Bei den „Champagne Conversations“ im Restaurant Heunisch&Erben in Wien trafen unterschiedliche Stilistiken der Champagne auf ebenso ungewöhnliche Foodpairings. Im Mittelpunkt standen Herkunft, Handwerk und die Frage, wie sich eine der traditionsreichsten Weinregionen der Welt weiterentwickelt.
Champagne und Austern, Kaviar oder feine Häppchen – die klassischen Bilder sind schnell zur Hand. Dass sich Schaumwein aus der Champagne aber ebenso selbstverständlich zu Karotte, Shiitake oder Wiener Schnitzel kombinieren lässt, zeigte sich bei den Champagne Conversations am 22. September 2026 im HEUNISCH & Erben in Wien.
Zum zweiten Mal fand das Gesprächs- und Verkostungsformat in der Bundeshauptstadt statt. Gemeinsam mit Sascha Speicher, Chefredakteur von Meiningers Sommelier und Champagne-Magazin, sowie Christian Josephi, Direktor des Bureau du Champagne für Deutschland und Österreich, wurde über aktuelle Entwicklungen, unterschiedliche Stilistiken und die Zukunft der Region diskutiert.
Das kulinarische Motto des Nachmittags lautete passend dazu: „Ungewohntes & Gegensätze“.
Zwischen Tradition und neuer Stilistik
Kaum eine Weinregion ist so stark mit Geschichte und Herkunft verbunden wie die Champagne. Gleichzeitig zeigt sich bei genauerem Hinsehen eine enorme stilistische Bandbreite. Bei der Verkostung standen deshalb nicht einzelne Marken im Mittelpunkt, sondern unterschiedliche Ausdrucksformen: von Blanc de Blancs und Blanc de Noirs über reinsortigen Meunier bis hin zu Brut Nature und Dosage Zéro.
Bereits zum Aperitif wurden zwei sehr unterschiedliche Zugänge gegenübergestellt: Cédric Moussé „Les Vignes de mon village“ Meunier Brut Nature und Champagne Beceal 2022 Brut Nature Pinot Noir.
Im anschließenden Workshop folgten unter anderem Ruinart Blanc Singulier Edition 19 Blanc de Blancs Brut Nature und Louis Roederer Collection Nature. Damit zeigte sich früh, worum es an diesem Nachmittag ging: Champagne nicht als einheitlichen Stil zu betrachten, sondern Unterschiede in Rebsorte, Herkunft, Ausbau und Dosage bewusst wahrzunehmen.
Fotocredits: (c) JanaMadzigon
Karotte trifft Brut Nature
Besonders anschaulich wurde das beim Foodpairing. Fünf kleine Gerichte aus der Küche des HEUNISCH & Erben wurden jeweils zwei Champagnern gegenübergestellt.
Zur Karotte mit Kapernblatt, Estragon und Buchweizen kamen der 2022 Mas de Comaille de Blancs Brut Nature von Barrat-Masson sowie Petit Clerget Les Commes Pinot Noir Dosage Zéro ins Glas.
Das Prinzip dahinter: nicht automatisch die vermeintlich naheliegendste Kombination suchen, sondern bewusst mit Struktur, Säure, Frucht und Textur spielen.
Noch deutlicher wurde das beim nächsten Gang: Shiitake mit Erdäpfel-Risotto und -Crème, Mimolette und Salbei traf auf Adrien Renoir Le Cépage Pinot Noir und den 2013 Louis Salmon Blanc de Blancs von Billecart-Salmon.
Gerade solche Kombinationen zeigten, dass Champagne längst nicht nur Aperitif ist. Die unterschiedlichen Weine können einen ganzen Menüverlauf begleiten und dabei je nach Stilistik völlig andere Seiten eines Gerichts hervorheben.
Vom Hecht bis zum Wiener Schnitzel
Beim Hecht mit Schwertmuschel, Safran-Rübe und grüner Olive standen sich wiederum ein Blanc de Blancs und ein Blanc de Noirs gegenüber: Pierre Péters Cuvée de Réserve Blanc de Blancs Brut sowie Hugues Godmé 2014 Les Champs St. Martin Blanc de Noirs Brut Nature.
Den Abschluss bildete eine Kombination, die das Motto „Ungewohntes & Gegensätze“ wohl am deutlichsten auf den Punkt brachte: Wiener Schnitzel mit Petersilerdäpfeln und Champagne.
Dazu wurden Domaine de Marzilly L.P.M. Meunier Extra Brut und Bollinger 2018 La Grande Année Brut serviert.
Was auf den ersten Blick überraschend wirken mag, ist durchaus schlüssig: Säure und Kohlensäure können einen spannenden Gegenpol zu panierten und gebratenen Gerichten bilden. Gleichzeitig ermöglicht die Bandbreite der Champagne, auch kräftigere Speisen mit entsprechend strukturreichen Weinen zu begleiten.
Ein außergewöhnliches Jahr für die Champagne
Neben der Verkostung bot auch der aktuelle Jahrgang reichlich Gesprächsstoff. Die Lese 2026 begann so früh wie noch nie in der Geschichte der Champagne. Nach Spätfrösten im Frühjahr, einer frühen Blüte und fünf Hitzewellen im Sommer starteten einzelne Erzeuger bereits am 6. August mit der Ernte; ab 17. August wurde im gesamten Anbaugebiet gelesen.
Trotz Hitze und Trockenheit präsentiert sich das Lesegut laut Comité Champagne in sehr guter gesundheitlicher Verfassung. Die ersten Moste zeigen hohe Reife bei gleichzeitig erhaltener Frische sowie Konzentration, Frucht und eine ausgewogene Säurestruktur. Für die kommenden Assemblagen können die Kellermeister zudem auf drei sehr unterschiedliche Jahre zurückgreifen: das kühle und feuchte 2024, das warme 2025 und das ausgesprochen heiße 2026.
Gerade die Assemblage, also das Zusammenführen unterschiedlicher Grundweine, Jahrgänge, Rebsorten oder Herkünfte, bleibt damit eine der großen Stärken der Region. Tradition bedeutet in der Champagne schließlich nicht Stillstand, sondern immer auch die Fähigkeit, auf unterschiedliche Bedingungen zu reagieren.
Champagne in Österreich
Auch wirtschaftlich bleibt Österreich ein relevanter Exportmarkt. 2025 wurden 1,38 Millionen Flaschen Champagne nach Österreich geliefert. Das entspricht zwar einem Rückgang von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, beim Umsatz fiel das Minus mit 3,3 Prozent geringer aus. Insgesamt wurden 37,81 Millionen Euro umgesetzt. Österreich verbesserte sich damit im weltweiten Umsatzranking um einen Platz auf Rang 18.
Die Champagne Conversations machten dabei deutlich, dass die Zukunft der Kategorie nicht ausschließlich von großen Namen oder klassischen Anlässen geprägt sein muss. Unterschiedliche Rebsorten, trockenere Stilistiken, individuelle Produzenten und neue gastronomische Kombinationen erweitern das Bild.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis des Nachmittags: Champagne braucht keinen besonderen Anlass – manchmal reicht auch ein Wiener Schnitzel.




























