht nur für Gäste des Hauses, sondern genauso für Wienerinnen und Wiener, die am Petersplatz vorbeikommen und auf einen Kaffee, etwas Süßes oder ein Glas Wein bleiben.

Und vielleicht ist genau das die schönste Verbindung zur Geschichte dahinter.

Wo Mozart einst Constanze begegnete, sollen wieder Begegnungen stattfinden. Natürlich weniger dramatisch, vermutlich auch mit weniger Oper. Dafür mit Kaffee, Beinschinkensemmel und Champagner.

Kann in Wien ja ebenfalls der Anfang einer kleinen Liebesgeschichte sein.

Fotocredits: (c) Rosewood

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