Zu Besuch beim Hofmeister

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Hartmuth Rameder und Erwin Windhaber © Pamela Schmatz

Ende 2025 wurde Vollblut-Gastronom Hartmuth Rameder zum neuen Obmann der Wirtshauskultur Niederösterreich gewählt. Damit übernimmt ein Vertreter einer neuen Wirtegeneration die Führung der größten Kulinarik-Initiative Österreichs. Gleichzeitig rückt auch sein eigener Betrieb, die Hofmeisterei Hirtzberger, stärker ins Blickfeld – ein Haus, das Tradition, Regionalität und kreative Küche auf bemerkenswerte Weise verbindet.

Die Wahl von Hartmuth Rameder zum neuen Obmann markiert einen Generationenwechsel. Rund 200 Betriebe gehören der Wirtshauskultur Niederösterreich an, einem Verein, der seit den 1990er-Jahren für Qualität, Regionalität und gelebte Gastlichkeit steht. Nach herausfordernden Jahren für die Branche will Rameder frischen Wind hineinbringen. Sein Credo: mehr Handwerk, mehr Eigenständigkeit, mehr Mut zur Kreativität. Ein Wirtshaus sei heute weit mehr als die klassische Schnitzel-und-Gulasch-Adresse – es müsse authentisch bleiben und sich gleichzeitig weiterentwickeln.

Dass Rameder diese Haltung lebt, zeigt ein Blick in seinen eigenen Betrieb. Seit der Eröffnung 2014 führt er gemeinsam mit Küchenchef Erwin Windhaber die Hofmeisterei Hirtzberger in Wösendorf in der Wachau. Das historische Gebäude, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert reichen, wurde von der Familie Hirtzberger mit viel Feingefühl revitalisiert und verbindet frühgotische Substanz mit zeitgemäßer Kulinarik. Die Atmosphäre: gehoben, aber bewusst ungezwungen.

© Hofmeisterei Hirtzberger

Kulinarisch setzt die Hofmeisterei auf naturbelassene, regionale Küche mit kreativer Handschrift. Windhaber, ausgezeichnet mit drei Hauben und 16,5 Punkten im Gault&Millau, steht für eine klare Linie ohne Effekthascherei: saisonale Produkte, präzises Handwerk und eine Küche, die Tradition modern interpretiert. Die Karte wechselt regelmäßig, Menüs und À-la-carte-Gerichte existieren gleichberechtigt nebeneinander – vom feinen mehrgängigen Dinner bis zum klassisch österreichischen Wirtshausgericht.

Ein zentrales Element ist die Weinkultur. Rund 2.100 Positionen umfasst die Weinkarte – mit besonderem Fokus auf die Wachau, ergänzt durch internationale Raritäten. Hier zeigt sich die Handschrift des Gastgebers: Rameder versteht Wein nicht als Beiwerk, sondern als verbindendes Element zwischen Küche, Region und Gastfreundschaft. Wir haben den engagierten Gastgeber zum Kurz-Interview gebeten.

Hofmeisterei Hirtzberger
© Cityfoto

Auf den Punkt

Persönliche Fragen – ehrliche Antworten.

Was ist das Erste, das Sie morgens machen?
Meistens hängt mir noch ein langer Arbeitstag (inklusive Feierabend-Spritzer) nach. Dagegen hilft am besten eine heiße Dusche.

Was empfinden Sie als größten Luxus in Ihrem Leben?
Dass ich die Möglichkeit habe, meine Freizeit mit den schönen Dingen im Leben verbringen zu können: Genuss, interessante Menschen, spannende Orte.

Wie entspannen Sie am besten nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Ich gönne mir gerne eine intensive Jause – IM SITZEN! Gerne eine Kombination aus sauer, salzig und würzig, daneben ein bisschen lesen, was in der Welt so los ist.

Ihr allerliebster Zeitvertreib?
Mit einem spannenden Hörbuch im Ohr im Garten arbeiten. Dazu komme ich aber leider viel zu selten.

Ihre absolute Leibspeise?
Die Heilige Dreifaltigkeit gekocht von meiner Mama: Curry-Hendl, dazu Karottensalat, gekrönt von einer Kardinalschnitte.

Was ist Ihr wertvollster Besitz?
Ein alter, schwarzer Sportwagen.

Ihr Lieblingswort?
Rhombendodekaeder“ – ein amüsantes Wort mit Bezug zu meinen Zillertaler Genen.

Ihre größte Stärke?
Ich entscheide alles aus dem Bauch heraus. Das ist gleichzeitig meine größte Stärke und manchmal auch meine größte Schwäche.

Welche Fähigkeit hätten Sie gerne?
Alle Sprachen zu sprechen.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
Ich versuche, auch heute immer wieder Klassiker zu lesen, die ich schon einmal in der Jugend lesen (musste). Zuletzt war das „Don Quijote“. Ich hatte vergessen, wie herrlich man bei diesem Buch laut lachen muss.

Welche liebenswerte Eigenheit würden Ihre Freunde und Arbeitskollegen sofort über Sie erzählen?
Sie würden sich wahrscheinlich schwer tun, sich auf eine festzulegen. Ich bin sehr schnell begeisterungsfähig und will oft Sachen auf Biegen und Brechen umsetzten. Nicht alles stellt sich dabei als grandiose Idee heraus.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich gerne ins Ohr flüstern?
Zerdenke die Sachen nicht, am Ende wird alles gut

Ihr Lebensmotto?
Wer später bremst, ist länger schnell.


Restaurant Hofmeisterei Hirtzberger
Nr. 74
3610 Wösendorf
www.hofmeisterei.at

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag von 18 bis 24 Uhr
Samstag und Sonntag von 12 bis 24 Uhr