Neueröffnung Café Bloom

Ina Dieringer

Mit dem Bloom wollen Tamar Morali-Tober, Ben Tober und zwei weitere Partner, die ebenfalls Eltern sind, in Wien ein Café eröffnen, das sich bewusst keiner Schublade zuordnen will. Das Pre-Opening ist für Ende Juli geplant, kurz darauf soll – wenn alles nach Plan läuft – die offizielle Eröffnung folgen. Kein klassisches Familiencafé, aber auch kein Ort nur für Erwachsene. Stattdessen soll hier zusammenkommen, was im Alltag oft getrennt wird: guter Kaffee, hochwertige Küche, stilvolles Ambiente – und Kinder, die ganz selbstverständlich dazugehören. Hinter dem gemeinsamen Projekt steckt keine spontane Geschäftsidee, sondern ein Bedürfnis, das die Gründer:innen über Jahre begleitet hat.

Ein Café ohne Schubladen

„Wir wollten nie ein Café gründen, das nur für eine bestimmte Zielgruppe da ist“, sagt Tamar. „Das Leben lässt sich schließlich auch nicht in eine Kategorie einteilen. Warum sollte das bei einem Café anders sein?“ Genau daraus entstand die Grundidee von Bloom. Man müsse sich hier nicht entscheiden zwischen Genuss oder Familie, Ästhetik oder Funktion, Ruhe oder Lebendigkeit. „Wir möchten einen Ort schaffen, an dem all das Platz hat und sich jeder willkommen fühlt – ganz egal, in welcher Lebensphase man gerade ist. Modern, hochwertig, entspannt und vor allem echt.“

Genau deshalb soll Bloom mehr sein als ein Café für den schnellen Kaffee zwischendurch. Vom ersten Espresso am Morgen über frische Speisen zu Mittag bis hin zum Aperitivo am Abend soll sich das Konzept durch den gesamten Tag ziehen. „Wir haben unser Café so gestaltet, wie wir uns selbst ein Café wünschen würden“, erklärt Tamar. „Ob man nur kurz etwas mitnimmt oder bewusst Zeit verbringt – Bloom wird sich dem Alltag anpassen und nicht umgekehrt.“ Qualität sei dabei nie verhandelbar gewesen. Der Kaffee werde nach einer eigenen Zusammenstellung geröstet, die Speisen frisch zubereitet. „Alles, was wir machen, soll sich einfach und unkompliziert anfühlen.“

Mindestens genauso viel Arbeit wie in Kaffee und Küche sei allerdings in das Gesamtkonzept geflossen. „Bei uns ist nichts zufällig entstanden. Hinter jedem Bereich, jedem Ablauf und jedem Detail stecken viele Monate voller Überlegungen.“ Immer wieder hätten sie sich gefragt: „Was brauchen Menschen heute wirklich? Nicht nur heute oder weil es gerade im Trend ist, sondern auch noch in vielen Jahren.“ Denn Trends kämen und gingen. „Wir wollten einen Raum schaffen, der bleibt.“ Wie dieser im Detail aussieht, möchten Tamar und Ben allerdings noch nicht verraten. „Café Bloom soll man nicht erklärt bekommen, man soll es erleben.“

Die Idee entstand im Familienalltag

Die Idee entstand nicht am Schreibtisch, sondern mitten im eigenen Alltag. Tamar und Ben waren schon immer leidenschaftliche Cafébesucher. „Es gehört einfach zu unserem Leben dazu, neue Orte zu entdecken, Zeit mit Freunden zu verbringen oder einfach ein paar Stunden irgendwo anzukommen.“ Mit den eigenen Kindern habe sich der Blick jedoch verändert. Plötzlich seien ständig Kompromisse nötig gewesen. „Entweder war das Café schön, aber für Kinder ungeeignet. Oder es war auf Kinder ausgelegt, dafür mussten wir beim Essen, bei den Getränken oder beim Ambiente Abstriche machen.“ Irgendwann sei daraus eine ganz einfache Frage entstanden: „Warum gibt es eigentlich keinen Ort, an dem beides selbstverständlich zusammengehört?“

