Am Standort des alten Steirerecks an der Rasumofskygasse im dritten Bezirk eröffnete Anfang März das “All you can eat”-Hotpot-Lokal Huhu. Genuss-Autor Marko Locatin war an einem Ort mit schillernder Vergangenheit.
1. 1. 1970: Die Reitbauers (Senior) eröffnen mit einem mulmigen Gefühl im Magen ihr Lokal. Adresse: Ecke Rasumofskygasse/Weissgerberlände. Der Name: “Steirereck”. Heinz Reitbauer: “Uns ist damals einfach nichts Besseres eingefallen.” Die jungen Wirtsleute hatten auch gleich eine Idee für ihr erstes gastronomisches Konzept: jeden Freitag nur zwei Gerichte – Gemüsesuppe und Germknödel um 14 und 16 Schilling. Die Folge: Der Laden brummte, die Reitbauers landeten damit ihren ersten Coup. “Wir haben gearbeitet wie die Tiere”, erinnert sich der Senior, “aber es hat sich gelohnt. Wir haben die Geldlade nicht zugebracht.”, schrieb der geschätzte Kollege Herbert Hacker einst im Falstaff. 2005 sperrten Reitbauers dann Meierei und neues Steirereck im Stadtpark auf und schrieben und schreiben damit österreichische Restaurantgeschichte.

19. 3. 2026: Auch heute brummt der Laden, wenngleich unter ganz anderen Vorzeichen. Die chinesischen Betreiber nämlich haben sich auf “All you can eat”-Buffet und Hotpot spezialisiert, im Kombi-Angebot um knapp über oder knapp unter 30 Euro. Zur Wahl stehen mit Gemüse, Tomaten, Pilz, Kürbis, Tonkotsu (Schwein) sowie den beiden Rinderbrühen Hot scharf und Hot Butter sieben Brühen. Reichhaltig auch die Auswahl an Zutaten: Huhn, Fisch (Pangasius), Garnelen, Shrimps, Tofu und Gemüse. Gewürzt wird mit einigen wirklich guten fermentierten roten Saucen, die man sich aber auch aus reichlich Zutaten selbst basteln kann.

Fazit
Einiges machen sie hier wirklich gut: Die Auswahl an Fleisch und Gemüse ist ebenso erfreulich wie die Qualität der Garnelen oder der Brühen prinzipiell. Von Pangasius würde ich hingegen ebenso prinzipiell abraten. Wie auch von den Sushis vom Buffet. Der Fisch mag ok sein, die Qualität des Reis’ ist nicht sushifähig. Auch das Kimchi ist entweder mißlungen, oder aber zu mild an den austriakischen Gaumen angepasst. Gut wiederum: im Unterschied zu anderen Hotpots köchelt hier jeder sein eigenes Süppchen. Pro Tisch sind nämlich vier “Töpfe” in entsprechenden Vertiefungen eingelassen. Und wer – wie der Autor dieser Zeilen – sentimental veranlagt ist, der kann ja im Wintergarten den hier nicht vermeintlich, sondern tatsächlich kulinarisch guten alten Zeiten nachhängen. Ach ja: Der “lustige” Name leitet sich von Betreiber Yunzhu Hu ab.
Tipp: Brühe von Rind (scharf) oder Tonkostu (Schwein).
Huhu Hotpot
Mo–Do 15–22, Fr 15–23
Sa 11.30, So 11.30–22;
Rasumofskygasse 2, 1030 Wien
Mo-So 11:00 bis 22:00
Weitere Artikel und Kritiken von Marko Locatin finden Sie auf: www.markolocatin.com












