Nach einigen Jahren Pause eröffnete die einstige Filmbar nun mit neuem Konzept und neuem Betreiber als “Piccolina”. Genuss-Autor Marko Locatin war auf Toast & Negroni.
Kurze Vorgeschichte: Das ursprüngliche Film-Buffet erfuhr anno 2008 durch Architektin Gabu Heindl ein schwarz in schwarz gehaltenes Interieur mit einem Barbereich und vier Nischen. “Drei Fenster zum Platz” kommunizierten mit dem Außen. Unter Ägide des preisgekrönten Filmausstatters Andreas Donhauser (u.a. für Ulrich Seidl und Martin Sturminger) entwickelte sich dieser “dritte Ort” zu einem “ersten Ort” der heimischen und internationalen Filmszene. Zeitweise mit DJs (oft mit dem Autor dieser Zeilen). 2019 gab Donhauser die Bar ab. Es folgten zwei unrühmliche Intermezzi, ehe nach längerem Umbau ein echter Profi einzog.
Schwarz war gestern
Unser Vorbild war die legendäre Bar “Camparino” in Mailand. So gibt es auch alle Spirituosen, die mit Campari, Negroni und deren Varianten zu tun haben. Wodka gibt es bei uns nicht!
Manfred Stallmajer
Stallmajer, Master-Mind hinter dem Hotel Josefine, Cafe Prückel & The Guesthouse, bespielt sein jüngstes Baby mit italienischem Retro-Charme der 50-er und 60-er Jahre. Da ist der gegossene Terrazoboden, Stucco Veneziano ziert die Wände, schwarzer Marmor und Campari-Flaschen die Bar, ein rechteckiger Spiegel erweitert den Horizont. Zwei schwarze Nischen blieben im Bereich des Kinos erhalten, die anderen zwei, etwas erweitert und passend neu gestaltet, fügen sich mit hellbrauner Lederausstattung nahtlos ins neue Ambiente ein.

Helle Freude macht auch das Angebot an Speis & Trank. Klassische Campari-Drinks bilden die neue “Signatur.” Wie in Italien werden dazu Oliven (gefüllt auch mit Pfirsich!) und Chips gereicht. Chips dienen hier nicht, wie oft Usus, der billigen Gaumenanimation – weil zum Salzigen das Flüssige muss – nein, es gilt vielmehr eine Unterlage zu schaffen für die erwachsenen Drinks. Stichwort: Negroni.
Ebenfalls “erwachsen” präsentiert sich der Kaffee von Naber, süffig das Bier der unabhängigen Italo-Brauerei Menabrea. Auf gleichem Niveau spielen die Snacks. Schinken-Käse Toast mit Wasabi Creme und getrockneten Tomaten oder Focaccia mit Wildbrokkoli Creme (je 11 Euro).

Fazit
Stilsicherer Neustart der legendären Filmbar. Was gestern schwarz und düster war, ist jetzt hell und freundlich. Die Bar soll laut Betreiber Stallmajer “eigenständiger”, aber doch mit Bezug zum Kino funktionieren. Deshalb taufte er sie auch “Die kleine Filmbar”. Campari (und Select) und Verwandte ist hier Thema. Kaffee (Naber, Triestiner Röstung) Drinks & Snacks spielen in der Champions League – der Gastgarten wurde ebenfalls aufgewertet.
Dass von Stallmajers formidabler gegenüberliegender Brasserie The Guesthouse noch Beef-Tatar (16,50) sowie Fingerfood-Schnitzel vom Kalb (19 Euro) auf dem Programm stehen, ist eine willkommene Zugabe. Ach ja: zwei Technics plus Mini-Mischpult haben auch noch Platz gefunden.
Piccolina Filmbar
Augustinerstraße 1
1010 Wien
Mail: ciao@piccolinafilmbar.at
Tel: 01 2952573
Marko Locatin, Autor dieses Artikels, war u.a. 10 Jahre Chef vom Dienst von FORMAT. Einige Jahre schrieb er dort auch die Branchenseite Werbung & PR, sowie die letzte Seite des Wirtschaftsmagazins – sie drehte sich um Außenpolitik. Seither arbeitete der Cineast und passionierte Schachspieler u.a. als Chef-Redakteur von Gastro News Wien, sowie selbstständiger Autor für den Falstaff-Verlag, das CP-Magazin vom SPAR Griaß Di, den Manstein-Verlag und die Plattform KalkundKegel. Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com












