Wer ist Madame Seradj?

Christin Pogoriutschnig

Madame Seradj ©Tim Cavadini

Architektin Heide Schicht hat mit ihrem Salon „Madame Seradj“ eine neue, spannende Adresse im Vierten Bezirk eröffnet. Unter dem Motto „Safran meets Schampus“ zelebriert das Lokal französische Salonkultur, ebenso wie die persischen Wurzeln der Gastgeberin. Gastro.News hat Heide Schicht getroffen und die Vision hinter „Madame Seradj“ kennengelernt. 

Gastro.News: Frau Schicht, Sie sind Architektin – wie haben Sie den Weg in die Gastro und zu Madame Seradj gefunden?

Madame Seradj ist ein neuer Ausdruck eines Weges, der schon über Jahre mit mir gewachsen ist. Ich komme aus der Architektur, habe aber schon während meiner Studienzeit viele Erfahrungen in der Gastronomie gesammelt. Parallel dazu führte mich mein beruflicher Weg über viele Jahre in die Projekt- und Stadtquartiersentwicklung. In diesen Felden geht es darum, Räume nicht nur zu gestalten, sondern sie auch mit Leben zu füllen. Über diese Stationen hinweg ist der Wunsch gewachsen, Orte zu schaffen, die Menschen zusammenbringen. Madame Seradj ist die Weiterführung von genau diesem Gedanken. Dadurch ist nun ein Raum entstanden, in dem sich architektonisches Denken, unternehmerische Erfahrung und die Gastlichkeit und Austausch stimmig zusammenfügen. Prägend war in der Entwicklung der Idee auch meine Tätigkeit als Vorständin im Salon Real, einem Netzwerk von Frauen in führenden Positionen der Immobilienwirtschaft. Die dort gewonnenen Erfahrungen im Aufbau tragfähiger Netzwerke und im Gestalten von Dialogräumen sind in die Konzeption von Madame Seradj mit eingeflossen.

Sie haben iranische Wurzeln: „Wer“ ist Madame Seradj?

Der Name Madame Seradj ist eine Hommage an meine Großmutter und meine Mutter – zwei starke, selbstbestimmte Frauen, die mich sehr geprägt haben.  Sie stehen für eine offene und wertschätzende Gesellschaft, für gegenseitige Unterstützung, Respekt und Authentizität. Sie haben vorgelebt, wie bereichernd es ist, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Begegnungen mit Humor, Freude und Präsenz zu erleben. Es ist nicht nur die Gastlichkeit, die ich von ihnen gelernt habe, sondern mehr die Fähigkeit, Räume und Gesellschaften für neue Verbindungen zu öffnen. Madame Seradj kann man also als eine Figur verstehen, die genau für diese Werte steht. 

 Madame Seradj entzieht sich bewusst einer eindeutigen Kategorisierung. Es folgt einem fließenden Rhythmus vom Afterwork über lebendige Eventreihen bis hin zu langen Abenden.

Woher kommt die Idee des Salons, und welche Art von Ort möchten Sie schaffen?

Die Idee des Salons ist inspiriert von historischen wie zeitgenössischen Formen des Zusammenkommens; von den literarischen Salons vergangener Jahrhunderte genauso wie von urbanen Treffpunkten in modernen Metropolen. Mich interessiert die Idee eines Salons als offenes Format, als Ort für spontane Begegnungen und lange Abende, der aber gleichzeitig auch Platz für Rückzug bietet, in dem man auch allein sein kann ohne isoliert zu wirken. Zudem soll der Salon auch als Plattform für die Produktion von Podcasts und für sorgfältig kuratierte Veranstaltungen dienen. Dazu gehören Netzwerkevents, Diskursabende und Initiativen, die sich mit Fragen von Frauen- und Männer-Empowerment in einer offenen, gleichberechtigten Gesellschaft auseinandersetzen. 

Drinks at Madame Seradj ©Tim Cavadini
Welcome at Madame Seradj ©Tim Cavadini

Was war Ihnen gestalterisch und gastronomisch besonders wichtig?

Aus gestalterischer Perspektive war für mich entscheidend, eine Balance zwischen Ungezwungenheit und Wärme zu finden. Es ging darum, die vorhandene Substanz sensibel aufzunehmen und weiterzudenken, um eine einladende, fast wohnliche Atmosphäre zu schaffen.  Gastronomisch galt es dann, ein Angebot zu entwickeln, das sich natürlich in diesen Raum einfügt, international und mit persönlichen Referenzen. Es geht mir dabei um die Stimmigkeit und Qualität ohne zu viel Förmlichkeit. 

Das Lokal lässt sich schwer kategorisieren, ist das Konzept bewusst vielseitig gedacht?

Genau, Madame Seradj entzieht sich bewusst einer eindeutigen Kategorisierung. Es ist weder eine klassische Bar noch ein Restaurant im herkömmlichen Sinne. Stattdessen passt sich der Ort dem Moment und den Gästen an. Es folgt einem fließenden Rhythmus vom Afterwork über lebendige Eventreihen bis hin zu langen Abenden. Samstags bekommt der Salon dann eine entspannte, loungige Daybar-Atmosphäre. Die Vielseitigkeit ist Teil des Konzepts, das macht seine Qualität aus; dass der Ort unterschiedlich genutzt werden kann aber immer eine Identität behält – alszeitgenössischer Salon im urbanen Kontext.

Madame Seradj ©Tim Cavadini
Terrasse Madame Seradj ©Tim Cavadini

Madame Seradj
Schleifmühlgasse 20

1040 Wien

Kontakt: bonjour@madame-seradj.com / +43 1 720 60 29 / madame-seradj.com