Vom Feld in die Flasche

Angelika Kraft

Josef Farthofer © Destillerie Farthofer

Die Destillerie Farthofer im niederösterreichischen Mostviertel verbindet jahrhundertealte Brenntradition mit moderner Bio-Handwerkskunst. Entstanden aus einem bäuerlichen Hof, gewachsen durch Neugier, Konsequenz und Innovationsgeist, zählt der Betrieb heute zu den prägenden Adressen für hochwertige Bio-Spirituosen in Österreich.

Die Geschichte der Destillerie reicht bis ins Jahr 1867 zurück, als Katharina und Ignaz Sträßler erstmals Most pressten. Über Generationen hinweg prägten Streuobstwiesen, Mostproduktion und Schnapsbrennen den Hof – ein Handwerk, das in der Familie stets mit großer Wertschätzung für Obstveredelung verbunden war. Zeiten, in denen Most zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Dorfes wurde und jährlich zehntausende Liter erzeugt wurden, gehören ebenso zur Familienerinnerung wie das historische Brennrecht aus der Zeit Maria Theresias. Diese Verwurzelung bildet bis heute das Fundament des Betriebs.

Der Moment des Aufbruchs

In den 1990er-Jahren übernahmen Doris und Josef Farthofer schrittweise Verantwortung – mit klarer Vision. Schon früh war ihm bewusst, dass seine Zukunft weniger im Stall als vielmehr im Arbeiten mit Früchten lag. Noch als Schüler investierte er in Pressen, Anlagen und Technik, experimentierte mit Most, Säften und schließlich mit dem Brennen. Der erste Birnenmostbrand entstand aus einer pragmatischen Lösung heraus – und wurde zum Wendepunkt. Die Auseinandersetzung mit Aromen, Gärung und Destillation ließ ihn nicht mehr los.

Doris und Josef Farthofer © Destillerie Farthofer

„Mich interessierte von Anfang die Arbeit mit Obst und Früchten – nicht die Stallarbeit.“

Josef Farthofer

Bio als Haltung

Was Farthofer von Beginn an auszeichnete, war der Anspruch, Qualität ganzheitlich zu denken. Heute entstehen die Bio-Spirituosen konsequent „vom Feld in die Flasche“: Obst aus eigenen Streuobstwiesen, Verarbeitung und Veredelung im Haus, ergänzt durch eine hauseigene Mälzerei. Nachhaltigkeit ist dabei kein Schlagwort, sondern gelebte Praxis – von der Landwirtschaft bis zur Energieversorgung.

„Am Schnapsbrennen faszinierte mich von Anfang an die große Herausforderung die verschiedensten Kompetenzen von chemischen, technischem und biologischem Wissen zu vereinen, aus hochwertigem Obst das Aroma einzufangen und daraus edle Produkte zu erzeugen“, sagt Farthofer, „Schon bald wurde mir klar, dass es einen Markt für Brände gab, man musste ihn nur erobern.“

Mostviertler Charakter in Flaschenform

Die Produkte der Destillerie tragen klar die Handschrift ihrer Herkunft: präzise, vielschichtig und unverfälscht. Sie zeigen, wie sich regionale Rohstoffe, handwerkliches Können und technisches Wissen verbinden lassen. Die zahlreichen Auszeichnungen bestätigen diesen Weg, doch im Mittelpunkt steht weiterhin die Freude am Experimentieren und am feinen Unterschied. So bleibt die Destillerie Farthofer ein Betrieb, der Tradition nicht konserviert, sondern lebendig weiterdenkt.

© Destillerie Farthofer

Destillerie Farthofer
Mostviertelplatz 6
3362 Öhling
www.destillerie-farthofer.at