Wie aus Neugier, Wissen und Respekt vor der Natur ein besonderer Bio-Betrieb im Waldviertel entstand – und warum Pilze hier mehr sind als Lebensmittel.
Der Waldviertler Pilzgarten ist kein klassischer Landwirtschaftsbetrieb, sondern das Ergebnis eines über Jahre gewachsenen Zusammenspiels aus Erfahrung, Experimentierfreude und Überzeugung. Seit 2015 führen die Agrarwissenschaftlerin Magdalena Wurth und ihr Partner Moritz Wildenauer den biologisch wirtschaftenden Betrieb, der heute weit über die Region hinaus bekannt ist.
Die Grundlagen dafür wurden schon früher gelegt: Magdalenas Vater Herbert beschäftigte sich intensiv mit Pilzanbau – Wissen, das hier nicht museal bewahrt, sondern konsequent weiterentwickelt wird. „Pilze haben mich schon im Studium fasziniert, weil sie vieles verbinden: Landwirtschaft, Ökologie und Geduld“, sagt Magdalena.

Lernen, wachsen, weitergeben
Was den Waldviertler Pilzgarten auszeichnet, ist die Verbindung von professioneller Zucht und Bildungsarbeit. Moritz, ursprünglich Tischler und lange in der Jugendarbeit tätig, fand in der Pilzzucht einen unerwarteten Ankerpunkt. „Mich hat begeistert, dass Pilze so eigenständige Lebewesen sind – man kann sie nicht zwingen, man muss sie verstehen“, sagt er. Diese Haltung prägt auch die zahlreichen Workshops, Führungen und Marktauftritte des Betriebs. Selbstversorgung wird hier nicht romantisiert, sondern praxisnah vermittelt – mit ehrlicher Beratung und einem offenen Blick auf das, was realistisch umsetzbar ist.

Vielfalt statt Monokultur
Über zwölf Speisepilzarten und mehrere biologische Raritäten wachsen im Waldviertler Pilzgarten: von Shiitake und Seitlingen in unterschiedlichsten Farben bis zu Igelstachelbart, Reishi oder sogar einem Leuchtpilz. Kultiviert wird ausschließlich auf biologischen, regionalen Rohstoffen – Holz, Stroh oder auch Kaffeesatz. Diese Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern Teil eines größeren ökologischen Verständnisses. „Pilze sind ein Schlüsselorganismus für funktionierende Ökosysteme“, betont Magdalena. „Mit unserer Arbeit wollen wir zeigen, wie eng Ernährung, Biodiversität und Ressourcenschonung zusammenhängen.“

Vom Wissen zum Wachsen
Im Waldviertler Pilzgarten kann man neben frischen, saisonalen Speisepilzen auch Pilzbrut in unterschiedlichen Formen – von der Getreidebrut bis zu beimpften Holzstämmen – kaufen. Außerdem gibt es Zuchtsets und fertige Pilz-Kits für den Anbau zu Hause. Ob im Garten, am Balkon oder im Keller: Wer Pilze kultiviert, lernt, auf Rhythmen zu achten und Prozesse zu begleiten. „Wir möchten, dass Menschen nicht nur konsumieren, sondern aktiv mitgestalten“, sagt Moritz. Beratung und praktische Tipps gehören deshalb immer dazu. „Pilzzucht lehrt Gelassenheit – man arbeitet mit Zeit, nicht gegen sie.“ Genau diese Haltung prägt den Betrieb und macht Landwirtschaft hier zu einem stillen, nachhaltigen und lebendigen Prozess.

Waldviertler Pilzgarten
Mistelbach 28
3922 Großschönau
www.pilzgarten.at












