Das Café Engländer bleibt bestehen

Martin Reischauer

Plachutta und Friese übernehmen Wiener Institution

Nach dem Bräunerhof sichern sich die Gastronomiefamilien Plachutta und Friese nun auch das Café Engländer. Das traditionsreiche Innenstadtlokal soll seinen Charakter behalten – und weitgehend so bleiben, wie Wien es kennt.

Es gibt Wiener Lokale, bei denen eine Übernahme mehr ist als ein Eigentümerwechsel. Das Café Engländer in der Postgasse gehört zweifellos dazu.

Nach schwierigen Monaten ist die Zukunft des bekannten Innenstadtlokals nun geklärt: Die Gastronomiefamilien Plachutta und Friese haben im Bieterverfahren den Zuschlag für das Café Engländer erhalten. Das berichtet der Falter.

Für die beiden Familien ist es bereits das zweite gemeinsame Engagement bei einem prominenten Wiener Kaffeehaus. Erst 2025 hatten sie den Café Bräunerhof in der Stallburggasse übernommen und damit die Zukunft eines weiteren Stücks Wiener Kaffeehausgeschichte abgesichert.

Möglichst viel Engländer soll Engländer bleiben

Beim Engländer soll nun vor allem eines im Mittelpunkt stehen: Kontinuität.

„Bei der Übernahme soll deshalb Kontinuität im Vordergrund stehen“, erklärten die neuen Eigentümer in Gesprächen mit dem Falter. Das Lokal soll demnach in seiner bisherigen Art weitergeführt und sein charakteristisches Erscheinungsbild bewahrt werden. Größere Veränderungen am Konzept sind nicht geplant.

Und wahrscheinlich ist genau das die Nachricht, die viele Stammgäste hören wollten.

Denn das Engländer war nie eines jener Kaffeehäuser, deren Bedeutung sich allein über historischen Zierrat, Samtbänke oder die richtige Melange erklären lässt. Das Lokal hat sich über Jahre zu einem Fixpunkt der Wiener Innenstadt entwickelt – als Treffpunkt für Kreative, Medienleute, Geschäftsleute, Künstler und jene Gäste, die schlicht gerne dort sitzen.

Man geht ins Engländer nicht nur wegen des Kaffees. Man geht hin, weil es das Engländer ist.

„Ein Stück Wiener Gastronomiegeschichte“

Für Plachutta und Friese liegt genau darin offenbar auch der besondere Wert des Hauses.

„Das Café Engländer ist ein Stück Wiener Gastronomiegeschichte“, erklärten die Familien gegenüber dem Falter. Häuser wie dieses könne man „nicht neu erfinden“, vielmehr müsse man ihre Identität respektieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie wirtschaftlich und gastronomisch für die Zukunft gerüstet seien.

Damit formulieren die neuen Eigentümer ziemlich genau die Herausforderung, vor der viele traditionsreiche Wiener Gastronomiebetriebe stehen: Bewahren, ohne stehenzubleiben.

Oder anders gesagt: modernisieren, ohne das wegzurenovieren, weshalb die Gäste eigentlich kommen.

Ein Haus mit gewachsener Identität

Die vergangenen Monate waren für das Lokal von einer tragischen Zäsur geprägt. Nach dem Tod des bisherigen Eigentümers im Sommer war die weitere Zukunft des Betriebs offen. Im Zuge eines Bieterverfahrens wurde schließlich nach einer neuen Lösung für das Kaffeehaus gesucht.

Mit Plachutta und Friese übernehmen nun zwei Namen, die in der Wiener Gastronomie fest verankert sind.

Plachutta steht insbesondere für klassische Wiener Küche und betreibt mehrere bekannte Restaurants in der Stadt. Die Familie Friese ist wiederum eng mit der Wiener Kaffeehauskultur verbunden.

Was beide bereits beim Bräunerhof gezeigt haben, soll nun offenbar auch in der Postgasse gelten: Ein traditionsreiches Haus muss nicht neu erfunden werden, nur damit es eine Zukunft hat.

Vom Bräunerhof zum Engländer

Der Bräunerhof war gewissermaßen der erste gemeinsame Testfall dieser Strategie.

Das Kaffeehaus in der Stallburggasse zählt zu den bekanntesten klassischen Häusern Wiens und ist eng mit der Literaturgeschichte der Stadt verbunden. Als Plachutta und Friese das Lokal 2025 übernahmen, stand deshalb ebenfalls die Frage im Raum, wie viel Veränderung ein traditionsreiches Kaffeehaus eigentlich verträgt.

Die Antwort fiel zurückhaltend aus: Der Charakter des Hauses wurde erhalten, anstatt ihn einem völlig neuen Konzept unterzuordnen.

Mit dem Café Engländer folgt nun das zweite prominente Beispiel.

Bewahren statt neu erfinden

Daraus lässt sich mittlerweile durchaus eine gemeinsame Linie erkennen: Plachutta und Friese engagieren sich bei gastronomischen Betrieben, deren Wert nicht nur in Umsätzen, Quadratmetern oder Standorten liegt, sondern vor allem in ihrer Geschichte und ihrer gewachsenen Identität.

Das ist in einer Stadt wie Wien ein nicht unwesentlicher Unterschied.

Denn gerade traditionsreiche Kaffeehäuser leben von Dingen, die sich nur schwer kopieren lassen: vom Publikum, von jahrzehntelang entstandenen Gewohnheiten, von Mitarbeitern, von Geschichten – und manchmal schlicht davon, dass ein Lokal immer schon genauso dort war.

Beim Engländer dürfte deshalb weniger die Frage spannend werden, was die neuen Eigentümer verändern, sondern vielmehr, was sie bewusst nicht verändern.

Für die Stammgäste ist das vermutlich die wichtigste Nachricht der Übernahme:

Das Café Engländer bleibt ein Café Engländer.

Und Wien behält einen seiner vertrauten Treffpunkte.







Quelle der Aussagen und Zitate der neuen Eigentümer: Falter, 25. September 2026.

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