Simmering ist kein Bezirk, der sich wichtig nimmt. Hier wird nicht kuratiert, sondern gelebt. Es gibt Gärten, die aussehen wie aus einem vergessenen Kinderbuch, alte Werkstätten mit rostigen Schildern, Cafés, in denen noch ernsthaft Kaffee eingeschenkt wird- und eine überraschende Vielfalt an Küchen, die man erst entdeckt, wenn man sich treiben lässt.
Wer Simmering nur mit Industrie, Friedhof und Gasometer verbindet, übersieht, wie viel Geschmack hier zwischen den Straßenzeilen steckt. Die Gastronomie ist leiser als anderswo in Wien, oft familiär geführt, mit wenig Glamour und viel Hingabe. Manche Lokale verstecken sich hinter unscheinbaren Portalen, andere liegen direkt an Hauptstraßen, wirken im Vorbeigehen fast unsichtbar. Doch drinnen brutzelt, duftet, dampft es- und oft steht jemand in der Küche, der nicht für Likes, sondern für seine Leute kocht.
Es gibt Wirtshäuser, die noch wissen, was ein ordentliches Gulasch ist. Es gibt anatolische Bäckereien, die morgens um sieben schon voller Leben sind. Es gibt kleine Vinotheken, die zwischen Trambahn und Tankstelle auftauchen, und plötzlich steht man da, Glas in der Hand, mitten in Simmering. Vielleicht ist genau das das Schöne an diesem Bezirk: Er erwartet nichts von dir. Und schenkt dir dafür Geschichten, Gerichte und Gesichter, die bleiben. Im Folgenden 5 Adressen, die das besonders gut zeigen.

Sini
Simmeringer Hauptstraße 152, 1110 Wien

Wer einmal bei Sini war, weiß: Hier geht’s nicht ums schnelle Essen, sondern ums gemeinsame. Ein Tisch, viele kleine Teller, dampfend, würzig, warm- und alles wird geteilt. Der Name kommt nicht umsonst vom traditionellen türkischen Tablett, dem „Sini“, auf dem früher Händler ihre Speisen durch die Gassen trugen.
Die Gerichte kommen aus der südosttürkischen Tradition, sind aber mit Feingefühl und modernen Details angerichtet. Fleisch, vegetarisch, vegan: Hier geht alles zusammen, ohne viel Tamtam. Was zählt, ist Geschmack. Und der kommt von sorgfältig ausgewählten Zutaten, viel Handwerk und einer Küche, die weiß, wie man Menschen satt und glücklich macht.
Morgens beginnt der Tag mit Simit, Honig, Sucuk-Ei und Rührei mit Tomaten; das Frühstück wird bis spät serviert. Abends wird’s warm, lebendig, ein bisschen wie auf einem Platz irgendwo im Süden. Der Grill läuft, es riecht nach Gewürzen, und draußen flackern Gespräche.
Wer einen besonderen Anlass hat, kann das Sini auch ganz für sich haben – das Team organisiert Feiern, Taufen oder Geburtstage, ohne den Charme zu verlieren. Alles bleibt familiär. Echt. Und offen.

Gaststätte Pistauer
Ravelinstraße 3, 1110 Wien

Die Gaststätte Pistauer ist kein Ort, an dem man zufällig landet. Wer hierherkommt, tut das bewusst. In der Ravelinstraße, unscheinbar von außen, wartet drinnen ein Stück Wien, das so geblieben ist, wie es sein soll: schlicht, bodenständig, ehrlich.
Die Speisekarte liest sich wie ein Spaziergang durch die Wiener Küche. Wiener Schnitzel, Zwiebelrostbraten, Eierschwammerlcremesuppe. Ab dem Nachmittag kommen Spareribs auf den Tisch, dazu gibt es eine Hausplatte für zwei, die mehr als satt macht. Dazwischen Gerichte, die zeigen, dass hier jemand genau hinschaut: Eine Goldbrasse vom Rost zum Beispiel, oder Süßspeisen wie Marillenknödel und Powidltascherl, die so schmecken, als hätte man sie zuhause aufgetischt bekommen.
Geöffnet ist Pistauer fast immer: Montag bis Samstag bis 23 Uhr, Sonntag bis 15 Uhr. Es ist ein Ort für lange Mittagessen, für Abende, die nicht geplant waren und dann doch spät enden. Pistauer will nichts anderes sein als das, was es ist: eine Gaststätte, die den 11. Bezirk so widerspiegelt, wie er sich anfühlt; direkt, ohne Dekoration, aber mit genug Wärme, dass man wiederkommt.