Einen einzelnen Schlüsselmoment habe es nie gegeben. „Eigentlich war es kein einzelner Moment. Es war vielmehr ein Gefühl, das uns über Jahre begleitet hat.“ Immer wieder hätten sie festgestellt, dass ihnen genau jener Ort fehlte, an dem sich die ganze Familie gleichermaßen wohlfühlt. „Mit der Zeit wurde uns klar, dass wir gar nicht nach dem perfekten Café gesucht haben. Wir haben nach einem Ort gesucht, der zu unserem Leben passt. Und als wir gemerkt haben, dass es diesen Ort für uns nicht gibt, entstand die Idee für Bloom.“

Kein Kindercafé – sondern ein Café für alle

Dabei legen die Betreiber großen Wert darauf, Bloom nicht als Kindercafé verstanden zu wissen. „Der Unterschied liegt für uns im Fokus“, sagt Tamar. „Bloom ist ein Café, in dem Genuss, Qualität und Atmosphäre genauso wichtig sind wie ein Ort, an dem Kinder ganz selbstverständlich ihren Platz haben.“ Erwachsene und Kinder müssten ihrer Ansicht nach nicht voneinander getrennt werden. „Wir glauben, dass Erwachsene und Kinder dieselben schönen Momente teilen können. Gemeinsam essen, Zeit miteinander verbringen, sich austauschen und einfach den Alltag genießen. Dafür braucht es keinen getrennten Raum, sondern einen Ort, der an alle denkt.“

Kinder hätten selbstverständlich andere Bedürfnisse als Erwachsene. Sie müssten sich bewegen, entdecken und kreativ sein können. Genau dafür hätten die Betreiber etwas entwickelt, auf das sie „unglaublich stolz“ seien. Mehr wollen sie vor der Eröffnung aber bewusst noch nicht verraten. „Wir wünschen uns, dass unsere Gäste es selbst entdecken und erleben.“ Denn im Mittelpunkt stehe ohnehin etwas anderes. „Am Ende geht es uns nicht darum, Eltern eine Pause von ihren Kindern zu ermöglichen. Es geht darum, gemeinsame Zeit schöner zu machen. Genau dieses Miteinander ist das Herz von Bloom.“

Dass sich dort sowohl Familien als auch Gäste ohne Kinder wohlfühlen sollen, sehen Tamar und Ben nicht als Widerspruch. Im Gegenteil. „Wir glauben, indem wir gar nicht in diesen Kategorien denken.“ Bloom sei weder als Familiencafé noch als Café ausschließlich für Erwachsene geplant worden. „Wir wollten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen wohlfühlen – unabhängig davon, ob sie mit Kindern, Freunden oder alleine kommen.“ Deshalb sei auch die Raumgestaltung bewusst so gewählt worden, dass jeder seinen Platz finden könne. „Es gibt Bereiche, in denen man sich zurückziehen kann, und andere, in denen mehr Leben ist. So kann jeder Bloom auf seine eigene Art erleben.“ Genau das mache für sie ein gutes Café aus: „Dass unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Dass Kinder ganz selbstverständlich dazugehören und sich trotzdem jeder willkommen fühlt.“

Kinder gehören dazu

Für Tamar und Ben spiegelt Bloom auch einen gesellschaftlichen Wandel wider. „Wir glauben gar nicht, dass wir es verlernt haben. Vielleicht haben wir es einfach nie richtig gelernt“, sagt Tamar auf die Frage, ob Kinder heute noch selbstverständlich zum öffentlichen Leben dazugehören. Die Art zu leben habe sich verändert. „Wir verbringen viel mehr Zeit außer Haus, treffen Freunde spontan, arbeiten flexibler und möchten unseren Alltag gemeinsam erleben. Da gehören Kinder ganz selbstverständlich dazu.“ Gleichzeitig habe man oft das Gefühl, sich zwischen Orten entscheiden zu müssen, „die für Erwachsene gemacht sind, und Orten, die nur auf Kinder ausgerichtet sind“. Genau diese Trennung wolle Bloom hinterfragen. „Wir sind überzeugt: Wenn Kinder einen Raum haben, der ihren Bedürfnissen gerecht wird, entsteht ganz automatisch mehr Entspannung für alle. Dann können Kinder Kinder sein und Erwachsene den Moment genauso genießen.“ Wie sie das umgesetzt haben, bleibt bis zur Eröffnung noch geheim. Nur so viel verrät Tamar: „So etwas habt ihr in dieser Form noch nicht gesehen.“

