Knallige Farben, geschwungene Formen und Geschirr, das längst zum Social-Media-Hit geworden ist: Der schwedische Designer Gustaf Westman macht mit seinem Pop-up drei Tage lang Station in Wien. Im Hotel am Brillantengrund gibt es von 18. bis 20. September eine Auswahl seiner Möbel und Wohnaccessoires zu kaufen – darunter auch jene Teller und Tassen, mit denen Westman die Tischkultur gehörig aufmischt.
Rund, bunt und ein bisschen übertrieben: Wer einen Teller oder eine Tasse von Gustaf Westman sieht, erkennt sie meist auf den ersten Blick. Der schwedische Designer hat sich innerhalb weniger Jahre mit seinen voluminösen Formen und kräftigen Farben einen Namen gemacht. Seine „Chunky Plates“ mit ihren dicken, fast aufgeblasenen Rändern und die dazugehörigen „Chunky Cups“ sind mittlerweile ebenso Teil seiner Handschrift wie der geschwungene „Curvy Mirror“, mit dem seine Karriere Fahrt aufnahm.
Nun bringt der 32-Jährige sein Designuniversum nach Wien. Von 18. bis 20. September gastiert sein Studio im Hotel am Brillantengrund in der Bandgasse im siebten Bezirk. Verkauft wird eine kuratierte Auswahl seiner bekanntesten Stücke. Für Westman ist Wien dabei nur eine Station in einem dicht gefüllten Kalender. „Ich war seit sechs Jahren nicht mehr auf Urlaub, weil wir so viele Pop-ups machen“, erzählt er Gastro.News beim Opening in Wien. Selbst für sein Privatleben bleibt derzeit wenig Zeit: „Meine Freunde habe ich seit Mai nicht mehr gesehen.“
Auch abseits seines Pop-ups nutzt Westman seinen Wien-Aufenthalt, um sich durch die heimische Gastro-Szene zu kosten. Auf seiner Liste standen bereits Klassiker wie Tichy, Demel und die Sachertorte – ebenso wie Schnitzel und Käsekrainer. Stilgerecht werden die Wiener Spezialitäten natürlich auf seinen eigenen „Chunky Plates“ in Szene gesetzt.

Vom Architekten zum Designstar
Dabei existiert sein eigenes Studio erst seit 2020. Westman studierte zunächst Kunstgeschichte und anschließend Architektur in Göteborg. Nach dem Studium arbeitete er rund ein Jahr als Architekt, merkte jedoch schnell, dass ihn weniger Gebäudetechnik als Formen, Farben und einzelne Objekte interessierten. Über kleinere Interior-Projekte kam er schließlich zum Produktdesign.
Zum Durchbruch verhalf ihm sein „Curvy Mirror“: ein Spiegel mit dickem, wellenförmigem Rahmen, der Anfang der 2020er-Jahre in den sozialen Medien zum Hingucker wurde. Was zunächst als kleines Designstudio begann, entwickelte sich in wenigen Jahren zu einer international gefragten Marke. Heute umfasst Westmans Sortiment Möbel, Keramik und Glaswaren; prominente Fans seiner Arbeiten reichen von Tyler, The Creator bis Olivia Rodrigo.
Seine Designs stehen dabei fast im Kontrast zu jenem reduzierten skandinavischen Minimalismus, mit dem schwedisches Design häufig verbunden wird. Westmans Welt ist verspielt, rund und farbenfroh. Statt möglichst unsichtbar zu funktionieren, sollen seine Gegenstände auffallen – und durchaus auch ein bisschen Spaß machen.

Teller und Tassen als Türöffner
Eine wichtige Rolle bei seinem Aufstieg spielte ausgerechnet Geschirr. Nachdem Westman zunächst größere Möbel und Spiegel entworfen hatte, kamen kleinere Gegenstände wie Tassen und Teller dazu. Sie machten seine Designs für ein größeres Publikum zugänglich. Besonders der „Chunky Cup“ entwickelte sich zu einem seiner bekanntesten Stücke: eine dickwandige, henkellose Tasse, die auf einer ebenso voluminösen Untertasse sitzt.
Auch sonst nimmt Westman klassische Tischkultur nicht allzu ernst. Es gibt überdimensionierte Weingläser, auffällige Servierobjekte und sogar einen spiralförmigen Baguettehalter. Für IKEA entwarf er zuletzt eine zwölfteilige Kollektion rund ums Essen und gemeinsame Feiern. Darunter: ein länglicher Teller, auf dem exakt elf schwedische Köttbullar Platz finden.
Damit hat Westman einen Nerv getroffen. Essen wird bei ihm nicht nur serviert, sondern inszeniert – und Geschirr zum Designobjekt, das auf dem gedeckten Tisch ebenso auffallen soll wie ein Möbelstück im Raum.

Nach den Pop-ups der eigene Shop?
Bislang setzt Westman stark auf temporäre Verkaufsflächen. Seine Pop-ups führen ihn durch verschiedene Städte und ziehen regelmäßig lange Schlangen an. Doch das könnte sich künftig ändern. „Wir überlegen gerade, eigene Shops zu eröffnen“, verrät Westman im Gespräch mit Gastro.News in Wien.
Ganz klassisch dürfte ein solcher Gustaf-Westman-Store allerdings kaum werden. Schon länger beschäftigt ihn die Verbindung von Gastronomie und Handel: Seine Vision ist ein Ort, der eher Restaurant als gewöhnliches Designgeschäft ist – Gäste könnten essen und gleichzeitig jene Objekte auswählen, die sie anschließend mit nach Hause nehmen möchten.
Nach sechs Jahren ohne richtigen Urlaub könnte damit allerdings schon das nächste Großprojekt vor der Tür stehen.

Hotel am Brillantengrund x Gustaf Westman
18.–20. September 2026, jeweils 12–18 Uhr
Hotel am Brillantengrund, Bandgasse 4, 1070 Wien












