BYOUTEA: Neue Tea Bar in Wien

Ina Dieringer

Matcha Latte gibt es mittlerweile an fast jeder Ecke. Saba Rizvi will mit BYOUTEA in der Wiener Innenstadt aber zeigen, dass hinter dem grünen Trendgetränk eine ganze Teewelt steckt. In ihrer Tea Bar in der Landskrongasse 1 verbindet die ausgebildete Teesommelier traditionelle Teekultur mit modernen, veganen Drinks, eigenen Kreationen und einem ausgewählten Tee-Sortiment. Gastro.News hat mit der Gründerin über ihren Weg in die Teewelt, den aktuellen Matcha-Hype und ihre Pläne für BYOUTEA gesprochen.

Tee begleitet Rizvi schon seit mehr als einem Jahrzehnt. 2013 begann sie ihre Lehre im Verkauf bei Schönbichler, einem Wiener Spezialfachhandel für Tee. „Dort habe ich sehr schnell gemerkt, dass Tee für mich keine Produktkategorie ist, sondern eine Welt, in die man immer tiefer eintauchen kann.“ Sie wollte wissen, wo die einzelnen Sorten herkommen, warum zwei Tees derselben Sorte vollkommen unterschiedlich schmecken können und was tatsächlich gute Qualität ausmacht.

Es folgte die Ausbildung zum Teesommelier. Seither blieb Rizvi der Branche treu, sammelte Erfahrung im Tee-Einzelhandel in Wien und Berlin, stellte Sortimente zusammen und vermittelte ihr Wissen bei Tea Tastings und Fachseminaren. Irgendwann reifte der Wunsch nach etwas Eigenem: „Wenn ich schon so viel Leidenschaft und Energie in Tee stecke, möchte ich eines Tages einen Ort schaffen, an dem ich selbst entscheiden kann, was für mich gut genug ist.“

Zwischen Matcha-Hype und alter Teekultur

Dieser Ort ist heute BYOUTEA – der Name steht für „Brew Your Beauty“. Dahinter steckt die Idee, die jahrhundertealte Teekultur mit einem zeitgemäßen Zugang zu verbinden. „Auf der einen Seite gibt es eine unglaublich alte und wunderschöne Teekultur. Auf der anderen Seite erleben wir gerade einen riesigen Matcha-Trend. In Wien bekommt man mittlerweile fast an jeder Ecke einen Matcha Latte.“ Gegen diesen Hype will Rizvi keineswegs arbeiten. Im Gegenteil: „Ich finde es wunderschön, dass sich heute so viele junge Menschen für Matcha interessieren. Aber ich möchte diesen ersten Kontakt nutzen, um zu zeigen: Da steckt noch so viel mehr dahinter.“

In der Tea Bar soll es deshalb nicht nur darum gehen, einen hübschen Matcha Latte zu trinken. Rizvi möchte auch Wissen vermitteln: Wie wird Matcha traditionell zubereitet? Woran lässt sich Qualität erkennen? Warum unterscheiden sich Tees geschmacklich so stark? Und wie lässt sich eine jahrhundertealte Kultur ins Heute übersetzen? „Ich möchte nicht neu erfinden, was Tee ist. Ich möchte zeigen, was Tee alles sein kann.“ Entsprechend dürfen bei BYOUTEA traditionelle Teekultur und auffällige Kreationen nebeneinander existieren. Die Drinks kommen intensiv grün, blau, rosa oder mehrschichtig ins Glas – dahinter soll laut Rizvi allerdings „Natur statt künstlicher Farbwelten“ stecken.

„Beauty“ ist mehr als Optik

Auch „Beauty“ im Namen versteht die Gründerin nicht bloß als Instagram-taugliche Ästhetik. „Beauty bedeutet für mich nicht einfach nur, dass ein Getränk schön aussieht. Es geht um Schönheit, Genuss und Wohlbefinden – und darum, sich bewusst einen Moment für sich selbst zu nehmen.“ Genau dieses Ritual möchte sie zurück in den Alltag bringen. „Wir haben ein bisschen vergessen, welche Rolle Tee früher im Alltag gespielt hat. Eine Tasse Tee war ein Ritual, etwas Wärmendes und etwas, das Menschen miteinander verbunden hat. Diese Wertschätzung möchte ich wieder zurückholen – nur in einer neuen Sprache.“

Neben der Tea Bar umfasst BYOUTEA deshalb auch eine Boutique und einen Onlineshop. Das Sortiment reicht von eigenen Tee- und Matcha-Produkten über Tasting-Sets bis zu Matcha-Schalen, Besen, Tassen und weiterem Zubehör. Tee soll hier also nicht nur fertig im Glas landen, sondern auch zu Hause weitergetrunken und zelebriert werden.

