Wie das Schatz Imhof feministische Räume schafft

Ina Dieringer

Der Weltfrauentag ist jedes Jahr wieder Anlass zur Ernüchterung, weil er unweigerlich sichtbar macht, was noch immer fehlt. Gleichberechtigung ist längst kein abstraktes Ziel mehr, sondern eine Frage von Alltag, Bezahlung und Sicherheit. Gerade in der Gastronomie, wo Netzwerke viel zählen und Macht oft informell verteilt ist, zeigt sich das Ungleichgewicht besonders deutlich. Der 8. März erinnert daran, dass Fortschritt kein abgeschlossener Prozess ist, sondern Arbeit bleibt. Und dass Aufmerksamkeit notwendig ist, solange Gleichstellung keine Selbstverständlichkeit ist.

Genau hier setzt das Schatz Imhof an und zwar mit konkreten Formaten, die Frauen Sichtbarkeit und Platz geben. Nicht nur rund um den Weltfrauentag wird das Lokal zur Bühne für Austausch, Vernetzung und Begegnung.

HER*society: Ein Abend für weiblich gelesene Frauen

Ab Donnerstag, dem 26. Februar, wird einmal pro Monat ab 18 Uhr ein eigener Raum im Schatz Imhof zur Bühne für HER*society. Gegründet wurde die Reihe von den beiden DJanes Kate La Boom und Lara Deepanda, die bewusst ein Format schaffen wollten, das weiblich gelesenen Frauen einen geschützten Rahmen bietet. „HER*society soll ein Schutzraum sein“, sagt Kate La Boom. „Ein Ort, an dem keine blöden Sprüche kommen können.“ Dass die Veranstaltungen räumlich getrennt vom regulären Betrieb stattfinden, ist Teil des Konzepts. Der Abend beginnt jeweils mit einer rund ein- bis eineinhalbstündigen Note, die bewusst interaktiv gestaltet ist. Den Auftakt übernimmt Nicole Thurn. Es geht nicht um Frontalvorträge, sondern um Beteiligung. „Die Leute sollen sich einbringen können“, so La Boom. Erst danach geht der Abend in Musik, Gespräche und ein lockeres Zusammensein über – mit Drinks, DJs und Zeit zum Kennenlernen.

Langfristig denkt HER*society über den einzelnen Abend hinaus. „Unser Ziel ist es, eine Community aufzubauen“, sagt Kate La Boom. „Eine stärkende Gemeinschaft, in der sich Frauen vernetzen – und vielleicht auch Freundschaften entstehen.“ Gerade in einer Branche, in der Frauen oft vereinzelt arbeiten oder informelle Netzwerke an ihnen vorbeiziehen, wird Gemeinschaft hier bewusst mitgedacht. Nach dem Auftakt geht die Reihe nahtlos weiter: Das zweite HER*society-Event findet am 26. März statt. Zu Gast ist die Malerin und Performance-Künstlerin JAZ, die den Abend mit ihrer künstlerischen Perspektive prägen wird.

Weltfrauentag: Offen für alle

Das Female Wine Collective: Ein loses Netzwerk von rund 80 FLINTA*-Personen setzt sich für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Weinbranche ein.

Ein wenig anders ist der Zugang am Weltfrauentag selbst. Am 8. März von 12 bis 18 Uhr öffnet sich das Schatz Imhof gemeinsam mit dem “Female Wine Collective” für alle. Dieses Netzwerk ist ein loser Zusammenschluss von über 80 FLINTA-Personen. FLINTA steht für Female, Lesbian, Intersex, Trans und Agender und bezeichnet Menschen, die nicht cisgeschlechtlich sind. „Ein Female Wine Collective im eigentlichen Sinn“, wie Derler es beschreibt. Der Nachmittag steht im Zeichen von Sichtbarkeit und Begegnung. Winzerinnen präsentieren ihre Weine persönlich, es gibt Verkostungen und unterschiedliche Programmpunkte, kulinarisch kocht Kim Bachinger. Der Zugang ist offen. „Austausch ist der erste Schritt“, sagt Derler. „Und genau den können wir schaffen.“

Der Weltfrauentag selbst bleibt dabei ambivalent. „Ich wünsche mir, dass es diesen Tag irgendwann gar nicht mehr geben muss“, sagt Derler. „Das wäre eigentlich das Ziel. Aber im Moment sieht es noch ganz anders aus.“ Gerade in Gastronomie und Weinbranche sei das Ungleichgewicht weiterhin deutlich spürbar. Sichtbarkeit sei deshalb eine Notwendigkeit.

Sichtbarkeit braucht Raum

Am Ende geht es im Schatz Imhof nicht um einen einzelnen Tag oder um Symbolpolitik. Es geht um Kontinuität, um Räume, die bleiben, und um Begegnungen, die über den Abend hinauswirken. HER*society und der Weltfrauentag zeigen, wie unterschiedlich feministische Ansätze aussehen können – als Schutzraum und als offene Einladung. Beides ist notwendig. Und beides macht deutlich: Sichtbarkeit entsteht dort, wo Frauen nicht nur mitgemeint, sondern ernsthaft eingebunden sind.

Hier geht es zur monatlichen Reihe HER*society: https://gastro.news/deal/hersociety-im-schatz-imhof/

Hier geht es zur Female Wine Collective Verantaltung am Weltfrauentag: https://gastro.news/deal/frau-imhof-wein-musik-kulinarik-zum-weltfrauentag/