Anlässlich des 50-jährigen Bestehens von Wiens erster Pizzeria haben wir mit Inhaberin Grazia Tavella-Sevilmis gesprochen. Sie führt das Il Mare seit dem Tod ihres Vaters weiter und erzählt im Gespräch von den Anfängen 1975, von prominenten Gästen wie Falco, vom ungebrochenen Erfolg der hauseigenen Holzofenpizza – und davon, was sie sich für die Zukunft des Traditionslokals wünscht.

Als Pasquale Tavella 1975 in der Zieglergasse 15 die Türen des Il Mare öffnete, schrieb er Stadtgeschichte. Es war die erste Pizzeria Wiens und ein mutiger Schritt, denn Pizza galt damals noch als Exotik. „Viele Bekannte und Verwandte rieten meinem Vater ab, eine Pizzeria zu eröffnen“, erinnert sich seine Tochter Grazia Tavella-Sevilmis. „Aber er wollte unbedingt die Pizza nach Wien bringen.“ Gemeinsam mit einem sizilianischen Freund baute Tavella den Pizzaofen sogar selbst: ein Ofen, der bis heute im Lokal steht und nach wie vor das Herz der Pizzeria bildet.
Schon bei der Eröffnung war die Resonanz überwältigend. Die Wiener Gäste, die ihren Sommerurlaub meist an der oberen Adria verbrachten, kannten italienische Gerichte, hatten sie in Wien aber nie zuvor bekommen. „Das Konzept wurde sofort sehr gut angenommen, weil es damals nichts Adäquates gab. Carpaccio, Tiramisu, Muscheln; all das war für unsere Gäste neu und spannend.“

Heute, fünf Jahrzehnte später, führt Grazia Tavella-Sevilmis das Lokal mit großer Leidenschaft weiter. Sie spricht mit Wärme über die Zeit mit ihrem Vater: „Es war schön, mit ihm gemeinsam und mit den vielen lieben Gästen unsere Tage zu verbringen. Der Satz ‚Herzlich willkommen in meinem Wohnzimmer‘ war typisch für ihn und zeigt, wie er mit den Menschen umging.“ Genau dieses Gefühl möchte sie auch heute vermitteln. „Ich versuche sein Lebenswerk weiterzuführen. Inzwischen laufen meine Kinder schon in den Räumlichkeiten umher so wie ich damals.“
Il Mare hat sich in 50 Jahren immer wieder verändert, ohne seine Identität zu verlieren. Der Gastraum wurde vergrößert, neue Konzepte wie ein Lieferservice kamen hinzu, und seit der Pandemie gelten durchgehende Öffnungszeiten von 12 bis 23 Uhr. Was sich jedoch nie geändert hat, ist der Anspruch an Qualität. „Wir legen Wert darauf, dass nur das Beste auf den Tisch kommt, damals wie heute. Der Leitfaden ist klassische italienische Küche.“
Die kulinarische Handschrift ist dabei klar: Der Schwerpunkt liegt seit jeher auf Fischgerichten, ergänzt um ikonische Speisen wie die Pizza „il mare“ oder die Bistecca Fiorentina. „Seit Beginn an hat unsere Bistecca für Furore gesorgt. Sie ist noch immer ein Highlight, aber wir setzen zusätzlich auf saisonale Spezialitäten und kleine moderne Akzente.“
Dass Wien heute von einem regelrechten Pizza-Hype geprägt ist, beobachtet die Gastgeberin mit Gelassenheit. „Die neapolitanische Pizza hat seit rund zehn Jahren Fuß gefasst, aber der Hype scheint sich gerade abzuschwächen. Unsere dünne, knusprige Pizza aus dem Holzofen ist trotz der Konkurrenz extrem nachgefragt und, wie ich glaube, der Favorit der Wiener.“
Die Geschichte des Il Mare ist auch voller besonderer Begegnungen. Falco, enger Freund der Familie, war Stammgast, ebenso internationale Stars wie Eros Ramazzotti, Zucchero oder Al Bano. „Die Begegnung mit Falco werde ich nie vergessen. Viele österreichische Prominente sind bis heute unsere Gäste, manche schon seit Jahrzehnten.“

Wenn Tavella-Sevilmis in die Zukunft blickt, bleibt sie bescheiden und entschlossen zugleich: „Ich wünsche mir, dass der kontinuierliche Erfolg, auch nach dem Tod meines Vaters, so weitergeht. Mit den besten Gästen der Stadt und den qualitativ hochwertigen Produkten soll die Authentizität unbedingt erhalten bleiben.“

Adresse: Zieglergasse 15, 1070 Wien
Öffnungszeiten: Mo-Sa: 12:00 bis 23:00 Uhr; Sonntag Ruhetag












