“Das Paradies hat wieder offen”, schrieb Kollege Florian Holzer anlässlich der Neuübernahme dieses ehemaligen Schreibwarengeschäfts. Genuss-Autor Marko Locatin war dort.
“Das kleine Paradies” (Gastro News berichtete) nannte sich ein Vorgängerrestaurant, paradiesisch freilich ist auch das einzigartige Interieur des ehemaligen Schreibwarengeschäfts. Gedämpftes Licht taucht die hell und dunklen Hölzer, Intarsien sowie die Wandverkleidungen in ein romantisches Ambiente. Separees, Musik, Kerzen auf Champagnerflaschen – all das wird durch zahlreichen Spiegel ebenfalls noch dupliziert. Doch wie ist das Essen hier?
Die Ouvertüre hebt mit Sauerteigbrot und Misobutter erfreulich an (4 Euro). Ceviche hernach ist so erfrischend, wie sie sein sollte. Ein hübscher Teller – Branzino wurde mit rote Zwiebel, Limette, Kapern und einem Knusperchip bedacht (12 Euro).


Kutteln ist nicht Jedermanns Sache – die meine schon. Hier als “Trippa Fritta ” in frittierter Variante, kommen sie mit einer tadellosen, leicht pikant abgeschmeckten Mayonnaise zu Tische (10,50 Euro).

Carbonara, ein heikles Gericht, wird im Paradies nicht mit Spaghetti serviert. Die Pasta ist weder verkocht noch al dente (gehört nämlich bei Carbonara so!), die Sauce cremig, viel Eidotter und (natürlich’) keine Sahne. On top und eingearbeitet: knuspriger Guanchiale (18 Euro). Darüber Parmesan, manche mischen auch mit Pecorino. Insgesamt: Großartig (18Euro). Keinen so schlüssigen Eindruck gewinnen die beiden Testesser vom Cottoletta Milanese (frittiertes Schnitzel am Knochen). Positiv fällt die Dekoration mit Alicis auf, nicht so super ist der noch leicht wahrnehmbare Geschmack nach Frittiertem – dass geht besser (25 Euro).
Das Mousse Aux Chocolat wiederum, am Nebentisch gesehen, war dem Vernehmen nach köstlich. Nette Idee: Das Dessert ist, im Sinne der Romantik, für zwei Personen gedacht (13 Euro).
Fazit
Ein charmanter Neustart mit kleinen Schwächen in romantischem Ambiente, welches auch in Paris nicht fehlt am Platz wäre. Zu Speisen wie Lasagne, Pasta, Risotto und Frittiertem passt die prickelnde Säure von Champagner, oder, wie ich es oft halte, die Bitterkeit von Campari-Soda (7 Euro). Er übrigens dürfte ruhig etwas stärker sein, was sich auch farblich gut machte. Preis-Leitung ist hier sehr in Ordnung und der Gastgarten wird im Laufe der warmen Jahreszeit noch behübscht.
Arici
Blindengassse 3
1080 Wien
Di – Sa: 16.00 – 00.00
www.arici.at
Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com












