Im Gespräch mit Restaurantleiterin und Sommeliére Birgit Preschan und Küchenchef Patrick Faist wird schnell klar, wofür das Broadmoar steht: für einen bewussten Umgang mit Produkt und Genuss. Rund eine halbe Stunde von Graz entfernt, in der Weststeiermark, haben die beiden einen Ort geschaffen, der Offenheit lebt. „Bei uns nimmt man sich Zeit“, – dieser Satz steht nicht nur auf der Website, sondern prägt auch den Alltag im Broadmoar. Zeit zum Ankommen, zum Genießen, manchmal auch zum Bleiben. Wer möchte, verlängert den Abend und übernachtet direkt im Haus. Über allem steht ein Grundsatz, der im Broadmoar mehr ist als ein Motto: Es gibt das, was es gerade gibt.
Ein Gesamterlebnis
Warum kommen die Menschen hierher? Für Birgit Preschan ist die Antwort klar: „Weil es ein gesamtes Genusserlebnis ist.“ Ehrliche Küche trifft auf Casual Dining – klar, unverstellt, kraftvoll im Aroma. Patrick Faist ergänzt: Das Konzept sei tief in der Region verankert. Gekocht wird fast ausschließlich mit Produzent:innen aus der Steiermark, ergänzt durch einen Partner aus dem oberösterreichischen Böhmerwald. Rund zwölf bis vierzehn Lieferanten prägen das Broadmoar – darunter Bio René Schauer für Rind- und Schweinefleisch, der Kraxnerhof in Bad Gams, der Bio-Schönerhof für Pilze, Haindl Mühle aus Kalsdorf oder Fisch von Roman Leger aus Wildbach.
Wir kochen mit der Saison, mit der Natur, mit dem, was Wald und Wiese gerade hergeben.

Genuss ohne Chichi
Was im Broadmoar bewusst fehlt, ist Chichi. Kein Dresscode, keine steife Etikette. „Genuss soll Spaß machen“, sagt Preschan. Perfektion am Teller ja – steife Atmosphäre nein. Faist bringt es auf den Punkt: „Jeder ist willkommen. Jeder soll authentisch sein.“ Diese Haltung zieht sich durch den ganzen Betrieb: vom Mittagstisch über Brunch bis zum abendlichen Casual Dining. Teller für Teller, Glas für Glas.

Herkunft ist kein Detail
Ein zentrales Anliegen von Preschan ist Transparenz. Die konsequente Kennzeichnung der Herkunft ist für sie kein Marketinginstrument, sondern Ausdruck von Respekt. „Wir sind stolz auf unsere Lieferanten.“ Bewusster Genuss beginne dort, wo man weiß, woher ein Produkt kommt – nicht ob es einem Trendlabel entspricht.
Es muss nicht alles bio oder vegan sein, aber Herkunft und Qualität müssen stimmen.
Preschan spricht offen über verlorene Vielfalt: „Früher gab es zwanzig Erdäpfelsorten, heute oft nur mehr zwei.“ Gerade die Gastronomie trage Verantwortung, Bewusstsein zu schaffen. „Die Kaufentscheidung zählt – auch im Kleinen.“
Kochen mit dem, was da ist
Diese Haltung zeigt sich auch auf der Karte. Fixe Menüs gibt es im Broadmoar nicht. Rund 70 bis 80 Prozent eines Abends stehen fest, der Rest bleibt offen – abhängig von Liefermengen und Natur. Mittwochs trifft die Lieferung ein, daraus entwickelt sich der Ablauf der nächsten Tage. Nicht selten steht der konkrete Menürahmen erst kurz vor dem Aufsperren fest. Im Winter wird gepökelt, geselcht und eingelegt, im Sommer vorgesorgt. Ab dem Frühjahr bestimmen frisches Gemüse, Spargel und Rhabarber den Rhythmus der Küche.
Regionale Küche mit persönlicher Handschrift
Patrick Faist arbeitet ganzheitlich. Weg von der Fixierung auf Edelteile, hin zu Produkten, die oft unterschätzt werden. Seine Küche ist regional verwurzelt, aber offen gedacht. Prägend waren zweieinhalb Jahre in Wien, unter anderem bei Haya Molcho. Orientalische Gewürze, Nüsse und Aromen finden sich bis heute in seiner Küche wieder. Zum Handwerk gehört auch die Arbeit im Keller: Fermentieren, Einlegen und Haltbarmachen – oft liegen an die zwanzig verschiedene Schmankerl bereit, die je nach Abend ihren Weg auf den Teller finden. Ein Signature Dish bringt das auf den Punkt: Kartoffel, Lauch, Dukkah und gebeizter Eidotter – reduziert, präzise gearbeitet und dennoch vielschichtig.

Wein als gemeinsame Reise
Beim Wein setzt Birgit Preschan auf Dialog statt Schema. Statt fixer Weinbegleitungen möchte sie gemeinsam mit den Gästen entscheiden. Naturwein, Bio dynamische Weine, einzelne Gläser, eine Flasche oder eine gemischte Begleitung mit alkoholfreien Komponenten – alles ist möglich. Bewusster Genuss bedeute auch, Nein sagen zu dürfen.
Ihre Haltung ist dabei sehr persönlich. Preschan sagt von sich selbst, sie nehme als Gast immer das, was der Gastgeber empfiehlt – zu hundertzehn Prozent, inklusive Weinbegleitung. Dieses Vertrauen prägt auch ihre Arbeit als Sommelière: nicht belehrend, sondern begleitend.
Besonders gewachsen ist ihre Beziehung zum Schilcher. Lange habe sie ihn unterschätzt, heute steht er für Herkunft, Vielschichtigkeit und steirische Identität. Der Schilcher zeige, wie sehr sich Geschmack verändert, wenn man bereit ist, genauer hinzuschauen.

Bleiben dürfen
Das Broadmoar ist nicht nur Restaurant, sondern auch Rückzugsort. Wer den Abend nicht enden lassen möchte, kann direkt im Haus übernachten. Zwei Appartements – die großzügige Hofromanze für bis zu vier Personen und das kleinere Coco Mademoiselle – ermöglichen es, den Abend ausklingen zu lassen und am nächsten Morgen mit Blick in die Weststeiermark aufzuwachen. Hunde sind willkommen.
Kein Beruf, sondern Berufung
Dass Kochen für Patrick Faist nie eine Option, sondern immer ein Ziel war, erzählt er beiläufig. „Es gibt keinen anderen Beruf.“ Seine Mutter erinnert sich: Schon mit acht Jahren wusste er, dass er Koch werden will.

Oisnitz 36, 8503 St. Josef
Do – Fr: 17:00 – 22:00 Uhr, Sa: 12:00 – 15:00 Uhr & 17:00 – 22:00 Uhr, So, Mo, Di, Mi: Ruhetage
(Auf Anfrage geöffnet)
Ab April: Mi – Sa geöffnet!












