Essiggurkerl gehören für viele zur Brettljause, in den Wurstsalat oder zur Wurstsemmel. Im Schnitt werden in Österreich jährlich 1,8 Kilogramm pro Kopf konsumiert. Wo die eingelegten Gurken tatsächlich gewachsen sind, lässt sich beim Einkauf jedoch häufig nicht erkennen. Genau das kritisieren Land schafft Leben und der Verein Wirtschaften am Land, die mehr Transparenz bei der Herkunft fordern.
Ein Store-Check von Wirtschaften am Land zeigt: Von 98 überprüften Essiggurken-Produkten war bei 56 auf dem Etikett nicht ersichtlich, aus welchem Land die Gurken stammen. Besonders intransparent sind Eigenmarken des Handels. Von 40 untersuchten Eigenmarken war Österreich lediglich bei fünf Produkten als Ursprungsland klar angegeben, bei 31 fehlte die Herkunftskennzeichnung vollständig. Da Essiggurken als verarbeitete Lebensmittel gelten, ist die Angabe des Ursprungslandes derzeit nicht verpflichtend.
Auf Nachfrage bei den Herstellern zeigte sich zudem, dass zahlreiche Produkte Gurken aus dem Ausland enthalten. Genannt wurden unter anderem die Türkei, Polen, Deutschland und Indien. Bei neun Produkten wurde Indien als Ursprungsland angegeben. Eine weitere Auswertung von Wirtschaften am Land kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Rund zwei Drittel der Essiggurken-Produkte im österreichischen Lebensmittelhandel weisen keine erkennbare Herkunft aus, bei Eigenmarken fehlt sie sogar bei rund 80 Prozent. Besonders auffällig: Ein Viertel der Eigenmarken enthält Gurken aus Indien, während lediglich fünf der 40 überprüften Gläser österreichische Herkunft ausweisen.
„Die Konsumenten erwarten sich heimische Gurkerl, bekommen jedoch oft unwissentlich Gurken aus Indien. Speziell bei den Eigenmarken des Handels ist die Herkunft nicht erkennbar“, sagt Robert Pichler, Obmann von Wirtschaften am Land. Wer keine importierten Gurken kaufen wolle, müsse deshalb gezielt zu Produkten greifen, die ihre Herkunft eindeutig kennzeichnen.
Auch Land schafft Leben sieht Handlungsbedarf. Gründerin Maria Fanninger warnt: „Dass wir bei den Eigenmarken mehr indische als klar gekennzeichnete heimische Produkte im Regal vorfinden, sollte uns wachrütteln. Wir importieren Gurkerl vom anderen Ende der Welt, während die österreichischen Gurkerlbetriebe ums Überleben kämpfen.“

Heimische Produktion unter Preisdruck
Nach Angaben der Organisationen geraten heimische Gurkenbetriebe zunehmend unter Druck. Der Anbau von Einlegegurken ist arbeitsintensiv und erfolgt überwiegend in Handarbeit. Gleichzeitig gelten in Österreich höhere Produktions- und Arbeitsstandards als in vielen Importländern, was sich auch in den Herstellungskosten widerspiegelt.
„Den Preis für das billigste Gurkerl an der Kassa zahlen oft Menschen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und Sozialstandards arbeiten. Heimische Gurkerl werden unter höheren Standards angebaut, geerntet und verarbeitet“, betont Fanninger. Würden österreichische Produkte aufgrund des Preisdrucks aus den Regalen verschwinden, könnten langfristig heimische Gurkerlbetriebe verloren gehen.
Besonders betroffen ist Oberösterreich. Rund 90 Prozent der österreichischen Einlegegurken werden dort angebaut. Seit dem EU-Beitritt Österreichs 1995 sei der Marktanteil oberösterreichischer Einlegegurken im Lebensmitteleinzelhandel von mehr als 80 Prozent auf rund 50 Prozent gesunken.
Thomas Krahofer, Geschäftsführer von efko, fordert daher faire Wettbewerbsbedingungen: „Heimische Lebensmittelproduktion braucht faire Wettbewerbsbedingungen. Unsere Betriebe produzieren nach hohen Qualitätsstandards, schaffen regionale Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze. Qualität aus Österreich hat ihren Wert – Transparenz schafft die Grundlage für bewusste Kaufentscheidungen.“
Auch Landwirtschaftskammer-Oberösterreich-Präsident Franz Waldenberger verweist auf die Bedeutung der heimischen Produktion. Einlegegurken gehörten zu den arbeitsintensivsten Kulturen und sicherten mehr als 1.000 direkte Arbeitsplätze im oberösterreichischen Gemüsebau sowie rund 1.500 weitere Arbeitsplätze in nachgelagerten Bereichen. Gleichzeitig gebe es bei importierten Produkten aus Ländern wie Indien laut Waldenberger keine überprüfbaren Informationen darüber, ob vergleichbare Produktionsstandards eingehalten würden.

Forderung nach klarer Herkunft
Die beteiligten Organisationen appellieren an den Handel, die Herkunft von Essiggurken künftig eindeutig auszuweisen. Hinweise wie „hergestellt in Österreich“ oder „abgefüllt in Österreich“ seien kein Beleg dafür, wo die verwendeten Gurken tatsächlich gewachsen sind.
„Nur wenn Konsumentinnen und Konsumenten auf einen Blick erkennen können, in welchem Land die Gurkerl gewachsen sind, können sie sich bewusst für ein bestimmtes Produkt entscheiden“, so Fanninger. Pichler ergänzt: „Der Konsument hat ein Recht darauf, die Herkunft seines Warenkorbs zu kennen. Gerade bei den Eigenmarken hat der Handel einen mächtigen Hebel in der Hand und kann dafür sorgen, dass Herkunft ausgelobt wird und österreichische Produkte verwendet werden.“
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