Gasthaus Stern
Braunhubergasse 6, 1110 Wien
3 Hauben | Gault & Millau

Seit 2008 steht das Gasthaus Stern in der Braunhubergasse für eine Art von Wirtshaus, die man nicht mehr an jeder Ecke findet. Klassisch, regional, kompromisslos in der Herkunft der Zutaten. Tafelspitz, Rindsrouladen, Wiener Schnitzel, alles da. Dazu saisonale Gerichte, eine Vielfalt an Innereien und fast immer Wild auf der Karte. Das Besondere daran: Ein Teil dieses Wildes stammt direkt vom Chef, selbst erlegt.
Das Gasthaus versteht sich als klassisches Wohnzimmer für alle, die Wiener Küche so erleben wollen, wie sie sein soll: bodenständig, ehrlich, ohne Umwege. Wer lieber daheim isst, kann die Gerichte auch mitnehmen: verpackt im „Stern im Glas“.
Geöffnet ist von Mittwoch bis Freitag abends, am Samstag den ganzen Tag und am Sonntag bis zum späten Mittag. Montag und Dienstag bleibt die Küche kalt; vielleicht, damit genug Zeit bleibt für die Jagd, den Einkauf und die Sorgfalt, die man später am Teller schmeckt.

Hopfen und Malz
Kaiser-Ebersdorfer-Straße 277, 1110 Wien

1988 öffnete in der Kaiser-Ebersdorfer-Straße ein Lokal namens Arkadenhof. Heute, mehr als 25 Jahre später, kennt man es als Hopfen & Malz: ein Ort, der im 11. Bezirk längst zur Institution geworden ist. Seit der Übernahme durch Tom und Alex Ende 2017 hat sich zwar manches modernisiert, geblieben ist aber das, was zählt: traditionelle österreichische Küche, gekocht mit regionalen Produkten und serviert in einer Atmosphäre, die jeden willkommen heißt.
Drinnen wechseln sich historische Gaststuben mit Wintergarten und Kaminofen ab, draußen sitzen die Gäste unter Kastanienbäumen im Biergarten. Auf der Karte findet man fast alles, was ein Wiener Gasthaus ausmacht: Rindsuppe mit Frittaten oder Leberknödel, Wiener Schnitzel, Zwiebelrostbraten, Gulasch. Dazu Spareribs in verschiedenen Varianten, Grillteller, Cevapcici, Fisch vom Rost oder ein klassisches Backhendl. Wer’s vegetarisch mag, bestellt Kasnockn oder gebackenen Emmentaler. Und zum Schluss gibt’s Palatschinken, warme Schokokuchen oder Eismarillenknödel.

Asahimoto
Baudißgasse 4-6, Awarenstraße 5/1/4, 1110 Wien

In der Baudissgasse, ein Stück abseits vom Trubel, liegt mit Asahimoto ein Restaurant, das in Simmering ein anderes Tempo vorgibt: japanische Küche, frisch zubereitet, mit einer Karte, die so breit gefächert ist, dass man fast mehrere Besuche braucht.
Die Auswahl reicht von Sushi und Sashimi über Bentos bis zu dampfenden Ramen-Schüsseln. Es gibt Specials vom Grill wie Rib-Eye aus Argentinien, Flugentensteak oder Heilbutt im Ingwer-Miso-Sud. Wer es knusprig mag, bestellt Tempura oder Karaage, und auch Vegetarier finden mit Tofu-Spezialitäten, Kasnockn-ähnlichen Nudeln und vegetarischen Sushi reichlich Auswahl.
Zum Essen kommt ein kleiner Einblick in die japanische Esskultur: Bento-Boxen mit Sushi, Maki, Gyoza und Misosuppe; Matcha-Eis, Mochi oder Cheesecake zum Dessert. Alles wird frisch zubereitet, auf Qualität geachtet, und wer lieber zuhause isst, nutzt das Takeaway; verpackt in umweltfreundlichen Boxen.