Zwei Monate für den Royal Matcha

Bei den Drinks setzt Rizvi vollständig auf pflanzliche Rezepturen. „Meine Getränkekarte ist vegan.“ Das sollte geschmacklich allerdings nicht als Ersatzlösung wahrgenommen werden. Für die gewünschte Konsistenz wurde entsprechend viel ausprobiert. „Niemand soll einen Drink probieren und denken: ,Für vegan schmeckt das aber gut.‘ Er soll einfach richtig gut schmecken.“ Besonders viel Entwicklungsarbeit steckt im Royal Matcha. Rund zwei Monate habe Rizvi an der Rezeptur gearbeitet. „Nicht, weil ich möglichst viele Zutaten in ein Glas bringen wollte, sondern weil gerade die Kombination, die ich im Kopf hatte, geschmacklich und in ihrer Konsistenz schwierig umzusetzen war.“

Das Ergebnis verbindet hochwertigen Matcha mit floralen Noten, Zitrusfrische und weicher Vanille. Entscheidend sei dabei die Balance. „Keine Komponente soll die andere erschlagen. Wenn man ihn trinkt, soll man nach und nach entdecken können, was im Glas passiert.“ Die Arbeit hat sich offenbar gelohnt: Mittlerweile zählt der Royal Matcha laut Rizvi zu den Favoriten ihrer Gäste. Ebenfalls beliebt ist der Mango-Kokosnuss-Matcha mit asiatischer Mango. Fruchtiger und exotischer als der Royal Matcha, soll er zeigen, wie unterschiedlich sich das Ausgangsprodukt interpretieren lässt.

Im Herbst wird es nussig und würzig

Die Karte ist dabei nicht in Stein gemeißelt. „Ich entwickle eigentlich ständig weiter“, sagt Rizvi. Schon im Oktober soll sich das auch saisonal bemerkbar machen. Dann zieht unter anderem ein Hojicha Spice Latte ein. Hojicha ist gerösteter japanischer Grüntee und bringt von sich aus warme, röstige und nussige Noten mit. Rizvi kombiniert ihn mit ausgewählten Gewürzen: „Für mich ist das ein Getränk, das nach Herbst schmecken darf: warm, cremig, nussig und ein bisschen außergewöhnlich.“ Auch beim Chai Latte will sie näher an das eigentliche Produkt zurück. Statt den Geschmack über Sirup zu erzeugen, setzt ihre Variante auf echten Tee und Gewürze und wird zusätzlich mit Safran und Rose verfeinert. „Ich möchte zeigen, dass man keinen Sirup braucht, um einen intensiven Chai zu kreieren.“

Qualität vor fixem Sortiment

Beim klassischen Tee verfolgt Rizvi einen ähnlichen Ansatz. Sorten und Qualitäten werden bewusst ausgewählt – und können auch wieder ausgetauscht werden, sobald sie eine bessere Alternative findet. Besonders beim Matcha stehe sie eng mit ihren Lieferanten in Kontakt. Derzeit hat sie zwei Qualitäten ausgewählt, von denen sie überzeugt ist. „Das ist das Beste, was ich meinen Gästen zum jetzigen Zeitpunkt anbieten kann.“

Im Shop finden sich neben verschiedenen Teemischungen etwa „Jade Beauty“ Matcha Latte und „Emerald Beauty“ Pure Harvest Matcha sowie Tasting-Sets und Zubehör. Auch Weißtee und florale Produkte gehören zum Sortiment. Und BYOUTEA soll nicht nur Endkund erreichen. Rizvi beliefert inzwischen auch Cafés und andere B2B-Kunden mit Matcha und Tee. Beim Großhandelsgeschäft gilt für sie derselbe Maßstab wie hinter der eigenen Bar: „Ich möchte nichts weitergeben, was ich nicht selbst mit Überzeugung servieren würde.“

Mit BYOUTEA will Rizvi damit nicht einfach den nächsten Matcha-Spot eröffnen. Der aktuelle Hype ist für sie vielmehr ein Türöffner für ein Produkt, mit dem sie sich seit 2013 beschäftigt. Oder, wie sie selbst sagt: „Ich möchte nicht neu erfinden, was Tee ist. Ich möchte zeigen, was Tee alles sein kann.“

BYOUTEA – Brew Your Beauty
Landskrongasse 1, 1010 Wien

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