Die bevorstehende Großbaustelle am Josef-Matthias-Hauer-Platz wird für das Café Hummel zu einer wirtschaftlichen Herausforderung. Besonders schwierig: Selbst wenige Wochen vor dem angekündigten Baubeginn herrscht Unsicherheit darüber, wann die Arbeiten tatsächlich starten. Café-Inhaberin Christina Hummel rechnet während der Bauphase mit Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent – und fordert vor allem verlässliche Informationen für die betroffenen Betriebe.
Für das traditionsreiche Café Hummel in der Wiener Josefstadt stehen herausfordernde Monate bevor. Direkt vor dem Lokal wird der Josef-Matthias-Hauer-Platz umfassend umgestaltet, gleichzeitig werden Verkehrsführung und Straßenbahnhaltestelle verändert. Dass eine Baustelle dieser Größenordnung Auswirkungen auf einen unmittelbar angrenzenden Gastronomiebetrieb haben wird, liegt auf der Hand. Was Café-Inhaberin Christina Hummel derzeit allerdings besonders beschäftigt, ist die mangelnde Planungssicherheit.
Ursprünglich war von einem Baustart im September die Rede. Bei einer Informationsveranstaltung, die Anfang September direkt im Café Hummel stattfand und an der Vertreter von Wirtschaftskammer, Bezirksvorstehung und Stadt teilnahmen, zeigte sich jedoch, dass selbst zu diesem Zeitpunkt Unsicherheit über den tatsächlichen Beginn der Arbeiten herrschte.
Aktuell wird der 29. September als Beginn der ersten Bauphase genannt. Für einen Gastronomiebetrieb, der Personal, Einkauf, Veranstaltungen und laufende Kosten planen muss, sind kurzfristige Änderungen oder Unsicherheiten beim Zeitplan allerdings alles andere als nebensächlich.
„Wir wissen, dass es bei einem großen Bauprojekt immer zu Änderungen kommen kann. Aber für uns macht es einen enormen Unterschied, ob die Baustelle im September, im Oktober oder noch später tatsächlich vor unserer Tür beginnt“, sagt Hummel, und ergänzt: „Wir müssen Personal einteilen, Waren bestellen, Veranstaltungen planen und wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Dafür brauchen wir möglichst verlässliche Informationen.“
Bis zu 30 Prozent weniger Umsatz befürchtet
Die wirtschaftlichen Auswirkungen könnten erheblich sein. Hummel rechnet während besonders intensiver Bauphasen mit einem Umsatzrückgang von bis zu 30 Prozent. Der Zugang zum Café soll zwar grundsätzlich gewährleistet bleiben. Erfahrungsgemäß führen Baustellen unmittelbar vor einem Gastronomiebetrieb aber dennoch zu Frequenzverlusten. Lärm, Staub, Absperrungen, geänderte Wege und der Eindruck einer eingeschränkten Erreichbarkeit können dazu führen, dass Gäste andere Lokale wählen.
„Natürlich wird unser Café erreichbar bleiben. Aber es macht für einen Gast einen Unterschied wenn er sich seinen Weg durch eine Baustelle suchen muss“, sagt Hummel. „Wenn dadurch über Monate ein Teil der Frequenz wegfällt, ist das für einen Betrieb unserer Größe wirtschaftlich deutlich spürbar.“
Besonders schwierig sei, dass sich ein solcher Umsatzverlust nicht im gleichen Ausmaß auf der Kostenseite auffangen lasse.
„Unsere Mitarbeiter, Mieten, Energie und viele andere Fixkosten laufen weiter. Wenn gleichzeitig die Frequenz zurückgeht, kann man nicht einfach sagen: Dann reduzieren wir eben alle Kosten um 20 oder 30 Prozent.“
Lange Bauphase verlangt verlässliche Kommunikation
Hinzu kommt die Dauer des Projekts. Die Arbeiten werden in mehreren Bauphasen durchgeführt und sollen sich weit ins Jahr 2027 hineinziehen. Damit geht es für die umliegenden Unternehmen nicht um einige Wochen mit vorübergehenden Einschränkungen, sondern um eine lange Phase, in der sie ihren laufenden Betrieb an die jeweilige Baustellensituation anpassen müssen.
Gerade deshalb wünscht sich Hummel einen möglichst engen Informationsaustausch zwischen Stadt, Bezirk und den betroffenen Unternehmen. Dabei legt die Gastronomin Wert darauf, ihre Kritik nicht als grundsätzliche Ablehnung des Projekts verstanden zu wissen.
„Wir haben ein gutes Verhältnis zum Bezirk und zu Bezirksvorsteher Martin Fabisch, und das soll selbstverständlich auch so bleiben. Mir geht es nicht darum, gegen die Stadt oder gegen die Umgestaltung zu sein. Wir Unternehmer müssen aber mit den Auswirkungen leben und brauchen deshalb möglichst früh konkrete und belastbare Informationen.“
Dass der neugestaltete Platz nach Abschluss der Arbeiten langfristig auch eine Aufwertung für das Grätzl und die Gastronomie darstellen kann, sieht Hummel durchaus. Bis dahin steht für sie jedoch die Frage im Mittelpunkt, wie das Café möglichst gut durch die lange Bauphase kommt.
„Unsere Gäste können sich auf uns verlassen“
Den Kopf in den Sand stecken will Hummel jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Wie man es vom Café Hummel gewohnt ist, möchte sich die Gastronomin auch während der Baustelle einiges einfallen lassen, um ihren Gästen den Besuch trotz der erschwerten Rahmenbedingungen attraktiv zu machen. Was genau geplant ist, möchte sie noch nicht verraten.
„Wer uns kennt, weiß, dass wir uns nicht einfach zurücklehnen und ein Jahr lang über die Baustelle jammern werden. Wir werden uns für unsere Gäste etwas einfallen lassen. Vielleicht müssen wir während dieser Zeit da und dort ein bisschen kreativer werden – aber das gehört zur Gastronomie dazu.“ so Christina Hummel zu Gastro.News.
Gleichzeitig appelliert sie auch an ihre Stammgäste, dem Café während der Bauzeit die Treue zu halten. „Gerade in einer solchen Phase merkt man, wie wichtig Stammgäste für einen Betrieb sind. Wir werden weiterhin jeden Tag für unsere Gäste da sein. Baustelle hin oder her.“



Café Restaurant Hummel
Josefstädter Straße 66
1080 Wien
www.cafehummel.at