Dass Bloom auch ein Statement gegen die zunehmende Trennung verschiedener Lebenswelten ist, sehen die Betreiber durchaus so. „Ein Stück weit schon“, sagt Tamar. „Wir wünschen uns Orte, die Menschen zusammenbringen und nicht voneinander trennen.“ Schließlich befinde sich jeder Mensch in einer anderen Lebensphase. Manche kämen mit Freunden, andere mit ihren Kindern, manche arbeiteten bei einem Kaffee, andere wollten einfach einen ruhigen Moment genießen. „Für uns gehört all das ganz selbstverständlich zusammen.“ Deshalb wollten sie einen Treffpunkt schaffen, „der niemanden ausschließt und sich nicht an eine einzige Zielgruppe richtet“ – egal ob für einen Coffee to go, den Brunch mit Freunden, einen Nachmittag im Schanigarten oder einen entspannten Aperitivo am Abend. „Am Ende ist uns gar nicht wichtig, für wen Bloom gedacht ist. Uns ist wichtig, dass sich jeder willkommen fühlt, gerne bleibt und immer wieder zurückkommt.“

Genuss von früh bis spät

Auch die Speisekarte folgt diesem Gedanken. Tamar und Ben essen selbst „unglaublich gerne gemeinsam“. „Für uns gehört gutes Essen einfach zu den schönsten Momenten – man sitzt zusammen, teilt, probiert und bleibt oft länger, als man eigentlich geplant hatte.“ Genau dieses Gefühl wollten sie auf Bloom übertragen. Serviert werden frische Bagels, Brote und kleine Gerichte, „die den ganzen Tag über passen und die man gerne miteinander genießt“. Statt einer möglichst großen Auswahl setzen die Betreiber bewusst auf Qualität. „Wir wollten keine riesige Speisekarte mit unzähligen Gerichten, sondern eine Auswahl, hinter der wir zu hundert Prozent stehen.“ Alles werde frisch zubereitet und „mit viel Liebe gemacht“. Denn: „Wir glauben, dass gutes Essen nicht kompliziert sein muss. Oft sind es die einfachen Dinge, die in Erinnerung bleiben – vor allem wenn die Qualität stimmt und man sie mit Menschen genießt, die einem wichtig sind.“

„Fast wie ein zweites Wohnzimmer“

Auch bei der Speisekarte gelte derselbe Grundsatz wie beim gesamten Konzept. „Für uns bringt gutes Essen Menschen zusammen und genau das war unser Ausgangspunkt.“ Frische Zutaten, hochwertige Produkte und Gerichte, „die Erwachsenen genauso gut schmecken wie Kindern“, seien wichtiger als möglichst viele Optionen. Einige Besonderheiten haben Tamar und Ben ebenfalls vorbereitet – verraten wollen sie diese aber noch nicht. „Unsere Specials bleiben aber vorerst noch unser kleines Geheimnis. Ein bisschen Vorfreude gehört schließlich auch dazu.“ Ihr größter Wunsch ist ohnehin ein anderer: „Wir wünschen uns, dass Bloom ein Ort wird, an den man immer wieder gerne zurückkommt. Fast wie ein zweites Wohnzimmer – mit gutem Essen, schönen Gesprächen und einer Community, die sich hier zuhause fühlt.“

Nordbahnstraße 15, 1020 Wien

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