Lojze Wieser ist Verleger, Kulturvermittler, Denker, Gastrosoph und Gestalter des ORF-Formats “Der Geschmack Europas”. Genuss-Autor Marko Locatin plauderte mit dem preisgekrönten Buchautor bei Wein, Salami und feinem Essen.
Im Strandbad am Wörthersee herrscht an diesem Vormittag im Frühsommer noch beschauliche Ruhe. Der See funkelt karibisch, das Hirter funkelt auch, aber nicht karibisch. Ich warte auf Lojze Wieser, nutze die Zeit für einen Sprung ins kühle Nass, komme erfrischt an den Steg, wo Wieser mich bereits erwartet. “Wusstest Du, dass Wörthersee eigentlich Weidensee wortwörtlich bedeutet?”, stellt er die erste Frage? Wusste ich nicht. “Vrbsko jezero – vrba ist Slowenisch die Weide, denn es gab viele Trauerweiden um den See herum, noch vor hundert Jahren.” Wieder etwas gelernt und von Wieser kann man viel lernen, doch ab nun stelle ich die Fragen.
Ich gratuliere herzlich zur Auszeichnung Deines 2025 erschienenen Buches „Geschmackshochzeit 4 – Die Vermählung von Alpen und Adria” über die “Tage der Alpen-Adria-Küche”. Wie kam’s?
Als wir die Tage der Alpen-Adria-Küche begründet haben wollten wir etwas Nachhaltigen schaffen. Mein Dank gebührt hier besonders dem “Erfinder” dieser Initiative Helmuth Micheler, der auch im 9. Jahr täglich dafür unterwegs ist. Zu den 8. Tagen kam dann das vierte Buch. Jedes Jahr ein Buch wär mir da ja zu anstrengend zu meinen sonstigen Aktivitäten (lacht). Über die Auszeichnung als “Buchweltmeister” freu’ ich mich natürlich.
Neben den regionalen Produzenten geht es im Buch auch um TCM (Traditionelle chinesische Medizin). Handelt es sich da um eine gar übersinnliche Verbindung?
Es geht im Kern um das Gleiche. Was unserer Großmütter noch intuitiv beherrschten, wurde in China umfassend erforscht und schon vor Jahrtausenden niedergeschrieben. Die Lehre von Kräutern oder Rezepturen, die das Immunsystem stärken, fußt auf ähnliche Prinzipen, doch freilich auf unterschiedliche Rezepturen.
Okay, aber wie kommst Du zu TCM?
Weniger kam ich zu TCM, aber zur Traditionellen Europäischen Medizin. Als Sechzehnjähriger litt ich unter Gastritis. Meine Großmutter machte mir eine Kräutermischung und weg war sie, die Gastritis.
Verrätst Du das Rezept?
Sehr gerne. Löwenzahnwurzel, Anis, Wermut und Fenchel werden gemahlen und in Wasser gelöst. Ein Teelöffel vor dem Essen hilft. Ich mach das bis heute oft so…
Langsam wird es heiß am Steg. Wir nehmen sein Auto in die Stadt Klagenfurt, er kündet verschmitzt, er kenne da einige (so geht Understatement) kühle Plätze. Kurz darauf stehen wir in einem der zahlreichen liebevoll begrünten Innenhöfe – Im “Zomstehn”. Drinnen: Gewölbig, Holztische, Bilder, ein echter Wohlfühlort. Igor, Kärntner Slowene, enger Freund und Mitinitiator der Tage der Alpen-Adria-Küche trägt großzügig Käse aus Kärnten, Salami, göttlichen Bauchspeck und ebensolchen Cabernet Franc (großartig!) auf. Wieser greift sich ein Stück „Himmel“, schließt einige Sekunden die Augen, um sich solcherart “erleuchtet” erneut seinem Gegenüber zu widmen.

Die Speisen gerade spiegeln die Idee der Region wider, finde ich….
Ja, es geht uns darum zu vermitteln, welche Produkte und Rezepturen sich in der er Region durchgesetzt haben.
Was ist eigentlich die Essenz, welche Idee steckt hinter der Alpen Adria Küche?
Mit Verweis auf sein Buch zitiert er: Der Alpen-Adria-Raum ist jener, indem der Nationalismus und sein Gegenmittel, der Humanismus und die Achtung von Würde und Menschenrechte ihre Bestimmung finden. War der Nationalismus über Jahrzehnte bestimmend ist in ihm auch das Gemeinsame, sind die Kulturräume entstanden, die in der besonderen sprachlichen Ausformung den individuellen Ausdruck finden.
Es ist also eine (gelungene) Initiative einer Region mit seiner schwierigen Vergangenheit eine lebensbejahende gemeinsame Gegenwart, ja Zukunft zu schaffen. Verstehe ich das richtig?
Ich würde es so ausdrücken: Eine Gegend, die gelernt hat, aus Hass zur Achtung und Würde überzugehen. Das mag zwar 100 Jahre gedauert haben aber es zeigt, dass es geht, wenn man nur will. Dazu tragen Kultur, Literatur und die Tage der Alpen-Adria-Küche bei.
Ein Schönes Schlusswort. Danke, lieber Lojze Wieser für das Gespräch und Alles Gute für dieses und für künftige Projekte!
Infos
Buch: Lojze Wieser, Geschmackshochzeit 4 – Die Vermählung von Alpen und Adria (3-sprachig in Deutsch, Slowenisch, Italienisch, erschienen im Wieser Verlag, Herausgeber: Kärtner Tourismusverband).
Lojze Wieser persönlich:
15.9. 2026: Landgasthof Klagenfurt (Küchenchef Patrick Feichter): Geschmacksarchäologie 2026 “Fluss – Bach – Teich – See”
19.11. 2026: Der Tschebull am Faaker See/Baško jezero: Wirt Hannes Tschemernjak, Martin Kušej und Lojze Wieser
entführen die Gäste im Rahmen von ‘Culinaire L’Evrope’ nach Triest und auf den Karst
Alpe-Adria-Woche: 23. – 27. Juli 2026
Tage der Alpen-Adria-Küche: 4. – 20. September in Klagenfurt
www.kärnten.at
https://www.visitklagenfurt.at/de/












