Das älteste Wohnzimmer am Ring

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Am 1. Oktober wird in Österreich der Tag des Kaffees gefeiert. Ein guter Anlass für einen Besuch in einem Haus, in dem Kaffee seit mehr als 160 Jahren zum Alltag gehört: Im Café Schwarzenberg am Wiener Ring treffen Melange und kleiner Brauner auf Stammgäste, Zeitungskultur und ziemlich genaue Rituale. Betriebsleiter Christian Pannosch erklärt, warum ein echtes Wiener Kaffeehaus für ihn vor allem eines sein muss: ein zweites Wohnzimmer.

Österreich und Kaffee, das ist eine Beziehung mit Tradition. Am 1. Oktober stellt der Österreichische Kaffee- und Teeverband das Getränk mit dem „Tag des Kaffees“ wieder einen Tag lang ins Zentrum. 

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Dass Kaffee hierzulande mehr ist als ein schneller Koffeinkick, zeigen auch die Zahlen. Laut Wirtschaftskammer trinken die Österreicher:innen durchschnittlich 2,6 Tassen pro Tag beziehungsweise rund 162 Liter Kaffee pro Jahr. Und einige davon, ganz sicher im Kaffeehaus.

Seit 1861 am Ring

Einer der Orte, an denen die österreichische Beziehung zum Kaffee besonders lange gepflegt wird, ist das Café Schwarzenberg. 1861 eröffnet, bezeichnet es sich als ältestes noch bestehendes Ringstraßencafé Wiens. Ursprünglich eröffnete das Ehepaar Hochleitner das Lokal.

Herbert Fuchs (Geschäftsführung GOURMET), Christian Pannosch (Betriebsleiter Café Schwarzenberg) und Stephan Glas (Leitung Restaurants und Kulturstätten bei GOURMET beim 165. Jubiläum © GOURMET

Mehr als 160 Jahre später gehören internationale Zeitungen, Wiener Küche, Mehlspeisen und klassische Kaffeespezialitäten noch immer zum Angebot. Verändert hat sich das Haus trotzdem, erzählt Betriebsleiter Christian Pannosch: „Unser Angebot wurde erweitert: Eine noch größere Auswahl an Kaffeespezialitäten und Torten lädt zum Genießen ein.“ Die Identität sei dagegen dieselbe geblieben: persönlich, gemütlich und mit viel Herz.

Melange, Verlängerter und ganz eigene Rituale

Welche Kaffees heute am häufigsten über den Tresen gehen? Bei aller Auswahl bleibt die Antwort erstaunlich klassisch: Melange und Cappuccino sind laut Pannosch die häufigsten Bestellungen.

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Fast noch mehr als die Bestellung selbst gehören für ihn aber die Gewohnheiten der Stammgäste zum Kaffeehaus. Einer von ihnen kommt von Montag bis Freitag zum Wiener Frühstück. Meist gibt es zwei Semmeln, manchmal eine Semmel und eine Scheibe Schwarzbrot. Der Kaffee darf allerdings keinesfalls gleichzeitig kommen. Erst wird das Ei gegessen und die Semmel mit Marmelade bestrichen, dann folgt der Kaffee.

„Es sind diese kleinen, persönlichen Gewohnheiten, die ein Kaffeehaus so besonders machen“, sagt Pannosch.

„Man kennt seine Gäste, ihre Wünsche und ihre kleinen Rituale.“

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Er selbst trägt zum österreichischen Kaffeekonsum übrigens ordentlich bei: Zwischen drei und sechs doppelte Espressi mit einem Schuss kalter Milch trinkt der Betriebsleiter nach eigener Aussage pro Tag.

Mehr als Kaffee und Torte

Seit fast 20 Jahren arbeitet Pannosch in Kaffeehäusern. Entsprechend klar ist seine Vorstellung davon, was Wiener Kaffeehauskultur ausmacht. Es ist nicht nur der Kaffee, sondern das Gesamtbild: der Duft, das Geräusch der Kaffeemaschine, Gespräche und Diskussionen an den Nebentischen und Gäste, die hinter ihrer Zeitung verschwinden.

„Das Kaffeehaus ist für mich nicht einfach ein Lokal. Es ist ein zweites Wohnzimmer. Ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, gerne verweilt und einfach sein kann“, sagt Pannosch.

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„Es geht nicht nur um Kaffee und Torten. Es geht um Atmosphäre, Begegnungen, Zeit und das Gefühl, ein Stück Zuhause gefunden zu haben.“

Im Café Schwarzenberg ist diese Idee älter als der Begriff des „Third Place“. Schon historisch waren Wiener Kaffeehäuser nicht bloß Orte zum Kaffeetrinken, sondern Treffpunkte zum Lesen, Diskutieren, Arbeiten und Plaudern. Am Tag des Kaffees lässt sich deshalb auch etwas feiern, das sich schwer in eine Tasse füllen lässt: die Zeit, die man sich rundherum nimmt.

Café Schwarzenberg

Kärntner Ring 17, 1010 Wien

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