Ratschen-Rettung im Südburgenland

Lilli Wermuth

© Ratschen

Die beliebte Ratschen bekommt einen Neustart. Und dafür kommt Verstärkung aus Bayern. Die Familie Lindner, die über das Weingut Groszer Wein ohnehin schon eng mit dem Eisenberg verbunden ist, übernimmt das Traditionshaus samt preisgekrönter Wohnothek. Was euch dort künftig erwartet? Wir haben mit Veronika Lindner über den Neustart gesprochen.

Im Südburgenland steht bald alles auf Entschleunigung. Die einzigartigen Ratschen in Deutsch Schützen werden nach der Insolvenz von der bayerischen Lindner Group übernommen. Mit im Gepäck: jede Menge Erfahrung in der Hotellerie und Gastronomie und mit Groszer Wein bereits eine ziemlich enge Verbindung zum Eisenberg.

Ab Mitte Oktober 2026 soll sich dort wieder etwas tun: Die ersten der 25 Bungalows der Wohnothek öffnen, genauso wie das neue Restaurant „Ratschen | Groszer Wein“. Statt Haubenküche steht zunächst unkompliziertes, gutes Essen mit südburgenländischem Einschlag auf dem Plan – also genau der Ort, an dem man nach einer Runde durch die Weinberge gern einkehren möchte.

Interview mit Veronika Lindner

Über die persönliche Verbindung mit der Region, Herausforderungen eines solchen Projekts und kulinarische Pläne haben wir mit Veronika Lindner von der Lindner Group im Interview gesprochen.

Sie kommen aus Bayern und haben mit der Ratschen ein Stück Südburgenland übernommen. Was hat diese Region mit Ihnen persönlich gemacht?

Veronika Lindner: Als wir 2020 ins Südburgenland gekommen sind, kannte ich diese wunderschöne Gegend nicht. Unsere Familie hat das Weingut Groszer Wein übernommen und so haben wir die Region, die Menschen und natürlich den Eisenberg über die Jahre immer besser kennengelernt.

Man spürt schnell, dass Wein, Landschaft und gastliche Herzlichkeit hier zusammengehören.

Veronika Lindner, Lindner Group

Mich begeistert die Mischung aus Ursprünglichkeit, Ruhe und einer gewissen Eigenwilligkeit. Hier ist es nicht laut oder inszeniert – und genau das gefällt mir. Wir wurden vom ersten Tag an sehr herzlich aufgenommen und schätzen die Ehrlichkeit dieser Region. Ich fühle mich sehr wohl, wann immer ich dort bin. Man spürt schnell, dass Wein, Landschaft und gastliche Herzlichkeit hier zusammengehören. Ohne Groszer Wein wären wir wohl nie so intensiv mit dem Südburgenland in Berührung gekommen – und ohne diese Verbindung hätten wir uns gewiss auch nicht für die Ratschen entschieden.

Die Wohnothek erwartet ihre Gäste ab Mitte Oktober mit Kulinarik, Wellness und Entschleunigung. |© Ratschen

Sie übernehmen einen Betrieb nach einer Insolvenz und wollen ihn neu beleben. Was macht Ihnen dabei am meisten Respekt?

Veronika Lindner: Respekt haben wir vor allem davor, einem Ort gerecht zu werden, mit dem viele Menschen Erinnerungen und Erwartungen verbinden. Die Ratschen war für die Region über viele Jahre etwas Besonderes. Wir wollen deshalb nicht einfach alles neu erfinden, sondern zuerst verstehen, was gut war und was die Menschen hier vermisst haben.

Natürlich ist ein Neustart nach einer längeren Schließung auch wirtschaftlich und organisatorisch eine Herausforderung. Wir brauchen ein gutes Team, müssen Vertrauen zurückgewinnen und Schritt für Schritt wieder Leben in den Betrieb bringen. Gleichzeitig macht genau das auch den Reiz für uns aus. Wir sind seit vielen Jahren in Hotellerie und Gastronomie tätig und wissen, dass gute Häuser nicht nur aus schönen Gebäuden und besonderer Lage bestehen, sondern vor allem aus Menschen, die gerne Gastgeber sind.

Was soll ein Aufenthalt in der neuen Ratschen bei Ihnen auslösen – und was sollen die Gäste mit nach Hause nehmen?

Veronika Lindner: Im besten Fall Entschleunigung.

Die Wohnotheken liegen mitten zwischen Weinbergen, Wald und Natur. Unsere Gäste sollen morgens aufwachen, hinausschauen und das Gefühl haben, für ein paar Tage den normalen Rhythmus loszulassen. Wir möchten keinen künstlichen Luxus schaffen. Der Luxus hier ist für mich die Ruhe, die Landschaft, ein gutes Glas Wein, gutes Essen und gemeinsame Zeit. Mein Mann und ich haben hier schon wunderschöne Wanderungen und Radtouren gemacht. Das kann ich jedem nur wärmstens empfehlen.

Der Luxus hier ist für mich die Ruhe, die Landschaft, ein gutes Glas Wein, gutes Essen und gemeinsame Zeit.

Veronika Lindner, Lindner Group

Wenn unsere Gäste nach Hause fahren und sagen: „Da fahre ich wieder hin, weil es mir dort einfach gut gegangen ist“, dann haben wir sehr viel richtig gemacht. Und vielleicht nehmen sie neben ein paar Flaschen Wein auch ein kleines Stück Lebensgefühl des Südburgenlands mit.

Worauf dürfen wir uns kulinarisch im neuen Ratschen-Restaurant freuen?

Veronika Lindner: Zum Start wollen wir es bewusst unkompliziert halten. Es wird eine kleine Karte mit Gerichten aus dem Südburgenland und der Region geben, ehrlich gekocht, mit guten Produkten und bodenständig.

Uns ist wichtig, dass unsere Gäste gerne und regelmäßig zu uns kommen: als Gast der Wohnothek genauso wie als Nachbar aus der Region. Natürlich wird Wein eine große Rolle spielen. Allen voran unser eigener Wein Groszer Wein, aber auch die vielen hervorragenden Winzer rund um den Eisenberg. Essen und Wein sollen hier ganz selbstverständlich zusammenspielen.

Wir werden die Ratschen Schritt für Schritt entwickeln. Wenn wir merken, dass die Nachfrage da ist, können wir uns für die Zukunft auch wieder mehr vorstellen. Aber zuerst möchten wir einen Ort schaffen, an dem man sehr gut essen und trinken kann und wo man einfach gerne ist.

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